Wie der Verein Oberbrett in Gummersbach-Niederseßmar Dutzende Spielefans an mehr als einen Tisch bringt.
Verein OberbrettGenerationen sind in Gummersbach am Spielbrett vereint

Im Bürgerhaus Niederseßmar trafen sich am Wochenende mehr als hundert Besucher, um beim „Sommerbrett“ miteinander zu spielen.
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Vor knapp eineinhalb Jahren gründete Wojtek Blacha mit acht weiteren Mitstreitern den Verein Oberbrett. „Nachdem ich und meine Frau nach Gummersbach zurückgezogen waren, fehlte uns ein Treff zum gemeinsamen Spielen.“ Das Paar lud Freunde und Bekannte nach Hause ein, aber irgendwann wurde das Wohnzimmer zu klein. Also initiierte Wojtek Blacha ein sogenanntes Brettspieletreffen, das er bereits aus Köln kannte.
Mit neun Mitgliedern fing Ende März 2025 alles an, und schon beim ersten „Sommerbrett“-Spieletag war der Verein auf 25 Mitglieder angewachsen. Mittlerweile zählt er 70 Mitstreiter. Auch die zweite Auflage von Sommerbrett – am vergangenen Wochenende im Bürgerhaus in Niederseßmar – zeigte, dass die Lust am Brettspiel weiter wächst. Blacha weiß, warum: „Brettspiele verbinden Generationen – und noch viel mehr: Brettspiele schulen die Social-Skills, denn man verbringt außerhalb der digitalen Welt wieder Zeit mit seinen Mitmenschen, und zwar analog am Tisch. Man sitzt sich gegenüber, interagiert, analysiert. Das macht einfach wahnsinnigen Spaß und fördert die Gemeinschaft.“ Mehr als 100 Besucher erwartete der Vereinsvorsitzende beim Spieletag am Wochenende.
Es gab Spiele zu gewinnen
Während im Raum „Alte Linde“ mehrere Tische von Groß und Klein in Beschlag genommen wurden, um dort die unterschiedlichsten Spiele auszuprobieren, fand im Nebenraum „Dreieck“ ein Klask-Turnier statt. Klask ist ein Geschicklichkeitsspiel des dänischen Tischlers Mikkel Bertelsen für zwei Personen, das 2014 die Spiele-Welt eroberte. Zu gewinnen gab es von einem Verlag gesponserte Spiele. Auch für die Tombola, die im Rahmen des Sommerbretts stattfand, hatten mehrere Hersteller Spiele aus ihrem Repertoire nach Niederseßmar geschickt, sodass die Teilnehmer mit ihren Losen aus dem vollen schöpfen konnten.
Zudem hatten Blacha und seine Mitstreiter vereinseigene Brettspiele ausgestellt, an denen sich die Besucher bedienen durften. Ob sich Groß und Klein mit der Vielfalt der Tierwelt auseinandersetzten, auf den Spuren der Weimarer Republik oder der DDR wandelten, sich als Händler in antiker Zeit versuchten oder farbige Fliesen richtig zuordneten – für alle Altersklassen und Neigungen war etwas dabei.
Es darf auch mal ein Spiel mit App sein
Übrigens: Klassiker wie „Mensch ärgere dich nicht“ oder Monopoly seien eher „out“, wie Blacha berichtet. Er hat beobachtet: „Dafür gibt es eine zu große Bandbreite an Spielen, die einen richtig fordern. Von 15-Minuten-Spielzeit bis hin zu Spielen, die mehrere Stunden dauern, ist alles vertreten.“ Monopoly sei dagegen mehr Glückssache, und das interessiere die meisten Menschen mittlerweile einfach nicht mehr so sehr.
Auch App-unterstützte Spiele sind nach Blachas Beobachtung immer mehr im Kommen und werden bei Oberbrett nicht gänzlich gemieden. „Wenn die Leute Spaß dran haben und es die Gemeinschaft fördert, warum nicht. Aber unser Augenmerk liegt mehr auf analogen Spielen und dem menschlichen Miteinander. Und wie man sieht, ist der Bedarf da.“
Mittlerweile platzt der Verein aus allen Nähten. Bei den wöchentlichen Treffen an jedem Mittwoch sind immer zwischen 25 und 30 Spieler im Bürgerhaus Niederseßmar und alle Tische seien besetzt. Deswegen sei man auf der Suche nach größeren Räumen.
Für den Bürgerverein Niederseßmar ist Oberbrett ein Glücksgriff. Karl-Heinz Richter, der Vorsitzende des Bürgervereins, freut sich über den Erfolg des Vereins: „Es ist toll, dass regelmäßig Menschen ins Bürgerhaus kommen. Denn ein Bürgerhaus lebt ja nun mal von Vereinen und Gruppierungen, die es nutzen. Das finde ich so toll an Oberbrett: Von zehn bis 99 Jahren ist hier alles vertreten.“
Brettspielfest
Der Verein Oberbrett hat sich erfolgreich für die Teilnahme an „Stadt-Land-Spielt“ beworben. Diese bundesweite Initiative unterstützt das Kulturgut Brettspiel, indem an einem zentralen Wochenende verschiedene Institutionen ihre Türen öffnen und Besucher kostenlos Brettspiele, Kartenspiele und Würfelspiele ausprobieren können. Vereinsvorsitzender Wojtek Blacha berichtet: „Das Ganze wird im September im Lindenforum in Gummersbach stattfinden.“
Bis dahin sind alle Fans des Brettspiels mittwochs ab 18 Uhr im alten Feuerwehrhaus in Niederseßmar willkommen, um Oberbrett persönlich kennenzulernen.
