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Leverkusener JazztageGabrielle und Ben erschüttern die Seelen

3 min
Ben L'Oncle trägt Jeans-Jacke und Mütze, spricht in ein Mikrofon und hat dabei die Hände zur Seite ausgestreckt.

Soul aus dem Ärmel der Jeansjacke geschüttelt: Der französische Soul-Sänger und Songwriter Ben L'Oncle im Erholungshaus. 

Mit den Auftritten von Ben L'Oncle Soul und Gabrielle Cavassa begann im Erholungshaus das letzte Wochenende der Levekusener Jazztage.

Die erste Überraschung gibt es bereits vor diesem Konzert: Ehe Ben L'Oncle Soul die Bühne im Erholungshaus betritt, tun dies eine Band und eine Sängerin, die nicht eingeplant waren und spontan als – neudeutsch und im Jargon des Konzertgeschäfts – Support hinzugekommen sind. Das Ergebnis: Das Trio des Pianisten Ryan Hanseler aus Breda in den Niederlanden räumt schonmal ordentlich ab, ehe der Star des Abends überhaupt den ersten Ton gesungen hat – was in erster Linie am Auftritt Gabrielle Cavassas liegt. Denn was sie mit ihrer Stimme anzufangen weiß, ist schlichtweg dafür da, den Atem zu rauben – bei den Zuschauenden wohlgemerkt. Nicht bei ihr. 

Reichtum an Vokalfacetten

Cavassa, gebürtige Kalifornierin mit italienischen Familienwurzeln und der Wahlheimat New Orleans, verfügt über einen Reichtum an Vokal-Facetten, der viele Attribute umfasst: warm, energisch, klar, auch in der Geschwindigkeit von Scat-Ausflügen jeder Silbe ihre Daseinsberechtigung bescherend, hoch, tief. Und das alles rollend auf einem dezenten Stimmteppich der Rauheit, der ihre Songs durchzieht. Kleine Geschichten über One-Night-Stands, untreue Typen, die eigene Kratzbürstigkeit und die Magie des Moments – meistens in der Nacht liegend – werden so zu halben Hörspielen voller Humor, Ironie und dramaturgischer Wucht. Besser unterhalten kann man ein Publikum nicht.

Gabrielle Cavassa mit braunen lockigen Haaren und Rollkragen-Pullover in Nahaufnahme mit dem Mikrofon nah an ihrem geöffneten Mund.

Begnadete Sängerin aus den USA: Gabrielle Cavassa.

Das jazzige Spiel des Trios um sie herum mit allerei Solo-Ausflügen liefert dazu eine Atmosphäre der Geschmeidigkeit, die dieses rund dreiviertelstündige Set in einem durchflutschen lässt und bereit macht für Soul.   

Jazz-Pianist Ryan Hanseler trägt ein Hemd mit Blumenmuster und sitzt an einem Klavier.

Begleite mit seinem Trio den Auftritt Gabrielle Cavassas: Jazz-Pianist Ryan Hanseler.

Millionen Streaming-Klicks

Den Soul nämlich, den Benjamin Duterde, so der bürgerliche Name des französischen Shootingstars und Hauptprotagonisten dieses Konzertes, im Anschluss liefert. Ben L'Oncle Soul wird bei Streaming-Plattformen seit Jahren zweistellig millionenfach geklickt, zählt mittlerweile zur Kategorie „Ich reise im großen Nightliner tourend durch Europa“ – und zeigt, dass diese sehr, sehr ursprüngliche Musik vom amerikanischen Kontinent auch nach weit über einem halben Jahrhundert noch fähig ist, Menschenseelen zu erschüttern.

Ben L'Oncle Soul ist von Sekunde eins an da und legt in jeden Song alles. Das hört man. Das spürt man. Und das sieht man: Spätestens an den Gästen, viele von ihnen Französisch sprechend, die sich im Saal des Erholungshauses von ihren Sitzen erheben und beginnen, diese Show tanzend zu verfolgen.

Unerhörte Lockerheit

Was Ben L'Oncle Soul so besonders macht, ist indes nicht allein seine Stimme und sein Händchen für Melodien, das gekonnte Covern von Motown-Klassikern oder das klammheimliche Einfließen lassen von kleinen Hommagen an Helden wie etwa Lauryn Hill von den sagenhaften Fugees.

Nein: Es ist die unerhörte Tatsache, dass er all das augenscheinlich locker und leicht aus dem Ärmel seiner Jeansjacke schüttelt. Als sei das nichts Weltbewegendes. Als sei das sein normaler Gemütszustand, so tanzend, swingend, singend in der Weltgeschichte, auf der Bühne, auf der Straße, im Wohnzimmer, schlichtweg überall unterwegs zu sein. Und dankbarer Weise eben auch bei den Jazztagen.