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Geschichten aus Zeiten ohne StromVon Kängurus und dem Strommann

Bei der ersten Taschenlampenführung durch das Bergneustädter Heimatmuseum erzählten Darsteller Geschichten aus Zeiten ohne Strom.

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Nachts im Museum.

Feuer in der Schmiede

Das Feuer in der Schmiede am Bergneustädter Heimatmuseum leuchtet heimelig und lockt mit Wärme an einem doch schon kühleren Herbstabend. Christian Gregorcewski hatte angefeuert, stand schmiedend an der hellen Esse und berichtete: „In Zeiten als Pferde wichtig für die Dorfgemeinschaft waren, war auch der Schmied ein wichtiger Mann.“ In der historischen Schmiede startete denn auch die erste Taschenlampenführung, zu der Museumsleiterin Pavla Brandsch und Hubertus Dan, der regelmäßig ehrenamtlich durch das Museum führt, eingeladen hatten. Die beiden wollten Geschichte erlebbar machen, denn all das Licht, das uns heute in der dunklen Jahreszeit umgibt, kannten die Menschen in früheren Zeiten der Kerzen und Petroleumlampen nicht. Und so führte Hubertus Dan die Teilnehmenden zum Schein einer kleinen Laterne durch das dunkle Haus, erzählte Geschichten und ließ sich darin von Mitgliedern des Heimatvereins „Feste Neustadt“ unterstützen.

Warten auf den Strommann im Salon

Im Salon etwa wartete Pavla Brandsch, in diesem Fall eine hochherrschaftliche Fabrikantentochter, im schwarzen Festtagskleid. Das Kleid ist ein Original aus dem späten 19. Jahrhundert, ein Geschenk ans Museum von Ullrich Wimmer, Betreiber des Bergischen Drehorgelmuseums in Marienheide-Kempershöhe. Pavla Brandsch erläuterte: „Dieses wunderbare Kleid stammt von einer seiner Vorfahrinnen.“ Die Grande Dame jedenfalls wartete ungeduldig auf Elektrikermeister August Schürfeld, denn die Glühbirne lag schon parat, auch die Lampe war längst in Bonn angeschafft worden. Doch „August, der Strommann“ verspätete sich. Minna, alias Beate Schülter, bei Schummerlicht Äpfel schälende Bedienstete, versorgte die erzürnt-ungeduldige Hausherrin zunächst mit Wein und die Teilnehmenden der Führung später mit frischen Apfelschnitzen sowie der Information, dass sie zwar noch nicht elektrifiziert seien, aber immerhin fließendes Wasser hätten.

Durch die oberen Stockwerke bis unters Dach

Doch bevor die Gäste in die Küche zurückkehrten, wanderten sie zunächst durch das ganze Museum. Im oberen Stockwerk wartete Heliane Keller auf die Gruppe. Sie erzählte im Dialog mit Hubertus Dan davon, wie mühsam es einst war, sich als Spinnerin und Weberin über Wasser zu halten, berichtete von langen Arbeitstagen. Gleich nebenan schnarchte es unter dem dicken Federbett. Hausherr Walter Jordan hatte sich im warmen Bett schon zur Ruhe begeben und ließ sich in seinem Schlummer nicht stören. Wer früh aufsteht, um jedes bisschen Tageslicht in den Wintermonaten zu nutzen, geht auch früh schlafen.

Schuhe für ein Känguru

Es ging weiter, vorbei an Feuerwehrhelmen, dem Schulzimmer und den „Puppen aus dem Zauberschloss“ unters Dach. Hier wartete schon Schuster Dirk Wintersohl, der die Geschichte von den Schuhen für ein Känguru erzählte und den entsprechenden Leisten zeigte. Besitzerin von Skippy war Ottilie „Otti“ Rheins, eine tierliebe Frau aus der Altstadt, die ihrem Känguru von Schuhmachermeister Heinrich Marenbach vor vielen Jahren Schuhe aus Leder anpassen ließ.

Begeisterte Teilnehmer

Zurück in der Küche waren alle begeistert von dieser besonderen Führung. Anna Haselbach nahm mit ihrer Tochter Lotta (7) teil und erzählte, sie hätten schon mehrfach Führungen rund um das Heimatmuseum erlebt. „Wir wohnen in der Altstadt und nutzen diese Möglichkeit sehr gerne.“ (kpo)