Ein 18-Jähriger entscheidet sich für einen Beruf, den viele scheuen: Bestatter.
BerufswahlWenn Abschied Alltag wird: Ausbildung zum Bestatter in Leverkusen

„Ich denke, ich konnte schon immer gut mit Menschen reden“, sagt Nico Hudy.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Die Menschen in Deutschland werden älter. Die Sterbefälle nehmen zu, und das hat auch Auswirkungen auf die Bestattungsbranche. Zum Jahresende 2024 befanden sich laut Statistischem Bundesamt deutschlandweit 890 Personen in einer dualen Ausbildung zur Bestattungsfachkraft – so viele wie nie zuvor. Damit hat sich die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Einer von ihnen ist Nico Hudy. Vor acht Monaten hat der 18-Jährige seine Ausbildung beim Bestattungshaus Forst in Schlebusch begonnen. Der Mann seiner Cousine, der ebenfalls als Bestatter arbeitet, machte ihn mit dem Beruf vertraut. Schon in der zehnten Klasse stand für ihn fest: Er möchte Bestattungsfachkraft werden. Nach einem Probetag und einem Praktikum entscheidet er sich schließlich für die Ausbildung. Seine katholische Prägung spielte dabei keine Rolle. „Das hatte damit nichts zu tun“, sagt er.
Ein Beruf mit vielen Facetten
Die Ausbildung ist sehr vielseitig. In der Berufsschule in Wermelskirchen, einem von drei Hauptstandorten in Deutschland für die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft, steht viel Betriebswirtschaft auf dem Unterrichtsplan. Im zweiten Lehrjahr fahren die Berufsanfänger in das Ausbildungszentrum im unterfränkischen Münnerstadt.
Dort lernen sie alles rund um hygienische Versorgung, Grabtechnik und Trauerpsychologie. Im Alltag ist der Beruf es eine Mischung aus Organisation, Gesprächen und Handwerk. Särge zusammenbauen, Dekoration auswählen, Abläufe organisieren. „Man hat von allem etwas“, sagt Nico Hudy. Die Arbeit am Verstorbenen selbst sei relativ gering.
Der wichtigste Teil bleibt der Umgang mit Menschen. Die Angehörigen sieht er bei der Abholung der Verstorbenen im Büro auf dem Friedhof. Er erlebt dabei die ganze Spannweite menschlicher Reaktionen: Schock, Trauer, Erschöpfung und am Ende oft Erleichterung. Aber jeder Betroffene ginge auf seine eigene Art und Weise mit der Trauer um.
Wenn ein Bestatter rennt, stimmt etwas nicht.
„Viele Angehörige sind froh, dass wir da sind.“ Entscheidend sei es, die Ruhe zu bewahren. „Wenn ein Bestatter rennt, stimmt etwas nicht“, erklärt Nico Hudy. Die Distanz zu wahren, falle ihm nicht schwer. „Ich denke, ich konnte schon immer gut mit Menschen reden.“
Kinder oder Babys zu beerdigen gehöre zu den emotional besonders belastenden Aufgaben. „Wenn man dann die bewegenden Reden hört, trifft das mitten ins Herz“, sagt er. „Aber ich weiß, dass mir das noch öfter begegnen wird. Gleichzeitig empfinde er auch Hoffnung, wenn er sieht, mit wie viel Liebe und Hingabe die Familien in solchen Momenten Abschied nehmen.
So individuell wie das Leben selbst
Oft sind es dann doch die positiven Momente, die ihm in Erinnerung bleiben. Fußballfans, deren letzter Weg mit Trikots und Hymnen gefeiert wird, Piloten oder Schützen, die in Uniform verbrannt werden. „Da sieht man sofort, was den Menschen etwas bedeutet hat.“
Manchmal gibt es keine Angehörigen. Dann übernimmt die Stadt die Beisetzung. „Dann bist du wirklich der letzte Mensch, der mit der Person Kontakt hat“, sagt Nico Hudy. Im Arbeitsalltag ist Ruhe Voraussetzung. Angehörige spüren sofort, ob jemand sicher auftritt. Hektik würde alles verändern. Sein Werkzeug bei Trauerfeiern ist dabei erstaunlich unspektakulär: meist nur das Handy.

In der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft, wird auch gelernt, wie man Särge zusammenbaut.
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Nach der Arbeit zieht er klare Grenzen. Freunde treffen, Automessen besuchen, Social Media – Dinge, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. „Manche Sachen bleiben im Kopf, aber ich versuche das zu trennen.“ Nach einem Jahr Ausbildung zieht er ein ruhiges Fazit: „Ich habe gelernt, besser mit Menschen zu reden und mein eigenes Leben mehr zu schätzen.“ Langfristig kann er vorstellen, einen Meister zu machen.
Auch Friedhöfe sieht er heute anders. Besonders der am Scherfenbrand gefällt ihm: viel Natur, Vogelstimmen, manchmal läuft ein Eichhörnchen zwischen den Wegen. „Es ist friedlich“, sagt Nico Hudy.
