Es ist viel passiert im Jahr 2025, wir blicken zurück auf Schlaglichter in Leverkusen.
Gewinner, Verlierer, AufregerWas das Jahr 2025 in Leverkusen geprägt hat

Sankt Martinszug in Schlebusch: Ein Brief der Verwaltung an die Schulleitungen hatte im Vorfeld ordentlich Wirbel verursacht.
Copyright: Violetta Gniß
Das große Thema in diesem Jahr waren die Wahlen, zumindest politisch prägte der Kampf um Stimmen der Leverkusenerinnen und Leverkusener die Debatte. Außerdem muss sich die Stadt mit alten Problemen auseinandersetzen, die Leverkusen wohl noch länger begleiten werden. Die Redaktion wirft einen Blick auf Leverkusener Schlaglichter 2025.
Gewinner des Jahres
Das Offensichtliche zuerst: Stefan Hebbel ist selbstverständlich Gewinner des Jahres. Der Christdemokrat gewann in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Uwe Richrath (SPD) und holte für seine Partei das Rathaus zurück. Damit tritt der neue OB in die Fußstapfen seines Vaters Paul Hebbel, der von 1999 bis 2004 OB war. Überhaupt war das Jahr 2025 ein sehr erfolgreiches für die CDU: Auch im Stadtrat wurde man eindeutig stärkste Kraft. Was den Christdemokraten allerdings nicht gelang, war, SPD-Dauerbrenner Karl Lauterbach das Bundestagsmandat abzujagen. Ein weiterer Gewinner, und zwar einer, der mit Politik so gar nichts zu tun hat, ist Paraschwimmer Taliso Engels. Der wurde nicht nur Weltmeister, sondern holte sich gleich zwei Weltrekorde, einmal über die 100 und einmal über die 200 Meter Brust – eine beeindruckende Leistung.

Stefan Hebbel bei seiner Amtseinführung.
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Verlierer des Jahres
Auch hier, weil es so offensichtlich ist: Uwe Richrath. Nach zehn Jahren im Amt wurde der SPD-Mann in der Stichwahl Ende September abgewählt. Er selbst führte das im Interview mit dem „Leverkusener Anzeiger“ im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurück. Einmal auf einen grundsätzlichen Wunsch nach konservativerer Politik und zum zweiten darauf, dass er sich im Wahlkampf Angriffen ausgesetzt war, die Missstände in der Verwaltung aufgriffen und die ihn sicher einiges an Glaubwürdigkeit gekostet haben: die fehlenden Abrechnungen der Rettungsdienstgebühren, die die Stadt Millionen gekostet hat. Die möglicherweise rechtlich fragwürdige Ausgabe von Parkkarten an Verwaltungsmitarbeiter und das Einbehalten von Nebeneinkünften des OB. Das durfte er nicht, war aber wohl von seinen Vorgängern auch schon so praktiziert worden.
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Uwe Richrath wird am Abend der Wahlniederlage von seinen Parteigenossen getröstet.
Copyright: Ralf Krieger
Die Themen bringen uns aber auch zu weiteren Verlierern des Jahres: Kämmerer Michael Molitor und Baudezernentin Andrea Deppe. Molitor hatte Anfang Juli in einem Brief, den der damalige CDU-Fraktionschef Stefan Hebbel in der Ratssitzung öffentlich vorgelesen hat, OB Richrath und Deppe schwere Vorwürfe gemacht und um seine Abwahl gebeten. Molitor ist inzwischen suspendiert, es läuft ein Disziplinarverfahren gegen ihn. Nachdem seine erste Abwahl gescheitert war, gibt es jetzt aller Voraussicht nach eine Mehrheit für eine Abwahl im Februar. Ein Disziplinarverfahren hat auch Andrea Deppe am Hals, auch sie war von OB Richrath im Zuge der Aufarbeitung der nicht eingetriebenen Rettungsdienstgebühren von ihren Aufgaben entbunden worden. Wie es mit ihr weitergeht, ist derzeit nicht klar.
Unwort des Jahres
Wahlkampf. Klar. Erst die Bundestagswahl im Februar, dann die Kommunalwahl im September. Eigentlich befanden sich die Parteien und Gruppierungen in der Stadt im Dauerwahlkampf. Und das merkte man natürlich. Kaum ein Thema blieb unkommentiert, die Pressemitteilungen erreichten die Redaktionen von allen Seiten. Und der Wahlkampf war hart in diesem Jahr, vor allem zur Kommunalwahl. Das bestätigten auch alle Seiten.

Die beiden Geschäftsführer des Klinikums in Leverkusen freuen sich über die Landesförderung.
Copyright: Klinikum
Wort des Jahres
Förderung. Okay, das ist kein besonders schönes Wort. Aber wir wollen nicht vergessen, dass es neben all den Problemen und schlechten Nachrichten, die wir Medien ehrlicherweise schnell in den Vordergrund stellen, auch Gründe gibt, positiv nach vorne zu schauen: Leverkusen kann sich über eine ganze Menge Geld aus dem Topf zur Gemeindefinanzierung freuen, das Land hat der Stadt einen erheblichen Teil seiner Altschulden erlassen. Ein konkretes Beispiel für eine gute Nachricht: Das Klinikum bekommt rund 73 Millionen Euro vom Land, um unter anderem seine Notfallambulanz neu zu bauen.
Aufreger des Jahres
In den Sommerferien verschickte die Stadt ein Schreiben an die Leitungen aller Leverkusener Grund- und Förderschulen mit der Ansage, dass in diesem Jahr pro Stadtteil nur noch ein Martinszug ziehen dürfe. Im vergangenen Jahr waren es über 100. Der Grund: Die Sicherheitsauflagen könnten sonst nicht mehr erfüllt werden. Der Aufschrei war groß, wenige Tage später ruderte die Stadt zurück. Trotzdem wurden nur noch halb so viele Züge angemeldet wie 2024. Kritik wurde laut, weil den Ausrichtern konkrete Vorgaben der Stadt fehlten. Vor wenigen Wochen reagierte die Verwaltung auf die Kritik, demnächst wolle man sich zu dem Thema zusammensetzen. Vorgaben und vor allem Sicherheitsauflagen machen im Übrigen im Grunde allen Ehrenamtlern zu schaffen. Das gilt unter anderem auch für die Karnevalsgesellschaften, die die Züge ausrichten. Dafür, dass die im kommenden Jahr uneingeschränkt gehen können, gab OB Hebbel zuletzt seine Zusicherung.
Dauerbrenner des Jahres
Der Haushalt. Und er wird es wohl auch noch bleiben. Noch mal in aller Kürze: Die Stadt hat gewaltige Finanzprobleme, die Gewerbesteuereinnahmen waren in dreistelliger Millionenhöhe weggebrochen, es gab eine Haushaltssperre, die Stadt musste und muss sparen, sparen, sparen. In der letzten Sitzung des alten Rats am 27. Oktober wurde der neue Haushalt und das Haushaltssicherungskonzept beschlossen. Das könnte aber inzwischen alles für die Katz’ gewesen sein. Die Bezirksregierung will einer Verlängerung des HSK auf 15 Jahre, bis die Stadtfinanzen saniert sein sollen, nicht zustimmen. Man habe nicht alle Sparmöglichkeiten ausgeschöpft. Die Stadt und ihr neuer OB stehen vor einer gewaltigen Aufgabe.
Ein weiterer Dauerbrenner: der Autobahnausbau durch Leverkusen zur Megastelze. Mit dem neuen Bundesverkehrsminister hatte sich in der Verwaltung erst Hoffnung breit gemacht, vielleicht doch noch etwas gegen den oberirdischen Autobahnausbau tun zu können. Die Stadt will statt der Stelze einen Tunnel. Das gehe aber nur, so die Bundesregierung, wenn die Stadt die Mehrkosten selbst bezahlt. Das ist natürlich vollkommen illusorisch. Der Tiefschlag kam dann im September: Schnieder lehnt nicht nur die Einladung, nach Leverkusen zu kommen, ab, sondern macht sehr deutlich klar, dass es für sein Ministerium nur die Megastelze gibt. In Leverkusen will man allerdings weiterkämpfen, ist aus verschiedenen Ecken zu hören.


