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1. August 1896Als die Bahn zum ersten Mal in Bergneustadt hielt

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Bergneustadt – Ganz großer Bahnhof in Bergneustadt: Vor 120 Jahren, am 1. August 1896, wurde der erste Zug am damals funkelnagelneuen Bahnhofsgebäude in der Feste Nyestadt begrüßt.

Der Bergneustädter Eisenbahnexperte Horst Kowalski (80) sagt: „Damit bekam Bergneustadt Anschluss an die große weite Welt.“ Es war ein Gewinn für die Bewohner, die nun in zwei Stunden nach Köln und von dort durch Deutschland und Europa reisen konnten. Der Personen-Reiseverkehr war jedoch nur ein Nebenaspekt: „Vor allem der Güterverkehr auf der Schiene sorgte für den Aufschwung der Industriebetriebe und damit auch der Stadt Bergneustadt.“

Mit der industriellen Revolution wuchs ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch in oberbergischen Industriebetrieben der Transportbedarf. Die neu gebaute Cöln-Olper-Chaussee, als B 55/L 136 bis heute eine wichtige Verkehrsader, verwandelte sich bei Regen zur Schlammrinne, von Pferdefuhrwerken schwer zu befahren.

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Seit Ründeroth Mitte Oktober 1984 ans Bahnnetz angeschlossen worden war, hatten Unternehmen im Aggertal einen Wettbewerbsvorteil, sagt Kowalski. „Die Bergneustädter Textilfabriken Leopold Krawinkel und Christian Müller brauchten bessere Verkehrsbedingungen, um ihre Produkte überregional konkurrenzfähig verkaufen zu können.“

Am 1. Mai 1887 wurde die Strecke bis Derschlag ausgebaut, aber es dauerte weitere neun Jahre, ehe auch die 3,1 Kilometer entfernte Stadt Bergneustadt ans Schienennetz angeschlossen wurde.

Das Bahnhofsgelände erstreckte sich zwischen Othestraße und Brückenstraße auf 400 Metern Länge, mit drei Haupt- und sieben Nebengleisen. Am südlichen Nebengleis wurde eine Laderampe angelegt, um Kohle, Holz, Baustoffe, Waren und Fahrzeuge zu verladen. Der Bahnhof hatte einen Güterschuppen, ein Nebengebäude mit Toiletten, ein Gebäude für Post und ein Schrankenwärterhäuschen. Im Westen stand ein Lokschuppen für zwei Loks. Darüber befanden sich ein Wohntrakt und ein Wasserhochbehälter.

Sechs Personenzugpaare pro Tag, teilweise mit Güterbeförderung, verbanden Bergneustadt mit Köln. Der Anschluss von Olpe am 31. August 1903 eröffnete Mädchen und Frauen aus dem Sauerland Arbeitsmöglichkeiten in Bergneustädter Textilfirmen.

Das Ende der Bahn-Ära in Bergneustadt wurde Mitte der 1970er Jahre eingeläutet. Zwar feierte man 1976 beim 675. Stadtgeburtstag den 80. Geburtstag des Bahnhofs mit Dampflokfahrten und Sonderzügen wie dem Trans Europa Express (TEE). Doch die Deutsche Bahn schränkte den Schienenverkehr sukzessive ein. Am 28. Dezember 1979 fuhr der letzte Schienenbus von Dieringhausen über Bergneustadt nach Olpe und zurück. Der letzte Güterwagen wurde am 13. Mai 1994 in Bergneustadt abgeholt.

Im Herbst 2008 erfolgte der Abriss des längst stillgelegten Bahnhofsgebäudes. Stationen am Alleenradweg, der auf der ehemaligen Bahntrasse verläuft und noch in diesem Jahr von Vollmerhausen bis Hützemert befahrbar sein wird, erinnern an die Bahngeschichte. (r)

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