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Neues Konzept lässt hoffenDer Stausee in Osberghausen ist noch nicht passé

Naturschützer haben in Osberghausen ein Konzept vorgestellt: Im Norden entsteht eine Aue für die Agger, im Süden ein neues Stillgewässer.

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Je weiter das Wasser zurückweicht, umso mehr Schlamm wird sichtbar. Doch der könnte noch nützlich sein.

Seit Mittwoch sinkt der Wasserstand am Stauweiher Osberghausen kontinuierlich, schon am heutigen Freitagmorgen sollen die letzten Kubikmeter abfließen, dann wird der Abstau durch Mitarbeitende des Aggerverbands abgeschlossen sein. Und dann? Der Aggerverband wird der Bezirksregierung in einigen Monaten ein Konzept für die Zukunft des in den späten Fünfzigerjahren angelegten Geländes vorlegen müssen. Naturschützer haben am Mittwochabend in Oesinghausen, also praktisch in Sichtweite zum plätschernden Wasser, nun eine erste Idee vorgestellt – mit dem wohl auch der Aggerverband und seine Mitglieder gut leben könnten.

Zwei Lager im Naturschutz

Kurzer Schritt zurück: Die Vertreter des Naturschutzes hatten lange Zeit keinen einheitlichen Blick auf den Stauweiher Osberghausen. Für den Ründerother Friedrich Meyer und seine Mitstreiter etwa ist die laufende Woche voller Festtage. Denn sie setzen sich seit Langem für die uneingeschränkte Durchlässigkeit der Agger und damit auch für die Beseitigung sämtlicher Hindernisse im Flussbett ein, Fische sollen über Sieg und Agger bis zur Aggertalsperre schwimmen können. Der Abriss des Wehrs in Osberghausen bringt sie diesem Ziel ein Stück näher. Je mehr und je schneller abgerissen wird, desto besser.

Eine zweite Gruppe um den ehemaligen Engelskirchener Bürgermeister Gero Karthaus und den Vogelschutzexperten Heinz Kowalski vom Nabu sieht die Sache differenzierter und nennt den aktuellen Abstau eine „unglückliche Entwicklung". Ihr Argument: Gerade das stehende Wasser des Stauweihers habe günstige Räume für allerlei rare Lebewesen geschaffen, angefangen beim Zwergtaucher über eine Vielzahl von Wasserinsekten bis zu seltenen Schilfarten. „Der Stauweiher Osberghausen war nicht der größte an der Agger, aber der artenreichste und ornithologisch gesehen der beste", waren sich Gero Karthaus und Heinz Kowalski am Mittwochabend sofort einig.

Vorschlag: Aue im Norden, Stillgewässer im Süden

Der von beiden Lagern getragene Vorschlag für das 150.000 Kubikmeter fassende Becken sieht nun so aus: Im nördlichen Teil, also nach Oesinghausen hin, entwickelt sich die barrierefreie Aue für die Agger und wird potenzieller Lebensraum für Fließgewässertiere. Diese Lage des Flusses hätte zugleich den Vorteil, das man den Lambach einleiten könnte. Doch im Süden, Richtung Landesstraße 136, legt man wieder ein sogenanntes Stillgewässer an – mit allen Vorteilen für Flora und Fauna, die der alte Stauweiher bot. Das Türmchen des Wehres könnte zum Beobachtungspunkt werden.

Die Naturschützer am Mittwoch.

Der belastete Schlamm als Schlüssel

Eine Schlüsselrolle bei diesem Plan spielen die unzähligen Tonnen von Schlamm, die momentan mit dem Abfluss des Wassers sichtbar werden. Nicht nur die Naturschützer gehen davon aus, dass dieser Morast belastet ist. Karthaus und Kowalski erinnern an die ehemaligen Färbereien in Dieringhausen und Vollmerhausen, die Metallbearbeitung und auch den Erzabbau vor vielen Jahrzehnten flussaufwärts. Die Entsorgung als Sondermüll würde Millionen kosten – davor hatte Aggerverbandschef Uwe Moshage bei der Verbandsversammlung im Februar schon gewarnt. Die Idee: Mit dem Schlamm könnte man einen Damm formen, der die Agger vom See abgrenzt.

Konzept muss erst geprüft werden

Ausdrücklich betonten die Naturschützer am Mittwoch aber: Zunächst müsse der Schlamm untersucht werden, etwa hinsichtlich seiner Festigkeit, wie überhaupt das ganze Konzept auf seine Praxistauglichkeit begutachtet werden müsse, Stichwort Hochwasser in der Agger. Ein erstes Gespräch mit dem Aggerverband, der letztlich entscheiden muss, sei aber vielversprechend verlaufen.

Anwohner vermissen ihren Weiher

Ebenfalls bei der Konzeptvorstellung dabei war Hendrik Krieger, der Osberghausen und Oesinghausen im Engelskirchener Gemeinderat vertritt. Er berichtete von viel Kritik der Anwohner zum Abstau des Weihers, weil dieser zu beiden Orten einfach dazugehöre. Doch vielleicht bekommen die Menschen ihren See schneller zurück, als sie es sich heute vorstellen können.