Die Fußball-Jugendabteilung des SSV Lützenkirchen ist in den vergangenen Jahren mächtig gewachsen.
SSV-TagWas den Leverkusener Verein SSV Lützenkirchen ausmacht

Die inklusiven Mannschaften des SSV Lützenkirchen und von Bayer 04 trafen aufeinander.
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Nicolas „Niki“ Kramer steht am Samstagmittag am Rand des Kunstrasenplatzes und schaut auf die unzähligen Kinder und Jugendlichen, die sich am SSV-Tag auf dem und um den Platz herumtreiben. Die dominierende Farbkombination ist klar erkennbar: schwarz-gelb. Denn dieser Tag, so sagt der Jugendleiter des SSV Lützenkirchen, ist eher ein Tag für den Verein.
Inzwischen zum dritten Mal veranstaltet der Verein diesen Tag, ein Schwerpunkt liegt auf der Inklusion. „Früher hatten wir ein Pfingstturnier, da waren dann auch externe Mannschaften dabei“, sagt der Jugendleiter. Aber der Verein und vor allem die Fußballabteilung sind so groß geworden, dass es vorkommt, dass man sich untereinander kaum kennt. Das wollte er mit diesem Fest ändern. Zeigen, dass der SSV „mehr ist als ein Fußballverein“.
Von 300 auf 450 Fußballjugendliche konnte der SSV seinen Nachwuchs innerhalb weniger Jahre steigern. Es gibt eine inklusive Mannschaft und eine für Geflüchtete, die einmal in der Woche ohne Voranmeldung einfach zum Training vorbeikommen können. Ansätze, die neben dem üblichen Fußballtrainingsbetrieb offenbar gut ankommen.
Fußballabteilung ist komplett ausgelastet
Und zwar so gut, dass der SSV zumindest in der Fußballabteilung eigentlich komplett ausgelastet ist. Man könne im Grunde keine Kinder mehr aufnehmen. „Aber ich hasse nichts mehr, als Kinder abzuweisen“, sagt Kramer. Denn es gehe nicht nur um den Sport, das Ganze habe auch eine soziale Komponente: „Es wird immer weniger für die Jugendlichen angeboten.“ Und dann beschwerten sich alle, dass die auf dumme Gedanken kämen. Dabei wollen er und der gesamte Verein zeigen, dass „man gut miteinander klarkommen kann“.
Allerdings reicht der Platz auf dem SSV-Gelände nicht mehr aus. Der Verein braucht unbedingt einen Platz. Die zweite Spielfläche direkt neben dem bestehenden Platz soll einen Kunstrasen bekommen. Aber der Weg dahin ist lang. Rund 800.000 Euro könnte das kosten, kalkuliert der Gesamtvorstandsvorsitzende Daniel Müller. Man habe sich um das Förderprogramm Moderne Sportstätten beworben, das das Land neu aufgelegt hat. 50 Prozent könnte man daraus bekommen, aber die anderen 400.000 Euro müsste der Verein aus eigenen Mitteln beisteuern. Dazu habe man Ende 2024 einen Förderverein gegründet. Auch die Bürgerstiftung unterstützt den Verein. Der SSV verkauft inzwischen seinen eigenen Wein – man ist also ziemlich kreativ. Und wohl auch deshalb ist Daniel Müller einigermaßen optimistisch, dass man den Eigenanteil stemmen könnte.
Um kurzfristig keine Kinder wegschicken zu müssen, hat der Verein zwei Tore angeschafft, die hinter den offiziellen Trainingsflächen stehen. So könne man die Kids zumindest erst einmal dahin schicken, sagt Kramer. Damit all das, was der SSV anbietet, auch funktioniert, ist der Verein natürlich auf Ehrenamtler angewiesen. Allein 70 Trainer und Betreuer hat die Fußballabteilung.
Es geht um soziale Strukturen, Sport verbindet
Neben dem Fußball bietet der SSV auch anderen Breitensport an, Tischtennis zum Beispiel und Darts. Oder auch Volleyball, dort sei man gerade dabei, eine inklusive Mannschaft zu gründen, sagt der Vorsitzende. Die inklusive Fußballmannschaft ist inzwischen auf 20 Personen angewachsen. Hier spielen Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren unabhängig von Alter, Geschlecht oder möglicher Einschränkung miteinander. An diesem Samstag ist das Spiel der inklusiven Mannschaft gegen die inklusive Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen so etwas wie der Höhepunkt des SSV-Tages.
Dieses „Mehr sein als ein Fußballverein“ ist auch das, was die Bürgerstiftung zu ihrem Engagement bewegt, sagt deren Geschäftsführer Manuel Bast. Der ist am Samstag auch zum SSV-Tag gekommen. „Es geht um soziale Strukturen, Sport verbindet“, sagt Bast. Und das ist an diesem Tag ziemlich offensichtlich.
