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SparmaßnahmenLeverkusens Kämmerer schließt Schwimmbadschließungen aus

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Schwimmbad Schwimmhalle Bergisch Neukirchen

Das Schwimmbad Bergisch Neukirchen ist das große Sorgenkind im Sportpark Leverkusen.

Der Sportausschuss ist enttäuscht darüber, dass Leverkusener Projekte bei der Sportmilliarde abgelehnt wurden.

Der konsequente Sparkurs der Stadt kann auch am Sportpark Leverkusen nicht spurlos vorübergehen. Das machten die PD-Berater Sven Schill und Johannes Slawig den Mitgliedern des Betriebsausschusses der städtischen Tochtergesellschaft per Videoschalte klar. Zwar seien Einsparungen beim Sportpark „keine unmittelbare Entlastung für den städtischen Haushalt“, sagt Slawig. Denn der Sportpark wird als „eigenbetriebsähnliche Einrichtung“ organisatorisch, verwaltungsmäßig und wirtschaftlich eigenständiger geführt. Aber, führt Slawig fort: „Der städtische Haushalt wird nicht mehr in der Lage sein, Entlastung zum Ausgleich des Sportparks zu finanzieren.“

Aktuell gilt ein Zuschussdeckel von 5,7 Millionen Euro, den der Stadtrat beschlossen hat. Der Kapitalbedarf des Sportparks ist aber deutlich höher. Trotz vorhandenen Eigenkapitals, Gewinnabführungen der Energieversorgung Leverkusen (EVL), Beteiligungserträgen der Informationsverarbeitung Leverkusen (IVL) sowie Dividenden aus RWE-Aktien war der Sportpark zuletzt rund 3,5 Millionen Euro im Defizit. Im Wirtschaftsbericht 2026 des Sportparks heißt es daher: „Mittelfristig schließt der Wirtschaftsplan nicht aus, dass der Betrieb wieder auf einen Zuschuss der Kernverwaltung angewiesen sein wird.“ Das wiederum schließt Slawig jetzt aus: „Es gilt, zukünftige Haushaltsbelastung zu vermeiden.“

Zu wenig Wasserflächen

Konkrete Einsparpositionen werden im Betriebsausschuss unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen. Eines macht Marc Adomat aber klar, und das sowohl in seiner Funktion als Sportdezernent als auch als Interims-Kämmerer: Schwimmbadschließungen sind für ihn keine Option. „Wir haben zu wenig Wasserflächen in der Stadt. Da geht es um Daseinsvorsorge, das können und werden wir nicht einfach aufgeben.“

Die große Frage ist, was mit dem maroden Schwimmbad in Bergisch Neukirchen passiert, das vor allem für den Schwimmunterricht für Kinder unverzichtbar ist. Anstelle einer Sanierung ist ein Neubau geplant. Doch wo das Geld dafür herkommen soll, ist unklar. In der ersten Runde der Vergabe der „Sportmilliarde“ des Bundes ist Leverkusen jüngst leer ausgegangen. „Das ist sehr bedauerlich“, sagt Matthias Itzwerth (CDU), zumal nun zu befürchten sei, dass auf den dafür eingereichten Sportanlagen in Rheindorf und am Birkenberg in den nächsten zehn Jahren nichts passieren werde.

Auch sein Parteikollege und Landtagsabgeordneter Rüdiger Scholz ärgert sich über die Vergabe, zumal das Waldbad Dünnwald mit 3,8 Millionen Euro bedacht wurde: „Obwohl es für Schwimmbäder eigentlich einen eigenen Topf gibt.“ Allerdings sei „noch nicht alles verloren“, sagt Scholz. Für das Bundesgeld gibt es noch eine zweite Vergaberunde, für die die Sportstätten noch einmal eingereicht werden können. Außerdem gibt es noch ein Landesprogramm für Sportstätten und Schwimmbäder, wo er sich für Leverkusen stark machen will. Auf den Bund habe er da wenig Zugriff. „Wenn man sieht, wo die Zuschläge hingegangen sind, haben die Kollegen im Bundestag erst mal geschaut, dass der eigene Wahlkreis bedient ist“, sagt Scholz.

Leverkusens Bundestagsmitglied, Karl Lauterbach, der auch Köln-Dünnwald vertritt, erklärt per Pressemitteilung: „Leverkusen hat überzeugende Projekte eingereicht, die dringend gebraucht werden. Dass sie in dieser Runde nicht berücksichtigt wurden, ist bitter. Gleichzeitig ist klar: Der Bedarf übersteigt die verfügbaren Mittel deutlich. Deshalb werde ich mich dafür einsetzen, dass wir die Förderprogramme weiter ausbauen.“

Freude über Olympia-Entscheid

Diese ernüchternde Sitzung beenden die Sportpolitiker immerhin mit einer positiven Nachricht. „Ich freue mich sehr über das deutliche Zeichen, mit dem sich Leverkusen für eine Olympiabewerbung ausgesprochen hat“, sagt Stefan Pausch (Grüne), der den Betriebsausschuss leitete und außerdem stellvertretender Vorsitzender des Sportbunds Leverkusen ist. Damit verbindet nicht nur er die Hoffnung, dass Geld aus anderen Kanälen als der leeren Stadtkasse in Leverkusens Sportinfrastruktur fließt. „Und bei den vielen Problemen in der Stadt und der Welt brauchen wir nichts dringender als ein Wir-Gefühl“, sagt Pausch.


Kritik an hoher Gebühr für neue Sporthalle

Der Sportausschuss hat die Gebühren für die Nutzung der neuen Dreifachsporthalle in der Neuen Bahnstadt beschlossen. Diese soll nach den Sommerferien für das Landrat-Lucas-Gymnasium nutzbar sein, außerhalb der schulischen Bedarfe kann die Halle von Vereinen genutzt werden. Eine Trainingseinheit kostet einen Sportbund-Mitgliedsverein fünf Euro pro Stunde und Hallenteil, eine ganztägige Veranstaltung 150 Euro. Für andere Vereine und Verbände ist die Nutzung deutlich teurer. „Die Preise sind sehr hoch im Vergleich zu Entgelten in Schulsporthallen“, gibt Matthias Itzwerth (CDU) zu bedenken. Er verstehe, dass der Sportpark das nehmen müsse, zumal er damit immer noch nicht kostendeckend arbeite. „Aber das ist für die Vereine eine zusätzliche Herausforderung und enttäuschend für eine Sportstadt“, gibt er zu Protokoll. (stes)