Der Leverkusener Dax-Konzern hat das schottische Unternehmen Blackford Analysis gekauft, das Technologien für Radiologen entwickelt.
Leverkusener KonzernWie Bayer mit Künstlicher Intelligenz Krankheiten entdecken will

Künstliche Intelligenz spielt bei der Erkennung von Krankheiten eine immer größere Rolle in der Radiologie. (Symbolbild)
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Wenn das bloße Auge eines Radiologen ein winziges Lungenknötchen nicht erkennt, soll Technologie bei der Krebs-Diagnose unterstützen. Dann könnte eine Software mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) eine Krankheit schon im frühen Stadium entdecken. Weil sie millionenfach mit Daten in Form von MRT- und CT-Bildern gefüttert und geschult wurde, somit Muster lernt und Auffälligkeiten mit Erfahrungen zu Diagnosen verknüpft.
Blackford Analysis: 2010 gegründet, jetzt von Bayer gekauft
Das Beispiel stellt eine von zahlreichen radiologischen Anwendungen des schottischen Unternehmens Blackford Analysis dar. 2010 wurde es gegründet – und jetzt von Bayer gekauft. Der Leverkusener Dax-Konzern wird nach Abschluss der Übernahme 100 Prozent der Anteile der innovativen Firma mit 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besitzen. Bayer spricht nicht über den Preis, der für Blackford Analysis gezahlt wird, durchaus aber über den Markt, auf dem es mit der neuen Tochter zu brillieren hofft.
So habe der Umsatz des globalen KI-Markt für medizinische Bildgebung schon 2021 mehr als 400 Millionen US-Dollar betragen und werde weiter wachsen, heißt es in einer Mitteilung. Eine alternde Bevölkerung, ein Anstieg chronischer Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen, die dadurch steigende Nachfrage nach medizinischen Bildgebungsverfahren, die bei Diagnosen und Behandlungsentscheidungen unterstützen, der gleichzeitige Mangel an Radiologinnen und Radiologen – Argumente, die Bayer bei seiner Investitionsentscheidung auf seiner Seite sieht.
Die Leverkusener gehen von einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate des Marktes von 26 Prozent aus und landen so bei 1,36 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2026. Einen Stück des Kuchens will sich Bayer mit Blackford sichern. Eine Unternehmenssprecherin spricht daher gegenüber dem „Leverkusener Anzeiger“ von „einem wichtigen strategischen Zukauf“. Sie beschreibt das Portfolio von Blackford als eine Reihe medizinischer Apps, die Radiologen bei der Arbeit unterstützen.
Die Übernahme der Schotten – mit Zweitsitz in den USA – durch die Leverkusener hat eine Vorgeschichte: Seit 2019 unterstützt Bayer Blackford aus seinem Programm Leaps, seit 2020 besteht eine Entwicklungs- und Lizenzvereinbarung. Basierend darauf brachte Bayer kürzlich eine Bildverarbeitungsplattform namens Calantic auf den Markt, die neben Analysen auch Arbeitsprozess der Radiologie vereinfachen soll.
Bayer: 1,8 Milliarden Euro Umsatz in der Radiologie
Von seiner Innovationskraft soll Blackford möglichst viel behalten, die erfahrene Konzernmutter ist zwar in Gremien der jungen Tochter vertreten, will sie aber nicht erdrücken. Blackford soll so unabhängig wie möglich agieren, „um die Unternehmenskultur als wesentliche Säule seiner erfolgreichen Innovationsstrategie zu bewahren“, heißt es. Bayer wiederum will Erfahrung, Infrastruktur und globale Reichweite liefern. Als gemeinsames Ziel wird ausgegeben, „die Patientenversorgung zu verbessern und gleichzeitig die Position von Bayer in der digitalen Radiologie zu stärken“.
Der Dax-Konzern setzte 2021 eigenen Angaben zufolge in der Radiologie 1,8 Milliarden Euro um und hat als Ziel ausgegeben, bis 2030 fünf Prozent stärker als der Gesamtmarkt zu wachsen. Bayers Pharma-Vorstand Stefan Oelrich sagt, der Kauf sichere dem Konzern nun „eine herausragende Position im am schnellsten wachsenden Segment des gesamten Radiologie-Marktes“.
