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Tanzmesse zu Gast in LeverkusenEine Stunde lang bis an die Grenzen der Physis

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Bis an die Grenze der Physis: Die Tänzer der Compagnie Anania Danses bei der Aufführung von „Hmadcha“.

Leverkusen – Es ist nicht so, als könne man als Betrachter seinen Blick auch nur eine Sekunde abwenden, von dem, was dort vorne auf der Bühne im großen Saal des Forums vor sich geht. Nein. Kann man nicht. Selbst wenn man wollte, es wäre ummöglich. Einfach zu fesselnd ist diese Darbietung der Tanzcompagnie Anania Danses aus Marokko und Frankreich, die im Rahmen der Internationalen Tanzmesse Düsseldorf in Leverkusen stattfindet.

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Ein stetes Auf und Ab

Indes: „Hmadcha“, so der Titel der Choreografie und des Stückes von Taoufiq Izeddiou, ist nicht zu einhundert Prozent das, was man als Offenbarung bezeichen würde und fesselt somit nicht unbedingt, weil es nun so bahnbrechend wäre. Es fesselt schlichtweg, weil das stete Auf und Ab aus Ernst und Klamauk so unfassbar unterhaltsam ist. Und weil diese Tänzer – viele von ihnen mitnichten die im Tanz normalerweise zu erlebenden Super-Athleten – eine Stunde lang bis an die Grenze ihrer Physis gehen. Was man ihnen uneingeschränkt zugute halten muss.

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Das Gastspiel der marokkanisch-französischen Truppe in Leverkusen zeigte zeitgenössischen Tanz in nahezu all seinen Facetten.

Nicht eine Sekunde lang herrscht Stillstand. Kein Moment vergeht, in dem es nicht irgendwo zuckt, zittert, vibriert. „Hmadcha“ ist sogar, im Gegenteil, ein Stück, das sich stetig steigert. Sogar bis hin zu einem brachialen Crescendo der den Tanz begleitenden Musik: Erst pluckert die Elektronik. Dann kreischen Schweinerock-Gitarrenriffs.

Rufe, Schreie, Gebrüll

Und am Ende werden Handtrommeln geschlagen und bricht sich ein die Ohren betäubender Lärm bahn, zu dem die Tänzer mit ihren nassgeschwitzten Leibern den Saal über dessen seitliche Treppen nach oben durchqueren. Dazu Rufe, Schreie, Gebrüll.

Dass es in „Hmadcha“, wie zu lesen ist, um rituelle Tänze, um die Sehnsucht nach Trance und das Streben nach Transzendenz geht, mag sein. Viel einleuchtender indes ist der Hinweis des Choreografen, dass hier jene Lust am Exzess und am Aus-sich-hinausgehen, all Energie in einem sechzigminütigen Knall in die Welt hinausgeschleudert wird, die sich während der Jahre der Pandemie im Innern der Menschen aufgestaut hat.

Das macht dieses Stück tatsächlich zu einem Paradebeispiel des zeitgenössischen – im Sinne von hochaktuellen – Tanzes. Und erklärt, warum ein solches Stück durchaus berechtigt Teil der Internationalen Tanzmesse ist.