Es ist nicht leicht, jemandem, der oder die nicht dabei war, zu beschreiben, was genau auf einem Konzert von Asaf Avidan mit dem Publikum passiert. Der israelische Sänger mit dem großen Stimmumfang nach oben singt nicht immer. Er krächzt, er spricht, er leidet, er erreicht aber auch ein beeindruckendes Vibrato, wenn es denn zum Song passt. All das beschreibt aber nicht, wieso die Zuschauerinnen und Zuschauer dermaßen begeistert sind von seinen Shows.
Das Offensichtliche: Asaf Avidan schreibt tolle Songs. Mal melancholisch, mal mit Singer-Songwriter-Einflüssen, wenn auch immer schnell gebrochen, bevor es gewöhnlich wird. Mal furios, mal sogar zum Tanzen anregend. Aber das Schöne an einem Konzert von Asaf Avidan ist, dass ein Konzert immer noch besser ist als seine Platten. Und das liegt an seiner Präsenz, an seinem Charme, an seinen Entertainerqualitäten.
Die eigene Endlichkeit
Der Sänger möchte seinen Zuhörerinnen und Zuhörern offenbar alles an Emotionen geben, was er abrufen kann: von Nachdenklichkeit und bis zu einem Schuss Albernheit. Nie gleichzeitig, so wird die Show nicht eintönig. Er wolle, dass die Menschen in eine Höhle steigen, um in ihr Innerstes zu gehen. Ganz tief, bis sie zu einem kleinen Gewässer kommen, gefüllt mit dunklem Wasser. Und wenn sie dann reinschauen, so hofft er, sehen sie erfreuliche Dinge. Asaf Avidan tut das nach eigenen Angaben auch jedes Mal, wenn er Songs schreibt. Und das, was er im schwarzen Wasser sehe, mache ihm auch Angst. Dann werde er mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert. Davon bekomme er fast Panikattacken.
Mitten im Konzert tut er zwischen zwei Songs aber auch mal, als sei er ein Privatdetektiv im Jahr 1952, und erzählt eine abstruse und improvisiert-lustige Geschichte. Die ergibt zwar nicht wirklich Sinn, aber das ist egal. Denn ohne solche Einwürfe könnte es dunkel werden in der Höhle, in die Avidan seine Zuschauerinnen und Zuschauer mitnimmt.
Musikalisch ist das, was der Sänger und seine Mitmusiker bieten, ungemein intensiv. „My tunnels are long and dark these days“ zum Beispiel. Oder „A part of this“. Gegen Ende zitiert Avidan Leonhard Cohen: „Wüsste ich, woher die guten Lieder kommen, würde ich öfter dorthin gehen.“ Asaf Avidan weiß, wo er seine findet. In seiner Höhle, die jetzt auch die Leverkusenerinnen und Leverkusener kennen.

