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Mühlentag in LeverkusenDie Reuschenberger Mühle bekommt einen Neubau

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Reuschenberger Mühle, links ein alter Generator

Reuschenberger Mühle, links ein alter Generator 

Der Förderverein Reuschenberger Mühle nutzte den Deutschen Mühlentag zu Pfingsten, auch um etwas über sein geplantes Museum zu erzählen.

Die Reuschenberger Mühle bekommt in einigen Jahren ein echtes kleines Museum mit einem Café, erfuhren die Besucher, die sich das Bürriger Denkmal am Pfingstmontag zum Deutschen Mühlentag ansahen.

Peter Odenthal führte den ganzen Tag über Besuchergruppen zu den Maschinen und durch das Gelände, seit Jahrzehnten engagiert sich der Nachbar der Mühle für das Denkmal. 500 Jahre Mühlengeschichte am Unterlauf der Wupper faszinieren ihn, 1477 wurde die Reuschenberger Mühle erstmals erwähnt. Sie erhält ihr Antriebs-Wasser durch den zwei Kilometer langen Mühlengraben aus der Wupper.

Die Mühle muss eine Goldgrube gewesen sein, denn die Bauern der Umgebung waren verpflichtet, ihr Getreide dort mahlen zu lassen: Zwangsmühle hieß so eine Einrichtung, für deren Besitzer zum Zweck der Profitmaximierung die Kräfte des Marktes ausgesetzt wurden. Aber die zuverlässige Energiequelle Wupper war nicht der einzige Standortvorteil. Nicht weit von Reuschenberg, das auf einer alten Karte noch „Rauschenberg“ hieß, verlief der bedeutende Handelsweg aus Italien, der ungefähr dem heutigen Verlauf der Autobahn 3 entspricht. 

Getreide, Öl, Baumrinde, Papier und schließlich Elektrizität

In den ersten Jahrhunderten wurde in der alten Mühle in „Rauschenberg“ Getreide gemahlen und Öl kaltgepresst. Ab 1863 wurde in Bürrig nicht mehr Öl gepresst, sondern Baumrinde für Gerbereien zermahlen. Das 24 Meter hohe Gebäude mit dem halbrunden Fenster im Giebel entstand 1847, die hochmoderne Mühle trieben zwei damals brandneue Turbinen an, möglicherweise war das die erste derartige Strömungsmaschine im Rheinland. Die alte Mühle arbeitete noch parallel bis 1872, sie ist nur als Bodendenkmal erhalten, im klassizistischen neuen Bau verlegte man sich auch auf die Papierherstellung. Einer der Teilhaber war Dumont, das Kölner Medien-Stammhaus, aus dem auch der „Leverkusener Anzeiger“ hervorging. Die Papierherstellung lief bis 1930.

Seither nutzte man die Wasserkraft in Reuschenberg auch zur Stromproduktion. Bis heute drehen sich im Mühlenkeller zwei Turbinen zu diesem Zweck, das ist derzeit der einzige Ertrag, den die Wupper den Mühlenbesitzern und den Inhabern der Wasserrechte einbringt. Ein bis 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom gewinnen sie im Jahr aus der Wasserkraft. Das ist ungefähr so viel Energie, wie ein Elektroauto benötigt, um sieben Millionen Kilometer zu fahren, etwa 175 Mal um die Erde.

Die Technik, die man 1847 in die Reuschenberger Mühle einbaute, war so ausgetüftelt, dass man diese Produktionsstätten „Kunstmühlen“ nannte, das könnte aber auch ein guter Beiname für das vom Förderverein Reuschenberger Mühle geplante kleine Museum sein. Natürlich sollen darin die Mühlengeschichte samt Fundstücken, aber auch die Geschichte des Ritterguts Reuschenberg präsentiert werden.

Zusätzlich plant man Wechselausstellungen, Kunstausstellungen und Musikveranstaltungen. Das kleine Museum soll das Gebäude links am Eingang unter der großen Esche ersetzen. Derzeit liegt der Antrag auf Nutzungsänderung im Leverkusener Bauamt.


Mehr als 20 Mühlen auf Leverkusener Gebiet

Ausgangs des Mittelalters sind im heutigen Leverkusen an Wupper, Wiembach, Öl- und Köttersbach, an der Dhünn, an Leimbach und am Ophovener Mühlenbach 21 Mühlen nachgewiesen – oder sie stehen noch.

Abgesehen von der Reuschenberger Mühle waren am deutschen Mühlentag in der Region noch die Leichlinger Spinnerei in der Wietsche, die Burscheider Lambertsmühle, der Sensenhammer und die Grunder Mühle in Bergisch Neukirchen am Ölbach geöffnet. In letzterer wurde noch bis vor wenigen Jahren Schnaps gebrannt.