Eine Choreografie, viele Songs und Szenen aus „Shrek“. So lief das Musicalcasting im Erholungshaus.
Casting im ErholungshausWie das Junge Musical Leverkusen neue Männerstimmen sucht

Es ist nicht nur Talent gefragt, sondern auch darum, wie gut es den Männern gelingt, in den witzigen Szenen aus sich herauszukommen.
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„Heute ist es wichtig, dass ihr euch auf die Sache einlasst und Spaß habt“, begrüßt die künstlerische Leiterin Lisa Kobylorz die Kandidaten. Noch stehen einige etwas unsicher herum, trinken einen Schluck Wasser oder werfen prüfende Blicke durch den Raum. Zehn Männer sind dem Aufruf des Jungen Musicals gefolgt. Sie wollen im nächsten März mit auf der Bühne im Erholungshaus stehen.
Die Musik startet. „This is Me“ aus „The Greatest Showman“ dröhnt durch den Saal. Choreografin Verónica Samper Hosie zeigt die ersten Schritte, erfahrene Ensemble-Mitglieder tanzen direkt mit.
„Ich achte auf Musikalität, Timing, Koordination und darauf, ob jemand Lust hat, etwas auszuprobieren“, sagt die 32-Jährige. Seit 2025 ist sie die tänzerische Leitung des Jungen Musicals. Perfekt müsse an diesem Abend niemand sein. „Selbst wenn man in einer Disziplin noch nicht so gut ist, hat man ausreichend Zeit, das zu lernen.“
Ich achte auf Musikalität, Timing, Koordination und darauf, ob jemand Lust hat, etwas auszuprobieren.
Nach fast eineinhalb Stunden Tanzen folgt Schauspiel. In Zweiergruppen sollen Szenen aus „Shrek“ erarbeitet werden. Während der Vorbereitung hallt immer wieder Gelächter durch die Gänge. „Macht euch keinen Stress wegen des Auswendiglernens“, ruft Lisa Kobylorz den Teilnehmern zu. Es ist nicht nur Talent gefragt, sondern auch, wie gut es den Männern gelingt, in den witzigen Szenen aus sich herauszukommen.

Clauden Hakizimana (links) und Tobias Siebigteroth üben gemeinsam mit den Coaches eine Szene aus „Shrek“.
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Clauden Hakizimana aus Düsseldorf probt zusammen mit Tobias Siebigteroth aus Bonn. Clauden ist 31 Jahre alt, entspannt und offensichtlich nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Für sein Vorsingen hat er „Halo“ von Popstar Beyoncé ausgesucht. „Ich wollte mit einem Pop-Soul-Song noch eine andere Facette zeigen.“ Am schwierigsten findet er das Tanzen. Nervös wirkt er trotzdem nicht. „Ich gehe eigentlich immer ohne Erwartungen an die Dinge heran.“ Dann grinst er. „Los werdet ihr mich nicht.“ Sein Lieblingsmusical ist ‚„König der Löwen“‚, zuletzt war er bei „Moulin Rouge“ in Köln. „Musical ist einfach eine coole Kombination. Man verbindet so viele Dinge und erarbeitet alles gemeinsam als Gruppe.“
Auch Tobias Siebigteroth bringt Bühnenerfahrung mit. Der 34-Jährige war früher in einem Gospelchor und spielt heute in einer Karnevalsband. Das Musical „König der Löwen“ hat er bereits dreimal gesehen, „Tarzan“ sogar fünfmal. Beim Casting singt er „Bring Him Home“ aus „Les Misérables“.
„Manchmal hat man Gänsehaut“
Etwas angespannter wirkt dagegen Max Keller. Der 34-Jährige nimmt zum ersten Mal überhaupt an einem Casting teil. Er singt „Fight the Dragons“ aus Big Fish und sucht währenddessen immer wieder Blickkontakt zu David Welfens am Klavier.
Im Einzelcasting müssen alle Bewerber zwei Stücke vorbereiten: ein selbst gewähltes Lied und einen Pflichtsong aus einer vorgegebenen Auswahl. Darunter auch Stücke aus „Les Misérables“, „Tarzan“ oder „Die Eiskönigin“. „Es war wichtig, verschiedene Stimmgruppen abzubilden“, erklärt Lisa Kobylorz. Worauf es ankommt? „Was kann ich stimmlich und wie gelingt es mir, die Geschichte hinter dem Song zu erzählen?“ In besonderen Momenten passiert genau das, worauf alle hoffen. „Ja, manchmal hat man Gänsehaut, wenn jemand singt.“
Neustart mit Frank Sinatra
Auch Andreas Eul wagt an diesem Abend etwas Neues. Der 41-Jährige ist nervös. „Die Aufregung bei mir war groß.“ Für sein Vorsingen hat er „My Way“ von Frank Sinatra ausgesucht. „Das Lied passt gut zu meinem persönlichen Lebensumbruch. Ich möchte mein Leben so leben, wie es für mich richtig ist.“
Andreas Eul war früher in Chören aktiv. Heute nimmt er wieder Gesangsunterricht, studiert BWL und blickt auf ein früheres Berufsleben als Pilot zurück. „Im Berufsleben ist es leider schwierig, etwas Kreatives zu machen.“ Besonders freut er sich auf die Gemeinschaft im Verein.
Nach den Einzelcastings werden die „Shrek-Szenen“ vor der ganzen Gruppe gespielt. Obwohl der Abend inzwischen lang geworden ist, bleibt die Stimmung herzlich. Zum Abschluss bedankt sich Lisa Kobylorz bei den Bewerbern. „Wenn wir euch nicht aufnehmen können, dann hat das ganz vielfältige Gründe. Vielen Dank, dass ihr uns eure Zeit geschenkt und so viele tolle Sachen vorbereitet habt.“
Das Ensemble des Jungen Musicals besteht aktuell aus 34 Mitgliedern, ungefähr zwei Drittel davon sind Frauen. Im September starten die Proben, die Premiere ist für März 2027 geplant. Wer aufgenommen wird, probt nicht nur zweimal pro Woche. Auch Maske, Kostüm oder Marketing gehören zu den Aufgaben. Und genau das macht dieser Abend deutlich: Musical ist hier nicht nur Bühne, sondern Mannschaftssport mit Musik.
