In der Herbstumfrage der Creditreform zeichnen die Unternehmen ein Bild, in dem die dunklen Töne überwiegen.
UmfrageNoch geht es, aber die Zukunft sieht trübe aus für Leverkusens Mittelstand

In der Herbstumfrage der Creditreform zeichnen die Unternehmen, hier das Gewerbegebiet Küppersteg, ein Bild, in dem die dunklen Töne überwiegen.
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Die Geschäftslage der mittelständischen Unternehmen in der Region ist für viele noch akzeptabel – die Prognosen fallen allerdings skeptisch aus. Zu diesem Ergebnis kommen die Statistiker der Creditreform. Der Anteil der Unternehmen, die von einer „sehr guten“ oder „guten“ Auftragslage berichten, liegt jetzt nur noch bei knapp über 50 Prozent. Vor einem Jahr waren es noch 56 Prozent.
Und während im Herbst 2022 noch knapp sieben Prozent der befragten Mittelständler im Wirtschaftsraum zwischen Leverkusen, Solingen und Remscheid ihre Auftragslage als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bezeichneten, vergibt momentan jeder Zehnte die Note „Fünf“ oder „Sechs“. Als Schulnote ergibt sich eine 2,6.
Leverkusen: Nicht jeder konnte höhere Kosten weitergeben
Immer noch profitieren 54 Prozent der Mittelständler von Preiserhöhungen. Das gilt besonders für den Bausektor und Dienstleistungen. So können sie die oft drastisch gestiegenen Kosten für Vorprodukte, vor allem aber Energie auffangen: Mehr als 70 Prozent der Befragten berichten von höheren Bezugspreisen. Allerdings mussten sich auch acht Prozent der Befragten dem Druck beugen und ihre Preise senken. Dass höhere Preise nicht automatisch höhere Umsätze bedeuten, gehört inzwischen auch zur Wahrheit: Nur noch 39 Prozent der Befragten berichten von Umsatzsteigerungen, 27 von gesunkenen Umsätzen.
Gut geht es derzeit noch der Bauwirtschaft. Betriebe aus dieser Branche berichten vielfach von einer „ausgezeichneten Umsatzlage“, fasst Ole Kirschner von Creditreform Solingen die Ergebnisse der Herbstumfrage zusammen. 67 Prozent der Unternehmen aus dem Bau- und baunahen Gewerben sprechen derzeit von einer „guten“ oder sogar „sehr guten“ Lage. Über eine schlechte Geschäftslage klagten nur 7 Prozent der Befragten. Im Durchschnitt ergibt das eine 2,1. Nur wenig schlechter ist die Lage offenbar im Dienstleistungssektor: 2,4 ist ebenfalls besser als der regionale Durchschnitt. Deutlich schlechter als der Schnitt über alle Branchen liege in dieser Betrachtung der Handel mit 2,9, vor allem aber die Industrie, die mit 3,2 das Schlusslicht bilde, zeigt die Umfrage.
Nur ein Viertel rechnet mit besseren Ergebnissen
Die vielfach maue Lage wird sich nach Ansicht vieler Unternehmer so bald auch nicht verbessern, zeigt die Umfrage. Im Gegenteil: Nur noch 24 Prozent der befragten Mittelständler glauben, dass sich die Geschäftslage im nächsten halben Jahr verbessern wird – 28 Prozent dagegen befürchten eine Verschlechterung.
Auch bei der Frage nach Umsatz- und Ertragserwartung sei im Mittelstand „die Verunsicherung spürbar“, so Ole Kirschner: 36 Prozent der Firmen rechnen zwar in den nächsten Monaten mit Umsatzzuwächsen – aber nur 28 Prozent glauben, dass damit auch steigende Erträge einhergehen. Besonders Handels- und Industrieunternehmen befürchteten Gewinneinbußen, ist der Befund. Dazu passt, dass auch die Investitionsbereitschaft der Mittelständler zurückgeht: Nur 48 Prozent der Unternehmen planen in nächster Zeit Investitionen.
Ungeachtet der schwierigen Rahmenbedingungen und der geringen Zuversicht für das kommende Jahr haben viele Unternehmen neues Personal eingestellt. Das ist indes auch Spiegel der Demografie in den Betrieben: Die große Generation der Babyboomer verabschiedet sich in den Ruhestand und kann nicht immer ersetzt werden. Ein gutes Drittel der befragten Mittelständler hat im vergangenen halben Jahr eingestellt. Im Bau- und im Dienstleistungssektor soll sich daran auch nichts ändern.
