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Kommentar

Streit um Nutzflächen im Rheinischen Revier
Der Naturschutz ist der Verlierer

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Blick auf den Braunkohletagebau Inden bei Jülich mit landwirtschaftlichen Nutzflächen, im Hintergrund ist das Braunkohlekraftwerk Weisweiler zu sehen.

Blick auf den Braunkohletagebau Inden bei Jülich mit landwirtschaftlichen Nutzflächen, im Hintergrund ist das Braunkohlekraftwerk Weisweiler zu sehen. 

Die Kommunen schreien nach neuen Gewerbeflächen, die Landwirtschaft will ihre wertvollen Böden zurück. Das ist kein Platz für mehr Artenschutz und weniger Flächenverbrauch.

So langsam dämmert es den Kommunen im Rheinischen Revier, was der um acht Jahre auf 2030 vorgezogene Kohleausstieg für Folgen hat. Die Unternehmen müssen die ohnehin schwierige Transformation noch einmal beschleunigen.

Neuansiedlungen müssen her, weil vom Strukturwandel rund 90.000 Arbeitsplätze betroffen sind. Dafür sind Hunderte neuer Gewerbeflächen erforderlich, weil die alten Industrieflächen nach dem Kohle-Aus so schnell nicht zur Verfügung stehen können.

Die Landwirtschaft besteht auf der Rekultivierung und der Rückgabe möglichst aller Flächen, die sie an die Braunkohle verloren hat. Jeder kämpft für sich allein.

Ausgerechnet die Landwirtschaft wendet sich gegen Naturschützer

Eine gemeinsame Steuerung, sei es durch das NRW-Wirtschaftsministerium und die Zukunftsagentur Rheinisches Revier ist nicht erkennbar. Im Gegenteil. Der Konflikt zieht sich sogar durch zwei Ministerien, die beide von den Grünen geführt werden. Dabei ist der Umweltminister in der Regel nur zweiter Sieger.

Verlierer ist der Naturschutz. Von der Idee, das Rheinische Revier gesamt planerisch zu denken und einen vernünftigen Interessenausgleich zu suchen, ist wenig übriggeblieben. Der geplante großzügige Grünzug, der sich quer durch die Region ziehen und auch dem Artenschutz dienen soll, droht zum grünen Flickenteppich in einer versiegelten Landschaft zu verkommen.

Dass ausgerechnet die Agrarwirtschaft gegen die Pläne der Naturschützer zum Biotopverbund Sturm läuft, ist besonders bemerkenswert. Artenvielfalt und moderne ökologische Landwirtschaft sind längst kein Widerspruch mehr. Aber das geht alles unter – im Wettlauf um die besten Flächen.