Marie und Lukas sind eifrige Entenfischer. Am Stand von Benjamin Hünger holen sie mit ihren Magnetangeln eine gelbe, grüne, blaue oder rosafarbene Ente nach der anderen aus dem Wasser. Opa Dieter guckt ihnen dabei zu. Nach ein paar Minuten sind je zwei Plastikwannen von dem Achtjährigen und seiner fünfjährigen Schwester randvoll mit Enten gefüllt. Dafür gibt’s viele Punkte. Und entsprechende Plastikchips als Gutscheine. Zufrieden ziehen die drei von dannen.
Herbstfest in Wiesdorf, kombiniert mit dem Markt „Papier & Schätze“ im Wiesdorfer Zentrum, dazu noch am westlichen Ende des Wiesdorfer Platzes ein großer Sektstand unter dem Vordach eines Bekleidungsgeschäfts und der Wochenmarkt: In der Fußgängerzone war am Samstag reger Betrieb, obwohl es am Morgen noch recht frisch und der Regen gerade erst weitergezogen ist.
Bea Reinecke-Denker, Organisatorin von „Papier & Schätze“, ist auch selbst mit einem eigenen Trödelstand, vertreten. In eine dicke Decke gehüllt sitzt sie mit einem Begleiter an ihrem Stand, wo es von einer alten „Tonio-Kröger“-Ausgabe und anderer antiquarischer Literatur über Emaille-Schilder bis zu Glaswaren so einiges zu entdecken gibt. Die Solingerin organisiert den Markt seit zwei Jahren und erhofft sich von der Kombination mit dem Herbstfest zusätzliches Publikum.

Bea Reinecke-Denker an ihrem Stand auf dem Markt „Papier & Schätze“
Copyright: Peter Seidel
Der Aufwand, den sie und ihr Kollege Mario Barber für das Herbstfest betreiben müssen, die Trödler ihre Stände und der Schausteller sein Kinderkarussell aufgebaut haben oder die Plastikenten von Hünger im Wasser schwimmen können, ist erheblich. Los geht’s mit der umfangreichen und komplexen Anmeldung. Sieben Wochen vor dem Termin wolle die Stadt Leverkusen wissen, wie viele Trödler denn dabei seien. Reinecke-Denker: „Das funktioniert so nicht.“ Die Beschicker von Trödelmärkten schauten typischerweise ein paar Tage vor dem Markttermin auf die Wettervorhersage und entschieden dann, ob sie teilnähmen oder nicht.
Reinecker-Denker veranstaltet seit 20 Jahren den Büchermarkt in Hilden. „Da muss ich vorher ein vierseitiges Formular ausfüllen, hier einen Stapel Papier. Das ist ziemlich nervig.“ Henny Dietrich, die Mutter des Herbstfest-Organisators Mario Barber, pflichtet ihr bei. „Das sind viel mehr Seiten.“ Die Stadt Leverkusen wolle zum Beispiel genau wissen, wie groß die Werbeplakate für Herbst oder Trödelmarkt seien und wie viele aufgehängt werden.
Doch damit nicht genug. Die Verwaltung teilt Reinecke-Denker exakt mit, an welche Laternenpfähle sie ihre Werbeplakate hängen darf. Die Laternen haben alle Nummern. Etwa in Kopfhöhe mit weißer Sprühfarbe aufgebracht. „Das Problem ist, dass die Nummern oftmals von Bayer-04-Fans oder anderen Leuten mit Aufklebern überklebt sind“, so die Solingerin. „Wenn ich mein Plakat aber jetzt an die falsche Laterne hänge, kostet mich das richtig Geld.“ 107 Euro verlange die Stadt von ihr in einem solchen Fall. Pro Plakat. Eine Begründung für die laternenpfahlgenaue Hängung der Plakatwerbung gebe es nicht von der Verwaltung. Reinecke-Denker: „Sowas macht keine andere Stadt.“
Immerhin eins hat Leverkusen Hilden voraus. Die Gebühren für ihren Trödelmarkt sind hier viel niedriger als in der Stadt im Kreis Mettmann.

