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Buch über Geschichte des FestivalsWie der Jazz nach Leverkusen kam

Der Ursprung des Leverkusener Jazzfestivals lässt sich bis nach Frechen zurückverfolgen.

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Die großen Namen kamen für die Jazztage schon immer nach Leverkusen: 1990 Miles Davis und Foley.

Die großen Namen kamen für die Jazztage schon immer nach Leverkusen: 1990 Miles Davis und Foley.

Der Ursprung der Jazzszene in Leverkusen liegt in Frechen. Zumindest ist dort der Mann aufgewachsen, der im Grunde hauptverantwortlich dafür ist, dass der Jazz nach Leverkusen kam. Den dort begann der damals Anfang-20-jährige Erhard Schoofs damit, sich mit der Musik auseinanderzusetzen, deren Ausbreitung er in seiner späteren Heimatstadt Leverkusen maßgeblich vorangetrieben hat.

2024 ist Schoofs gestorben. Wegbegleiter von ihm, Udo Gerling (Produktion) vom Musikarbeitskreis Rheindorf und Beatrix Gerling (Autorin), haben jetzt das 208-seitige Buch „Jazz in Leverkusen. Vorgeschichte und Anfänge der Leverkusener Jazztage. 1980–1997“ herausgebracht. Udo Gerling hatte viele Jahre mit Schoofs zusammengearbeitet, war Vorsitzender des Vereins „Jazz Lev“ und später als Mitarbeiter der Stadtverwaltung auch für die Jazztage verantwortlich. Das Buchprojekt habe Schoofs selbst noch mit angestoßen, sagt Gerling. „Die Veröffentlichung erlebt er nun leider nicht mehr.“

Herausgekommen ist eine Veröffentlichung, die sich dem Ursprung sowie den ersten 18 Jahren des Festivals widmet. „Dabei wird auch die Entwicklung der Jazzszene in Leverkusen gestreift mit Blick auf die Menschen, die sich dort für den Jazz engagierten.“ Denn das seien in den 70er-Jahren, also in den unmittelbaren Jahren vor dem ersten Festival 1980, nicht viele gewesen, stellt sich beim Lesen heraus. Ein großer Fokus liegt aber natürlich auf der Musik und den herausragenden Leuten, die schon damals in der Stadt aufgetreten sind.

Blick in den Terrassensaal des Forums am 8. Oktober 1990.

Blick in den Terrassensaal des Forums am 8. Oktober 1990.

Die Liebe zum Jazz entwickelte der junge Erhard Schoofs schon in den frühen 60ern in Frechen. Als Mitbegründer des „English-Clubs“ an der VHS Frechen organisierte er erste Jazzkonzerte sowie Weiterbildungen für junge Musikerinnen und Musiker mit erfahrenen Profis. 1962 eröffnete der Club einen eigenen Jazzkeller mit dem Namen „The Jazzer’s Home“, schon im Herbst zuvor traten beim ersten Frechener Amateur-Jazz-Festival junge Bands auf. Das Festival wuchs und die Musikerinnen und Musiker wurden hochkarätiger.

Um 1970 herum meldete sich der damalige Stadtdirektor Leverkusens, Joachim Türke, bei Schoofs. Türke war zuvor Beigeordneter in Frechen gewesen und hatte schon mit dem English-Club zu tun gehabt. Er holte Schoofs in den Planungsstab der Rheindorfer Gesamtschule. Denn der war inzwischen Lehrer: „Ich war derjenige, der die Welt mit Jazz missionieren wollte“, zitiert Gerling Schoofs im Jahr 2022.

Erhard Schoofs (2023) hat die Jazztage nach Leverkusen geholt.

Erhard Schoofs (2023) hat den Jazz nach Leverkusen geholt.

Was folgte, war die Gründung des Vereins „Jazz Lev“, bis heute nicht wegzudenken aus der Leverkusener Musikszene. Das erste Konzert organisierte der Verein für den 26. Juni 1978 im Galerie Café am Friedrich-Ebert-Platz in Wiesdorf. Der erste Vorstand des Vereins bestand aus Schoofs, Wolfgang Orth, Karl-Heinz Kämper, Reinhold Braun, Ute Bußmann, Max-Dieter Preuß und Ingrid Hartung. Fester Treffpunkt wurde das Topos von Wolfgang Orth. Das hat sich bis heute nicht geändert. Nach Orths Tod führt das Lokal an der Hauptstraße seine Frau Ingrid. Das war ungefähr die Zeit, zu der sich auch Gerling der Truppe anschloss.

Jeden Donnerstag überließ Wolfgang Orth das Topos den Jazzern. Der Verein übernahm viele Formate, die Schoofs schon in Frechen organisiert hatte, für Leverkusen. Eine Jazz-Schiffstour zum Beispiel oder den Kostüm-Jazz-Band-Ball, zu dem zeitweise bis zu 4000 Menschen in den Agam-Saal kamen.

Zur 50-Jahr-Feier der Stadt Leverkusen im Jahr 1980 ergab sich für den Verein die Gelegenheit, ein weiteres großes Event auszurichten. „Wir machen ein Festival“, habe Schoofs damals gesagt, erinnert sich Bernd Neufeind. Er koordinierte in der Folge jahrzehntelang die Helferinnen und Helfer des Festivals. Zwei Kostüm-Jazz-Band-Bälle hatte „Jazz Lev“ vor 1980 organisiert. Das habe Selbstvertrauen gegeben, eine mehrtägige Veranstaltung zu planen, heißt es im Buch.

Es gab diese unglaubliche Energie, die die Leute vom Jazzclub hatten
Vera Brandes

Finanziell war das Festival damals zum 50. Geburtstag von Leverkusen durch Stadt und Land gesichert. Kontakte zu Musikern und Agenturen hatte Schoofs schon aus seiner Frechener Zeit. Hilfe kam auch von Vera Brandes. Die Kölnerin hatte 1975 als 18-Jährige das „Köln  Concert“ von Keith Jarrett organisiert, war damals schon gut vernetzt und hatte ein eigenes Plattenlabel. So vermittelte sie dem Leverkusener-Festivalteam weitere Künstlerinnen und Künstler, 1980 zum Beispiel Luther Allison und Barbara Thompson.

Sie sagt im Rückblick: „Leverkusen war ein echter Glücksfall für die Szene.“ Die Behörden gaben Geld, der Spielort Forum sei perfekt gewesen „und es gab diese unglaubliche Energie, die die Leute vom Jazzclub hatten“. In Köln, so erinnert sie sich an die frühen 80er, hätten die Jazzclubs nur noch Krieg gegeneinander geführt. Den Musikerinnen und Musikern sei es egal gewesen, ob sie in Leverkusen oder Köln gespielt hätten, wenn sie aus London gekommen seien.

Die ersten Leverkusener Jazztage gingen über zwei Tage. Nachmittags ging es los, bis weit in die Nacht. Im Forum gab es fünf Bühnen, zehn oder elf Bands spielten am Tag, manche mehrmals. Aber das Forum blieb nicht der einzige Spielort: das Topos, der Galerietreff, die City- oder die Herz-Jesu-Kirche und noch viele mehr waren ebenfalls Teil des Festivals.

All das und noch viel mehr ist in dem Buch nachzulesen. Der „Leverkusener Anzeiger“ und „Jazz in Leverkusen“ verlosen vier Exemplare von „Jazz in Leverkusen. Vorgeschichte und Anfänge der Leverkusener Jazztage. 1980–1997“. Interessierte müssen eine E-Mail schreiben, in der sie mindestens einen Künstler oder eine Künstlerin nennen, die in diesem Zeitraum in Leverkusen aufgetreten ist.

info@jazz-in-leverkusen.de