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Leverkusener JazztageMark Lettieri und die WDR Big Band erweitern den „Snarky-Puppy“-Sound

Im zweiten Teil des Konzertabends begeisterten Finn Heine und das Dicovery Collective mit instrumentaler Brillanz.

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Mark Lettieri (Gitarre) spielte mit seiner Band und der WDR Big Band Songs vom gemeinsamen Album „At Studio 4“.

Mark Lettieri (Gitarre) spielte mit seiner Band und der WDR Big Band Songs vom gemeinsamen Album „At Studio 4“.

Der Titel passt mal so gar nicht. Das weiß Mark Lettieri auch. Ein Lied für einen Mittagsschlaf („Naptime“) ist das, was der Gitarrist und die WDR Big Band am Mittwochabend gemeinsam auf die Bühne im Erholungshaus bringen, sicher nicht. Der Groove von Jason „JT“ Thomas am Schlagzeug treibt die Musikerinnen und Musiker an. Würden die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht sitzen, einige würden bestimmt tanzen.

Die Erklärung von Lettieri folgt: Den Song habe er geschrieben, als seine Tochter Mittagsschlaf gehalten habe. In einer Stunde. Mehr Zeit blieb ihm nach eigener Aussage nicht. Hörbar ist das natürlich nicht. Rausgekommen ist eine filigrane und tanzbare Uptempo-Nummer.

Mark Lettieri ist eine echte Fusion-Größe. Er ist Teil der famosen „Snarky Puppy“ und hat in diesem Jahr nach Leverkusen deren Drummer JT mitgebracht. Außerdem sitzt Daniel Porter an den Tasten. Dazu kommt die WDR Big Band, an diesem Abend geleitet von Jörg Achim Keller.

Gemeinsames Album

Dass diese Kombination passt, wissen die Musikerinnen und Musiker schon seit zwei Jahren, als sie zusammen das Album „At Studio 4“ aufgenommen haben. Die Setlist besteht aus Liedern der Platte. Alle hat der Gitarrist geschrieben.

Ein paar Beispiele: „Slide Rule“ ist ein Funk-Monster, das mit „fettem“ Groove Lettieris in diesem Fall minimalistischem Soloansatz eine breit klingende Basis gibt. „Gigantics“ kommt furioser daher, vor allem in den Bläsern der Big Band. Was „Snarky Puppy“ ähnelt, ist die Energie. „Lingus“ vom Album „We like it here“ hätte durchaus musikalisch ins Programm von Mittwochabend gepasst.

Die Rhythmik, häufig kompliziert, ist ebenfalls eine Gemeinsamkeit. Mal abgesehen vom eher konventionellen Shuffle „Star Catchers“. Lettieri bekommt in seinen eigenen Stücken aber naturgemäß etwas mehr Raum. Dennoch ist die WDR Big Band viel mehr als reine Bläserbegleitung. Dafür sind die Soli auch viel zu gut. Ben Fitzpatrick (Tenorsax) und Andy Hunter (Posaune) etwa schaukeln sich zu einer atemberaubenden Improsession hoch.

Finn Heine (Gitarre, M.) und das „Discovery Collective“  haben 2022 den „Future Sounds“-Nachwuchswettbewerb der Jazztage gewonnen.

Finn Heine (Gitarre, M.) und das „Discovery Collective“  haben 2022 den „Future Sounds“-Nachwuchswettbewerb der Jazztage gewonnen.

Den zweiten Teil des Abends bilden Finn Heine und das Discovery Collective: Finn Heine (Gitarre), Darius Blair (Tenorsax), Baruna Dhimaz (Bass), Colin Schulte (Schlagzeug) und Louis Gignier (Vibrafon). Die Band hat 2022 den „Future Sounds“-Nachwuchswettbewerb der Jazztage gewonnen, inzwischen auf den großen Festivals wie Jazzopen Stuttgart oder Jazzbaltica gespielt und wurde sogar vom Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue eingeladen. Im September haben sie ihr Debütalbum „Broken Reality“ veröffentlicht.

Der Band gehe es darum, immer weiterzukommen. Sich neue Herausforderungen zu suchen. Die fünf jungen Musiker treiben es in Sachen Komplexität noch auf die Spitze. Minutenlange Soli von unglaublicher Virtuosität bringen die Zuschauerinnen und Zuschauer zum Staunen. Spannend ist, dass kaum ein Instrument dominiert. Auch Bandleader Finn Heine blüht in seinen Soli zwar auf, hält sich aber wie alle sehr zurück, wenn jeweils andere Instrumentalisten zeigen, was sie können.

Die Musik dreht sich für Finn Heine, wie er erzählt, häufig um persönliche Gedanken. Also um mehr als Musik. „All these little things“ zum Beispiel sei davon inspiriert, dass er in seinem Musikerleben Dingen und auch Personen, die er schätzt, zu wenig Beachtung schenkt. Daran arbeite er, sagt der Gitarrist.

Apropos Beachtung: Dass doch eine ganze Reihe Zuschauerinnen und Zuschauer das Konzert der Band vorzeitig verließen, hatte nichts mit der musikalischen Qualität dessen zu tun, was sie auf der Bühne geboten bekamen. Verdient hatten die jungen Musiker das nicht. Von denen, die blieben – und es waren glücklicherweise doch die meisten – bekamen sie den absolut verdienten Applaus.