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Staatsanwalt prüftLeverkusener Anwalt soll Insiderwissen aus Aufsichtsrat genutzt haben

3 min
Salon „Beauty by Laila“

Schönberger beriet als Anwalt den Inhaber des ehemaligen Schönheitssalons „Beauty by Laila“ beim Verkauf. Weil der Politiker als ehemaliges Levi-Aufsichtsratsmitglied gleichzeitig über Insiderwissen verfügte, beschäftigt sich jetzt die Staatsanwaltschaft mit der Sache.

Beim Verkauf einer Immobilie in der City C half er einem Verkäufer, der der Stadt eine Immobilie zu einem hohen Preis verkaufte.

Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied der Leverkusener Immobiliengesellschaft (Levi), Frank Schönberger, muss jetzt mit einer Ermittlung durch die Staatsanwaltschaft rechnen. Schönberger ist Anwalt in Schlebusch, CDU-Mitglied und Bezirksbürgermeister.

Er könnte diese Probleme bekommen, weil er als Anwalt einen Immobilieninhaber vertreten hat, der in der City C ein Ladenlokal besessen hat, über dessen Verkauf er mit der Levi verhandelte.

Schönbergers anwaltliche Vertretung des Inhabers an sich wäre zumindest juristisch nicht problematisch, wäre der Anwalt nicht erst kurz zuvor im Streit aus dem Aufsichtsrat der Levi ausgetreten.

Frank Schönberger

Der CDU-Politiker Frank Schönberger

Die Vermutung liegt nahe, dass er über eine Menge Insiderwissen über die Abläufe und Geschäfte der Levi gehabt haben dürfte.

Wie Verhandlungen über die letzten verbliebenen Immobilien in der City C damals abliefen, war hinlänglich aus Artikeln im „Leverkusener Anzeiger“ bekannt: Die Levi, die zu 100 Prozent der Stadt Leverkusen gehört, war in der denkbar schlechtesten Verhandlungsposition, als sie die letzten noch in privater Hand befindlichen Lokale aufkaufen musste. Seit 2016, als die Aufkäufe der Stadt in der City C öffentlich wurden, sollen sich Spekulanten für das ehemalige Einkaufszentrum interessiert haben.

Die Inhaber, die bis zuletzt mit dem Verkauf an die Stadt gewartet hatten, konnten wahrhafte Apothekenpreise erzielen. Die Levi, die im Auftrag der Stadt handelte, war gezwungen, auch noch die letzten Eigentumsanteile des alten Einkaufszentrums aufzukaufen, was nach allem, was bekannt ist, von deren Inhabern ausgenutzt wurde. Auch der Inhaber des Salons „Beauty by Laila“, den Schönberger bei den Verhandlungen vertreten hat, soll beim Kaufpreis hoch gepokert haben, wissen Insider. Der damalige Eigentümer sagte dem „Leverkusener Anzeiger“, dass er die Immobilie 2014 gekauft habe. Der Preis, den er für seine Immobilie schließlich beim Verkauf an die Stadt erzielte, soll weit oberhalb dessen gelegen haben, was der Markt normalerweise dafür hergegeben hätte.

Die Levi, die sich von ihrem früheren Aufsichtsratsmitglied Schönberger hintergangen fühlen musste, zeigte den Vorgang der Beschwerdeabteilung der Kölner Anwaltskammer an. Die mit vier Anwälten besetzte Beschwerdeabteilung IV der Kammer tagte am 10. Dezember 2025 und man beschloss, den „Vorgang Schönberger“ an die Generalstaatsanwaltschaft Köln abzugeben. Darüber existiert eine schriftliche Mitteilung an die Levi, die die Beschwerde angestoßen hatte und die der „Leverkusener Anzeiger“ einsehen konnte.

Sollte die Staatsanwaltschaft in der Sache Ermittlungen einleiten, dann käme die Polizei ins Spiel. Bisher ist das noch nicht geschehen. Die Staatsanwaltschaft prüft noch, ob der Tatverdacht ausreicht. Infrage kommen könnte der Verdacht auf Untreue, aber es ist auch möglich, dass die Staatsanwaltschaft gar keine Ermittlungen anstößt. Die Staatsanwaltschaft bestätigte nur einen entsprechenden Eingang am Telefon, konnte aber in dem frühen Verfahrensstadium keine Angaben zur Sache machen.

Frank Schönberger, um eine Stellungnahme gebeten, vertröstete auf später: Er schreibt, ihm lägen noch keine Akten vor. Er werde gerne etwas sagen, wenn das Verfahren abgeschlossen sei, er deutete aber an, dass er die Sache dann „ins richtige Licht“ rücken will.

Salon „Beauty by Laila“

Die Immobilie in der City C

Noch heute steht „Neueröffnung“ am Schaufenster des inzwischen leer geräumten Ladens, in dem im vergangenen Jahrzehnt nicht viel gelaufen ist. Seit 2023 soll es einen Vorvertrag über einen Verkauf zwischen dem Inhaber und der Levi geben, geht aus der E-Mail Schönbergers an einen großen Empfängerkreis hervor, die dem „Leverkusener Anzeiger“ vorliegt.

Die Levi hat übrigens inzwischen alle Immobilien in der City C aufkaufen können. Eigentlich könnte es mit dem fälligen Umbau losgehen, aber dem steht jetzt das Finanzloch der Stadt entgegen.