Oberbergs Hausärzte lehnen die Abschaffung der Krankschreibung per Telefon ab. Auch Industrie und IG Metall äußern sich zu den Reformen.
Reformpläne aus BerlinOberbergs Hausärzte fürchten regelrechten Sturm auf die Praxen

Auf Platz sieben unter 25 europäischen Ländern landete Deutschland mit seinem Krankenstand im Wirtschaftsjahr 2025.
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Noch zurückhaltend äußert sich die oberbergische Wirtschaft zu den Reformplänen, die die Bundesregierung am Donnerstag öffentlich gemacht hat. Tenor bei Arbeitgebern und Gewerkschaften: Man muss abwarten, welche Formulierungen genau es ins Gesetzgebungsverfahren schaffen und was am Ende dabei herauskommt. Immerhin von einem „ersten Schritt, der aus unserer Sicht in die richtige Richtung geht“, sprach Jörn Bielenberg, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Oberberg und zugleich CEO von Pferd Tools in Marienheide, am Freitag. „Zentrale Themen wie bezahlbare Energie und eine wettbewerbsfähige Steuer- und Arbeitsmarktpolitik bleiben unverrückbare Anforderungen eines international agierenden Unternehmens.“
IG Metall Gummersbach kritisiert Möglichkeit der längeren Befristung
Der IG Metall in Gummersbach ist die Ausweitungsoption bei der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverhältnissen der ärgste Dorn im Auge. „Befristung zerstört Lebenspläne“, sagte Bevollmächtigter Werner Kusel dieser Zeitung. „Wer auf Zeit angestellt ist, wird keinen Bankkredit bekommen, kein Eigenheim bauen und wahrscheinlich auch keine Familie gründen.“ Schon bislang würde im Oberbergischen von der Möglichkeit, Anstellungen bis zu zwei Jahre zu befristen, fleißig Gebrauch gemacht. „Dass man den Menschen künftig 48 Monate lang die Möhre vor die Nase halten kann, verdient erhebliche Kritik“, so Kusel.
„Empört und entsetzt“ reagiert wiederum der Hausärzteverband Oberbergischer Kreis auf den Plan zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Dessen Chef, der Gummersbacher Ralph Krolewski, fürchtet einen „Sturm von Menschen mit Grippe und Brechdurchfall auf die Praxen“, der durchaus das Zeug dazu habe, die Funktion der primärärztlichen Versorgung zu bedrohen. „Die Politik mischt ohne Sensibilität für das Infektionsgeschehen in der Organisation unserer Praxen herum“, schimpft Krolewski. Die Krankschreibung per Telefon sei eben „kein beliebiges Verfahren mit unbekannten Menschen“ – den Ärzten seien die Betroffenen regelmäßig bekannt und könnten eingeschätzt werden.
