Abo

Konzept vorgelegtSo will Leverkusen die Schulwege sicherer machen

5 min
Aktion für sicheren Schulweg an der GGS Im Kirchfeld, Elternvertreter Felix Piepenbrock, Verkehrspolizist Andreas Hetzert

Aktionen wie diese an der GGS Im Kirchfeld mit Verkehrspolizist Andreas Hetzert sollen die Schulwege sicherer machen.

Drei Jahre, mehr als 2000 befragte Eltern und Schüler und 80 Einzelmaßnahmen – die Stadt legt ihr Schulwegssicherungskonzept vor.

Sicherheit auf dem Schulweg ist ein zentrales Thema, um das sich Eltern von Schulkindern Gedanken machen. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Einzelmaßnahmen an bestimmten Schulen gefordert und teilweise auch umgesetzt. Im Dezember 2023 hat der Stadtrat dann die Stadtverwaltung beauftragt, ein umfassendes Schulwegssicherungskonzept für die ganze Stadt zu erarbeiten. Das liegt nun vor.

Die Ausgangslage

Die Unfallstatistik zeigte zunächst eine erfreuliche Entwicklung: Während die Polizei zwischen 2020 und 2022 insgesamt 13 Schulwegunfälle in Leverkusen auswies, darunter mehrere mit Schwerverletzten, blieben die Jahre 2023 und 2024 unfallfrei. Dann folgte der tragische Unfall, bei dem die elfjährige Angelina auf dem Schulweg am Berliner Platz tödlich verunglückte. Die Unfallkommission reagierte mit mehreren Maßnahmen am Berliner Platz – und die Verwaltung beschloss, sämtliche Kreisverkehre und Fußgängerüberwege auf Schulwegen noch einmal systematisch auf ihre Sicherheit zu überprüfen.

Die gefühlte Bedrohung allerdings ist deutlich höher, als es die Unfallstatistik hergibt. Und gleichzeitig verstärkt sie das Problem selbst: Eltern empfinden den Schulweg ihrer Kinder als zu gefährlich und bringen sie mit dem Auto bis vor die Schultür, wodurch die Schulwege für jene, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen, tatsächlich gefährlicher werden. Allerdings: Keiner der registrierten Unfälle war auf ein Elterntaxi zurückzuführen.

Umfrageergebnisse

Anfang 2024 wurde eine Onlineumfrage für alle Leverkusener Grund- und weiterführenden Schulen gestartet, die bis zum 5. August 2024 lief. 2115 Eltern und Schülerinnen und Schüler beteiligten sich online, weitere schriftlich. Christiane Jäger, Leiterin des Fachbereichs Mobilität und Klimaschutz, ist zufrieden mit dem Rücklauf: „Die hohe Beteiligung zeigt: Alle wollen sichere Schulwege.“

Befragt wurden die Eltern nach den Hauptgründen, warum sie ihre Kinder zur Schule fahren. Das Ergebnis: Sicherheitsbedenken stehen oben auf der Liste – gefolgt von Zeitersparnis und Bequemlichkeit, etwa bei schlechtem Wetter. Einzelantworten beziehen sich auch auf den Busverkehr: Die Busse sind einigen Eltern zu teuer, zu voll oder zu unzuverlässig. Die Umfrage machte auch deutlich, welche Maßnahmen die Eltern selbst für sinnvoll halten: 56,8 Prozent sprachen sich für die Förderung von Fuß- und Fahrradwegen aus, 55,7 Prozent für spezielle Haltezonen, knapp 30 Prozent für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Die Ortsbesichtigungen, die die Verwaltung parallel durchführte, bestätigten das Bild. An der GGS Im Steinfeld etwa hielten innerhalb von 30 Minuten elf Autos im absoluten Halteverbot, um Kinder abzusetzen – zum Teil auf dem Vorplatz der Feuerwehr. An anderen Schulen fuhren Eltern direkt auf den Schulhof, obwohl Hol- und Bringzonen in erreichbarer Nähe vorhanden waren und teils leer standen.

Konkrete Maßnahmen

Das Schulwegsicherungskonzept enthält rund 80 Einzelmaßnahmen – von kleinen, sofort umsetzbaren bis zu größeren baulichen Vorhaben, natürlich unter Finanzierungsvorbehalt. Sie sind im Einzelnen, nach Schulen aufgegliedert, im Ratsinformationssystem abrufbar.

Hol- und Bringzonen: Eine beliebte Maßnahme sind Hol- und Bringzonen, in denen Eltern die Kinder in geringer Entfernung zum Schultor absetzen können. An 15 der 25 Leverkusener Grundschulen sind solche bereits eingerichtet; weitere sind in Planung, darunter die GGS Im Steinfeld und die GGS Regenbogenschule. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass viele dieser Zonen kaum genutzt werden. Hier soll noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Bauliche Maßnahmen: Baulich zielt das Konzept auf mehr und besser beleuchtete Querungshilfen und Fußgängerüberwege auf Schulwegen sowie Absenkungen von Bordsteinen und Grünrückschnitt an unübersichtlichen Stellen. Ein Beispiel ist der Überweg zur Gezelinschule an der viel befahrenen Berliner Straße. Ampelschaltungen sollen, wo möglich, auf Schulzeiten abgestimmt werden.

Kontrollen: Eltern wünschen sich auch mehr Kontrollen durch die Ordnungsbehörden, die Statistik gibt ihnen Recht: Bei einer Schwerpunktaktionswoche im Januar wurden 107 Verstöße im ruhenden Verkehr und 809 Geschwindigkeitsüberschreitungen vor Schulen registriert und geahndet. Eine dauerhafte Überwachung allerdings scheitert derzeit „an der personellen Situation, der Haushaltssituation sowie dem Platzangebot im öffentlichen Verkehrsraum.“ Gleichzeitig stellt die Stadt fest: „Die Bereitschaft, Alternativen zu nutzen, steht und fällt aktuell mit der Häufigkeit der Kontrollen durch Verkehrsüberwachung und Polizei und den ausgesprochenen Sanktionen. Bleiben diese über mehrere Tage aus, sind Rückfallmuster in alte Gewohnheiten erkennbar.“ Eine Zwickmühle. Allerdings sollen die Ende 2024 angeschafften mobilen Blitzanhänger überwiegend im Umfeld von Schulen und Kindergärten eingesetzt werden.

Schulstraßen: Als Schulstraßen werden Straßenabschnitte im Umfeld von Schulen bezeichnet, die zeitweise oder dauerhaft für den Autoverkehr gesperrt werden können – meist zu Schulbeginn und -ende. Ein Antrag zur Einrichtung solcher Straßensperren vor einigen Schulen hatte das Schulwegssicherungskonzept erst auf den Weg gebracht, auch in der Umfrage nennen viele Eltern diesen Wunsch. Allerdings sind die Vorbehalte dagegen in der Stadtverwaltung weiter groß: Wenige Verkehrsteilnehmer würden sich daran halten, wenn die Kontrolle fehlt. Auch die Bezirksregierung Köln als Aufsichtsbehörde sieht Schulstraßen skeptisch: Sie verlagerten das Problem, lösten es nicht.

Aktionen: Mit Programmen wie dem „Verkehrszähmer“, einer „Zu Fuß zur Schule“-Woche oder dem „Walking Bus“ sollen Kinder ermutigt werden, den Schulweg selbstständig zu bewältigen. Auch Schülerlotsen oder Verkehrshelfer auf Minijobbasis werden im Konzept als sinnvolle Ergänzung angesehen. Das alles allerdings setzt aktives Engagement der Schulen und Eltern voraus.

Zukunftsausblick

Die Verwaltung macht in ihrem Fazit keinen Hehl daraus, wo die Grenzen liegen: Eltern lassen sich nicht zwingen. Ohne nutzbare, sichere und bequeme Alternativen werde die Autonutzung nicht sinken. Mehr Kontrollen und attraktivere Fußwege allerdings scheitern derzeit an Personal, Haushalt und Platzmangel im öffentlichen Verkehrsraum. Schulwegsicherung, so steht es im Konzept, sei „arbeits- und kostenintensiv“.

Dennoch soll daran gearbeitet werden. Die Schulwegkarten werden aktualisiert und künftig regelmäßig auf Mängel überprüft. Kontrollen und Aufklärungsarbeit sollen in Abstimmung mit der Polizei intensiviert werden. Auch Rad-Schulwegkarten – bisher in Leverkusen nicht vorhanden – sind im Blick, allerdings nur als Pilotprojekt und auf mehrere Jahre angelegt, weil der Aufwand erheblich ist.

Für den Herbst 2026 strebt die Verwaltung auch die Wiedereinführung von Schülerlotsen an Grundschulen an – ein in Leverkusen seit Jahren ausgedünntes Angebot. Die Initiative muss jedoch von den Schulen ausgehen; die Polizei übernimmt die Ausbildung. Zunächst aber geht das ganze Konzept in den politischen Beratungsturnus, an dessen Ende am 18. Mai der Stadtrat darüber entscheidet.