Werner Hansch war ein gefeierter Fußballreporter, mit dem Karriereende fiel er in ein Loch. Das Fanprojekt Leverkusen hat ihn zu einen Vortrag eingeladen.
SpielsuchtReporterlegende Werner Hansch spricht in Leverkusen über seinen tiefen Fall

Mit einem bewegenden und persönlichen Vortrag klärte Werner Hansch (M.) sein Publikum über die Gefahren von Spielsucht auf. Daniele Frühling vom Fanprojekt organisierte die Veranstaltung.
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Viele Fußballfans kennen die Stimme von Werner Hansch, sei es aus dem Stadion von Schalke 04 oder als Kommentator bei ARD und Sat1. Auch wenn er heute als legendärer Fußballreporter gilt, ging es in seinem Vortrag beim Fanprojekt Leverkusen nicht um seine Karriere, sondern um eine Sucht, die viele Menschen plagt: die Spielsucht.
Werner Hansch erlebte eine sagenhafte Karriere
Mit großer Begeisterung blickt Hansch auf seine Zeit im Rundfunk zurück. Als er mit 35 Jahren das erste Mal ein Spiel kommentierte, sei ihm der Fußball ziemlich egal gewesen, erklärt Hansch. Heute erzählt er, nach 30 Jahren in der Branche, wie toll die Zeit gewesen sei, die er erlebt hat. Doch dieses traumhafte Berufsleben endete für Hansch 2003. Das Jahr bezeichnet er bis heute als „Chaos“.

So kennen viele Menschen Werner Hansch noch: Als leidenschaftlichen Fußballreporter.
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Mit 65 Jahren hörte für die Reporter-Legende plötzlich das Berufsleben auf, das er mit Herzblut und Begeisterung ausgefüllt hatte. Und ab da fing es an, für Hansch schwierig zu werden: „Ich hatte so viel Geld und so viel Zeit: Das wurde für mich das Tor zur Krankheit“, erklärt Hansch.
In der Rente, so Hansch, müsse man sich die Frage nach dem Sinn stellen und Anschluss finden. Wer keinen Sinn finde, der scheitere, erklärt der 88-Jährige. Für ihn war das der Fall. Als Hansch während seiner Rente durch die offene Tür einer Spielothek ging, gab es für ihn kein Zurück mehr. Erst wettete er mit 20 Euro, dann verdoppelte er den Einsatz. Mit der Zeit entwickelte sich eine Routine, die schleichend zu seiner Sucht führte.
Von der Sucht in finanzielle Not
Irgendwann wurde das Geld knapp. Hansch erklärt, wie er damals Menschen, sogar in seinem engsten Umkreis, belog und sich bei ihnen verschuldete. Sogar seine damalige Lebensgefährtin verließ Hansch, als er nicht mit dem Glücksspiel aufhörte. „Als mein Konto leer wurde, blühte die Krankheit in vollen Zügen“, erinnert sich der frühere Sportreporter.
Die Stadtwerke schalteten seinen Strom und sein Wasser ab, seine Kontakte wandten sich von ihm ab und es kam so weit, dass er sich in Restaurants einschlich, um die Toilette zu benutzen. Dann erhielt Hansch einen Anruf: Er könne bei der Fernsehshow „Promi Big Brother“ mitmachen. Sofort nahm der Rentner das Angebot an. In der TV-Show überwand er seine Scham und gestand dem Fernsehpublikum seine Sucht.
Heute klärt Hansch mit seinem Start-Up „Zockerhelden“ die Öffentlichkeit über Spielsucht und ihre Folgen auf. Mit seinen Vorträgen kommt der Reporter mit den Menschen ungezwungen ins Gespräch und zeigt, wie ein Ausstieg möglich ist.
Ich bin kein Doktor oder Psychologe. Ich habe nur eine Geschichte
Werner Hansch kritisiert die Wettspiel-Industrie scharf als „Blutsauger“. Er findet es beschämend, dass große Fußballvereine mit Wettportalen zusammenarbeiten und somit Werbung für eine schädigende Industrie machen. Damit seien die Vereine kein gutes Vorbild, vor allem nicht für die jüngeren Fans. „Der Fußball hat seine Jugend verkauft“, kritisiert Hansch.
„Ich bin kein Doktor oder Psychologe. Ich habe nur eine Geschichte“, sagt Hansch. Doch genau mit dieser Geschichte warnt Hansch nicht nur vor der Spielsucht, sondern setzt auch ein Beispiel dafür, wie man aus der Sucht herauskommt. Vor allem Eltern rät Hansch, ein Auge auf ihre Kinder zu haben und bei Auffälligkeiten ein ehrliches Gespräch mit Jugendlichen zu führen. Je früher, desto besser, verdeutlicht Hansch.
Daniele Frühling hat die Veranstaltung mit dem Fanprojekt Leverkusen veranstaltet. „Ich finde, Glücksspiel ist ein Thema, worüber zu wenig gesprochen wird“, so Frühling. Deswegen sei Hansch für die Fußball-Kulturtage NRW ein perfekter Gast gewesen. Die steigende Gefahr von Spielsucht werde auch in der offenen Community-Arbeit bemerkt, die das Fanprojekt leistet. Bei Problemen steht das Fanprojekt auch an der Seite der Betroffenen und vermittelt an Beratungsstellen wie die Suchthilfe.

