Leverkusen – Die unsichere Wirtschaftslage wirkt sich noch nicht auf die Zahlungsmoral aus. Sie ist sogar besser als vor einem Jahr, lautet das Urteil von 250 Mittelständlern zwischen Leverkusen, Remscheid und Solingen.
Das hat die Crefo-Factoring Rhein-Wupper festgestellt. Danach beurteilen 98 Prozent der Mittelständler das Zahlungsverhalten ihrer Kunden als „befriedigend“ oder besser. Als Durchschnittsnote ergebe sich derzeit eine „hervorragende 2,1“, sagt Andreas Koch, Geschäftsführer der Creditreform-Tochter in Solingen.
Grundlage für die Beurteilung seien einerseits die realisierten Zahlungsziele, andererseits die Forderungsverluste. 90 Prozent der befragten Firmen bekommen laut Umfrage den Großteil ihrer Rechnungen binnen 30 Tagen bezahlt, zehn Prozent indes warten länger als zwei Monate auf ihr Geld, fünf Prozent davon sogar länger als drei Monate.
Die Öffentliche Hand zahlt gerne mal spät
Aus den eigenen Zahlungserfahrungen der Crefo-Factoring Rhein-Wupper, die in den ersten vier Monaten des Jahres rund 24 000 Rechnungen abgewickelt habe, ergebe sich – wie im Vorjahr – eine durchschnittliche Zahlungsfrist über alle Branchen von 34 Tagen, ergänzt Koch. Dabei habe sich das Zahlungsverhalten der Öffentlichen Hand uneinheitlich entwickelt: Sechs von zehn der befragten Mittelständler wickelten Aufträge für öffentliche Auftraggeber ab. Bei 81 Prozent gingen die Zahlungen innerhalb von 30 Tagen ein, 94 Prozent hätten vor Ablauf von 60 Tagen ihr Geld, aber sechs Prozent müssten mehr als drei Monate warten.
Die Höhe der als uneinbringlich auszubuchenden Beträge liege zwischen Leverkusen, Solingen und Remscheid deutlich unter dem Schnitt in Deutschland: Sieben von zehn Mittelständlern könnten sich über geringe Forderungsverluste von 0 bis 0,1 Prozent freuen – jedoch hätten immerhin sechs Prozent der der in diesem Frühjahr Befragten mehr als ein Prozent des Vorjahresumsatzes ausbuchen müssen.
Keine Kreditklemme
Rund 42 Prozent der befragten Unternehmen sind nach eigener Aussage von nur einer Hausbank abhängig. Von den 58 Prozent der Mittelständler, die derzeit Kredite in Anspruch nehmen, berichteten etwa 90 Prozent, sie hätten keine größeren Schwierigkeiten, Darlehen zu bekommen. Allerdings seien die Anforderungen der Banken an das Eigenkapital und die Kreditsicherheiten in den vergangenen Monaten gestiegen, berichtet Crefo.
Wie wichtig die Eigenkapitaldecke ist, zeige ein Blick auf die am häufigsten genannten Insolvenzgründe. Die Umfrage zeige, dass 42 Prozent der befragten Mittelständler über eine solide Eigenkapitalquote von 30 Prozent oder mehr verfüge. Auf der anderen Seite seien 24 Prozent der Unternehmen mit unter zehn Prozent Eigenkapital „recht spärlich ausgestattet“, so Koch.
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Er rechnet in naher Zukunft mit mehr Zahlungsproblemen: „Der Ukraine-Krieg, dramatisch gestiegene Energiekosten und eine galoppierende Inflation“ dürften dafür sorgen, dass es zu höheren Forderungsausfällen kommt.


