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Start-FestivalWie in Leverkusen eine tierische Menschlichkeit entsteht

3 min
Daria Hlinkina ist Teil der Produktion, die am Freitag ins Erholungshaus kommt.

Daria Hlinkina ist Teil der Produktion, die am Freitag ins Erholungshaus kommt.

Das Tanzensemble des Mainzer Staatstheaters arbeitet mit der Choreografin Paloma Muñoz zusammen.

Ein wenig könne man sich das, was die Ensemblemitglieder von Tanzmainz und die Choreografin Paloma Muñoz am Freitag auf die Erholungshaus-Bühne bringen, wie ein bewegtes Gemälde vorstellen, sagt Honne Dohrmann. Er ist Direktor von Tanzmainz, dem 25 Personen umfassenden Tanzensemble des Mainzer Staatstheaters. Zum zweiten Mal kommt Tanzmainz nach Leverkusen, Anlass ist das Startfestival von Bayer Kultur.

Für „Im Mohnfeld“ arbeitet Paloma Muñoz mit acht Tänzerinnen und Tänzern von Tanzmainz zusammen.

Für „Im Mohnfeld“ arbeitet Paloma Muñoz mit acht Tänzerinnen und Tänzern von Tanzmainz zusammen.

„Im Mohnfeld“ heißt das Stück, das die Tänzerinnen und Tänzer mitgebracht haben. Paloma Muñoz ist für die Choreografie verantwortlich. Muñoz ist Tänzerin und Choreografin. Sie ist „Artist in Residence“ am Mercat de les Flors, einem renommierten Theater in Barcelona. „Sie kann starke Bilder und Atmosphären herstellen“, beschreibt Dohrmann das Schaffen der Künstlerin.

Für „Im Mohnfeld“ arbeitet sie mit acht Tänzerinnen und Tänzern von Tanzmainz zusammen: Dušan Bajčetić, Mia Boggs, Zachary Chant, Tanit Cobas, Paul Elie, Elisabeth Gareis, Daria Hlinkina und Jaume Luque Parellada. Das Mainzer Ensemble habe keine festen Choreografen, sagt Dohrmann. Das Theater lädt in der Regel Künstlerinnen und Künstler ein, mehrere Monate, etwa zweieinhalb, sagt Dohrmann, arbeite man dann zusammen. 2026 bringe das Theater, das sich vor allem dem zeitgenössischen Tanz verschrieben habe, sechs neue Produktionen auf die Bühne.

Fernanda Jardí ist bei „Im Mohnfeld“ für die Ausstattung verantwortlich, Alejandro da Rocha hat eine eigene Musik für das Stück geschrieben, Wil Frikke rückt die Tänzerinnen und Tänzer ins rechte Licht und Hannah Meyer-Scharenberg ist Dramaturgin.

Das Stück ist in zwei Teile geteilt: den Tag und die Nacht. Am Tag bilde das, was auf der Bühne passiert, eine ländliche Idylle ab. Die Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich langsam, „fragil“, sagt Dohrmann. Die Natur sei bei Paloma Muñoz häufig ein Leitmotiv, vermutlich zurückzuführen auf ihre Herkunft, Muñoz kommt aus der Region Extremadura. Sie liegt im Südwesten Spaniens, an der Grenze zu Portugal. Der Tag beginnt mit einem Duett, die Szenerie stelle Ordnung und Form dar, viel Licht ist im Spiel.

Es hat etwas Magisches, wenn viele unterschiedliche Energien zusammenkommen und viele neue Reize entstehen.
Honne Dohrmann, Direktor Tanzmainz

Die Nacht, die direkt auf den Tag folgt, sei dann die Kehrseite: „Ekstase, Rausch, das Überschreiten von Grenzen“ bekomme man dann auf der Bühne zu sehen. Und über allem schwebt eine „tierische Körperlichkeit“, wie es in der Ankündigung heißt. Dohrmann erklärt: „Wie würde es aussehen, wenn nicht ein Mensch, sondern ein Tier diese Bewegungen machen würde?“ Das heißt, die Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich Tieren gleich, wenn auch nicht wie bestimmte.

Dennoch gehe es bei allem natürlich auch um menschliche Emotionen. Das Staatstheater beschreibt es so: „Das Ensemble erscheint zugleich menschlich und animalisch, als Herde, als organisches Gefüge.“ Sowohl Kontrolle als auch Instinkt fänden Platz in dem Stück. Allerdings nicht gegeneinander, wie Dohrmann betont. Vielmehr durchdringen sich der Tag und die Nacht.

Das Stück durchlebe eine dauerhafte Steigerung, sagt der Tanzdirektor. „Es hat etwas Magisches, wenn viele unterschiedliche Energien zusammenkommen und viele neue Reize entstehen.“ Im Mainzer Staatstheater kommt das offenbar an, alle Vorstellungen seien ausverkauft. Der Auftritt in Leverkusen sei das erste Gastspiel mit dieser Produktion.

Diese „Fantasiewelt“, wie Dohrmann sie nennt, erzähle keine stringente Geschichte, darum gehe es nicht. Sondern um die Art der Bewegung. Jemand habe mal zu ihm gesagt, das Ganze erinnere an Alice im Wunderland.

„Im Mohnfeld“, Paloma Muñoz und Tanzmainz, Freitag, 29. Mai, 19 Uhr, Erholungshaus. Karten gibt es online.

https://www.kultur.bayer.de/de/startfestival