Die Inszenierung „Wir sind der Sturm“ setzte rund um das Engel-Museum auf Mitmachen statt Zuschauen.
TheaterPublikum wird in Engelskirchen Teil von Shakespeares „Der Sturm“

Immer im Schlepptau: Das Publikum folgte dem Ensemble von Spielort zu Spielort rund um das Engel-Museum.
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Das Gelände ist die Bühne und das Publikum ist ein wichtiger Teil der Inszenierung. Das ist eine echte Besonderheit, denn normalerweise trennt Akteure und Zuschauer die sogenannte vierte Wand. Am Freitagabend und Samstag lud das Ensemble LandBlattGold aus Gummersbach nach der Premiere vor einigen Tagen auf Schloss Homburg in Nümbrecht nun nach Engelskirchen ein, um dort rund um das Engel-Museum seine Interpretation des Dramas „Der Sturm“ von William Shakespeare zur Aufführung zu bringen.
Theater zum Mitmachen
Der eigene, selbst gewählte Titel lautete „Wir sind der Sturm“ – und das Publikum, das ganz augenscheinlich viel Spaß daran hatte, Teil dieses großen Ganzen sein zu dürfen, sorgte mit Plastikröhren und anderen Orff-Instrumenten für die „windigen“ Sound-Effekte zur Untermalung.
Das Konzept dürfte mehr oder weniger einzigartig sein. Man hatte eine Location, in diesem Fall eben das wundervolle Gelände rund um das Engel-Museum. Dann hatte man das Ensemble um Kai Mönnich und Heike Bänsch, das sich auf diese besondere Form des Open-Air-Theaters einzulassen bereit war – und nicht zuletzt, im Gegenteil, besonders wichtig, war das Publikum als essenzieller Teil des Abends. Denn man interagierte, man war aufeinander angewiesen, man brauchte sich. Damit alles funktionierte, damit das Drama seinen Lauf nehmen konnte.
Shakespeare in Bewegung
„Wir sind der Sturm“ war nach Friedrich Schillers „Die Räuber“ das neueste Projekt im Portfolio des LandBlattGold-Ensembles. Und es sollte eigentlich am 27. Juni seine Premiere auf Schloss Homburg feiern, was wegen der großen Hitze dann aber abgesagt und auf den Folgetag verlegt wurde. Zwei Gruppen trafen sich nun am Freitag- und Samstagabend rund um das Engel-Museum und das Alte Baumwolllager im Herzen Engelskirchens.
Es ging auf mehrere Stationen, auf dem Parkplatz, hinter dem Rathaus, im Innenhof – das Publikum war immer im Schlepptau der Schauspielerinnen und Schauspieler, bewegte sich durch die Anlage und brachte sich ein. Es war ein schöner Moment, den Menschen zuzusehen, wie sie ihre Plastikröhren durch die Luft schwingen ließen, während es ansonsten die klassischen Texte Shakespeares zu hören gab. Das hatte durchaus ein ganz besonderes Flair, dem man sich kaum zu entziehen vermochte, selbst wenn man das Geschehen nur von außen betrachtete.
Inhaltlich ging es um den Herzog von Mailand, Prosperos, und seine Tochter Miranda, die auf einer Insel gestrandet sind. Das Theaterstück war sicherlich weniger fassbar als ein Hamlet oder König Lear, aber dennoch passte diese eher ab- und jenseitige Herangehensweise bestens zur Inszenierung als Mitmach-Stück. Man konnte sich fallenlassen in das, was Prosperos und Miranda da erlebten, man konnte seine Meinung kundtun, etwa in Form einer spontanen Lautäußerung über die Plastikröhre oder ein Schütteln der Orff-Instrumente. Das war sicherlich ungewöhnlich, belebte das Spiel des sehr engagierten LandBlattGold-Ensembles allerdings noch zusätzlich.
Weitere Aufführungen von „Wir sind der Sturm“ gibt es am 9. und 16. August im Schloss Eulenbroich in Rösrath, Beginn um 19 Uhr sowie 5. und 6. September im Freilichtmuseum Lindlar, Beginn um 18 Uhr.
