Rauskommen, Wind spüren, Eis essen – die neue Rikscha der Caritas soll Heimbewohnern neue Freiheiten geben.
Neues AngebotAusflüge per Rikscha für Leverkusener Senioren

Probefahrt nach der Segnung: Regina Moka fährt das Rad mit Toni Rizza und Esther Henning.
Copyright: Stefanie Schmidt
Toni Rizza ist begeistert: „Das ist doch besser als das Papamobil“, ruft der Diakon fröhlich von der roten Sitzfläche aus. Gemeinsam mit Esther Henning wagt er eine Probefahrt in der Rikscha, die die Caritas neu angeschafft hat. Gefahren werden die beiden von Regina Moka, einer von bislang vier ehrenamtlichen „Pilotinnen“, die sich für das Projekt gemeldet haben.
Mit der Rikscha werden Moka und ihre Kollegen künftig Bewohner der Schlebuscher Caritas-Einrichtungen St. Elisabeth und Wohnpark Bürgerbusch chauffieren – allerdings nicht zum Arzt oder Friseur, wie Esther Henning klarstellt: „Es geht nicht um Taxidienste, sondern um Ausflugsfahrten. Rauskommen, den Wind spüren, ein Eiscafé besuchen“, sagt die Verantwortliche für Ehrenamt im Caritasverband Leverkusen.
Erinnerungen wecken
Das Ziel: die älteren Menschen wieder in die Stadt hinausbringen. An neue Orte. Oder an solche, die sie kennen, aber lange nicht gesehen haben, die vielleicht Erinnerungen wecken. Die Rikscha-Piloten sind dabei nicht nur mit ihrer Beinkraft gefragt. „Wir wollen die Generationen verbinden und Zeit, Nähe und Lebensfreude schenken“, sagt Henning.
„Gerade das hat mir gut an der Aufgabe gefallen“, sagt Regina Moka. Mit den älteren Menschen in Kontakt kommen, gemeinsam etwas erleben. Als sie von ihrem Berufsleben in der klinischen Forensik in Rente ging, wollte sie sich ehrenamtlich engagieren und fand zur Caritas. Fahrrad fährt sie auch in ihrer Freizeit viel und gerne, daher sprach sie die Aufgabe als Rikscha-Pilotin direkt an. Üben musste sie den Umgang mit dem sperrigen Gefährt schon eine Weile. „Es ist kibbeliger, als man denkt, und man kann nur im Sitzen anfahren, daran muss man sich gewöhnen.“ Jetzt aber ist sie sicher mit dem Dreirad unterwegs und freut sich auf Mitfahrende. Auch aus dem eigenen familiären Umfeld weiß sie, dass viele Ältere ihre Wohnung kaum noch verlassen oder nur für das Nötigste. „Sie haben einfach ein sehr eingeschränktes Erlebnisfeld.“

Diakon Toni Rizza segnet das Gefährt für unfallfreie Fahrten.
Copyright: Stefanie Schmidt
Und das möchte sie erweitern, wenn auch nur um maximal sechs Kilometer. Das sei eine Strecke, die man in den vorgesehenen höchstens eineinhalb Stunden pro Ausflug gemütlich schaffen könnte. Gemeinsam mit dem Projektteam hat sie bereits einige Strecken ausgearbeitet, die von den Einrichtungen in Schlebusch und Lützenkirchen gut zu erreichen sind: etwa zum Ophovener Weiher, Schloss Morsbroich, einem Eiscafé oder in den Bürgerbusch. „Wo Radwege gut ausgebaut sind, leider ist das in Leverkusen nicht häufig der Fall“, sagt die Rentnerin. Denn viel befahrene Straßen und Holperstrecken sollen mit Rücksicht auf die betagten Fahrgäste möglichst vermieden werden. „Wenn jemand länger nicht draußen unterwegs war, kann die Teilnahme am Straßenverkehr schnell erschreckend wirken.“ Deswegen werde in ganz gemütlichem Tempo und nach Möglichkeit abseits des Verkehrs gefahren.
Die Ausflügler werden über die Heimleitungen vermittelt. Voraussetzung ist eine gewisse körperliche Konstitution, etwa für selbstständiges Aus- und Einsteigen. An den Anschaffungskosten von 6500 Euro hat sich die Hildegard-Beckmann-Stiftung mit 4000 Euro beteiligt, den Rest hat der Caritasverband übernommen.
Vor der Probefahrt hat Toni Rizza das Gefährt gesegnet. „Leben ist immer ein Unterwegssein“, sagt der Diakon. Und das solle man sich auch im Alter nicht nehmen lassen. Aber, auch unter Gottes Segen gilt: „Fahren Sie nicht schneller als der Schutzengel.“

