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Stadtgeschichte LeverkusenWie Planer das Gesicht der Stadt prägten

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Die City C wurde 1969 eingeweiht, das Forum zwei weitere City-Abschnitte und das Rathaus folgten bis 1977. Die Stadt hatte sich ein Herz aus Beton gebaut.

Leverkusen – Es waren die frühen 60er-Jahre als sie von heimatbewussten Leverkusenern in alle Welt geschickt wurden: Ansichtskarten mit mehreren kleinen Fotos, auf denen Reihen von Wohnblöcken zu sehen waren. „Rheindorf – Leverkusens moderner Stadtteil“ hieß es darauf selbstbewusst. Die Serie gab es auch mit Mathildenhof oder Alkenrath und sie vermittelte ein Bild von akkuraten, geordneten Lebenswelten. Die Zeiten ändern sich, und vieles, das einst als fortschrittlich, zeitgemäß und attraktiv angesehen wurde, wird heute als hässlich oder gar menschenfeindlich empfunden.

Wie sich Stadtplanung und Architektur von 1950 bis heute in Leverkusen entwickelt hat, war Thema von Hans-Eckhardt Krajewski in der Villa Römer. Exakt zum 85. Geburtstag der Stadt Leverkusen referierte der frühere Leverkusener Baudezernent auf Einladung des Opladener Geschichtsvereins kenntnisreich bis ins Detail über Planung und Wirklichkeit dessen, was das Baugewerbe Leverkusen so beschert hat. Vor allem verdeutlichte Krajewski aus dem jeweiligen Zeitverständnis heraus, dass vieles, was später oft als hemmungslose Bauwut gegeißelt wurde, aus guter Überlegung und bestem Wollen heraus geschah.

Tausendfach Wohnungen gebaut

Während andernorts in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau stattfand, ging Leverkusen weit darüber hinaus. So viel gab es hier nicht wieder aufzubauen, es musste ganz Neues geschaffen werden. Das große Bayerwerk lockte Arbeitskräfte an und es kamen Menschen, die wohnen mussten. Zigtausende. Wohnungsbau im ganz großen Stil musste sein und das rasant schnell. Stadtteile wie Alkenrath mit 1000 und Mathildenhof mit 1050 Wohnungen wurden auf einen Schlag binnen weniger Jahre hochgezogen. Rheindorf-Nord und Steinbüchel folgten und wurden in Fachkreisen als hochmoderne Beispiele moderner Stadtarchitektur gelobt. Nichts weniger als „die ideale Stadtlandschaft des 20. Jahrhunderts“ war das Ziel.

Dabei änderten sich die Moden auch in der Stadtplanung, löste ein Planungsleitbild das andere ab. Aus der modernen wurde die aufgelockerte Stadt, dann musste die Stadt autogerecht sein. Verkehrsschlagadern entstanden, die teils überdimensioniert waren, teils bis heute nicht ausreichen. Als Verbund vieler Stadtteile fehlte Leverkusen lange die Stadtmitte bis diese durch eine moderne City künstlich geschaffen wurde, die abschnittsweise in den Jahren 1969 bis 1977 eröffnete. Dazu kam das Forum, das in seiner heutigen Form nur die Hälfte der ursprünglichen Planung umfasst.

Leitbilder im Wandel

Und was war die Resonanz auf diese Bemühungen? Zum Beispiel die damalige Schlagzeile in der „Frankfurter Rundschau“: „Mit künstlichem Herz gegen zwei Kreuze“. Der Autor bescheinigte Leverkusen „eine Architektur wie überall“, die gegen Bayer-Kreuz und Autobahnkreuz verblasse.

Eine Ungerechtigkeit in den Augen Krajewski, die dieser damit erklärt, dass Mitte der 70er-Jahre einmal mehr der Zeitgeist sich änderte und Leverkusen der Mode knapp hinterher lief. „Es gibt in dieser Stadt aber auch Beispiele ganz hervorragender Architektur“, rühmte Krajewski, der seinen Vortrag mit zahlreichen projizierten Fotos und Planskizzen anschaulich machte, zum Beispiel das ovale Treppenhaus in den Berufsschulen an der Bismarckstraße. „Die Architekten damals waren keine Stümper, sie gingen engagiert und mit innerer Beziehung ans Werk.“

Trotzdem gebe es in Leverkusen nur wenige wirkliche Landmarken der Architektur: Das Bayer-Kreuz, die BayArena, das Schloss Morsbroich. Das Bayer-Hochhaus, zeitweise das höchste Gebäude Europas, ist ja nun nicht mehr. Dafür verwies der Referent auf so leicht versteckte, für ihn aber ansehnliche Objekte wie das Baykomm oder die Theodor-Heuss-Realschule in Opladen.

Denkmalschutz und Recycling

Stadtplanung heute ist anders als in den Aufbaujahren, die Anforderungen haben sich geändert. Gewerbeflächen sind zu recyceln, Denkmale zu erhalten, neue Kindergärten zu bauen, die Häuser den Erfordernissen einer Gesellschaft mit immer mehr alten Menschen anzupassen, Fehlstrukturen zu korrigieren. „Stadtplanung ist eben nicht nur Häuser bauen, sondern auch Gemeinschaft fördern“, stellte Krajewski die soziale Komponente seines Berufes heraus. Und freute sich über immer mehr Bürgerbeteiligung. Die habe das monströse Lindwurm-Projekt in Wiesdorf verhindert, im Bürgerentscheid die Rathaus-Sanierung gekippt und gegen die Konzernpläne das Bayer-Kreuz erhalten.

Das Museum Sensenhammer, die Schiffsbrücke in der Wuppermündung, der Ausbau des Radweges Balkantrasse – die Bürger machen mit bei der Gestaltung ihrer Stadt, die mit 85 Jahren immer noch sehr jung und gestaltungsbedürftig ist. „Viele Veränderungen bieten neue Chancen“, schloss Krajewski seine Betrachtungen. Und so, wie er es schildert, bleibt es spannend.