Wie die Heienbacher mit dem Scheitern ihres Goldjubiläums umgegangen sind, ist typisch. „Mit voller Freude" habe der Dorfverein an der Planung für das 50-jährige Bestehen gearbeitet, berichtet Vorsitzender Dieter Jacobs. „Eine Rückstellung wurde gebildet, und es war alles sehr gut vorbereitet."
Dann kam Corona. Von einer Pandemie ließ man sich aber eben nicht dauerhaft entmutigen – obwohl, aber vielleicht auch gerade weil das Dorf kaum 100 Einwohner hat.
„In unserem Dorf haben wir während der Zeit eng zusammengestanden und uns geschworen, dass wir diese Jubiläumsfeier uns nicht nehmen lassen", sagt Jacobs. Darum wurde sie Mitte September dieses Jahres mit fünf Jahren Verspätung nachgeholt. Und das karnevaleske 55-jährige Bestehen passt ja auch gut in den jecken Reichshof. Zum Festprogramm gehörte ein Auftritt der Pänz von der Burg der KG Denklingen.
Ein Blick zurück: Schon Ende der 1960er-Jahre entwickelte sich in Heienbach ein reges Dorfleben. Bereits 1967 fand das erste Dorffest im Festzelt statt und war ein voller Erfolg, berichtet die Vereinschronik. Am 12. März 1971 kamen dann neunzehn Bürger in der Wohnung von Dieter Becker zur Gründungsversammlung des Gemeinnützigen Vereins Heienbach zusammen. Ziel der Initiative war ein eigenes Dorfgemeinschaftshaus.
Der Vorstand setzte sich aus Martin Jacobs als 1. Vorsitzendem, Dieter Becker als 2. Vorsitzendem, Hans Harnisch als Schriftführer und Adolf Freudenberg als Kassierer zusammen. Weitere Mitglieder übernahmen Aufgaben als Hausmeister, Bauaufsicht und Kassenprüfer. Nach der Prüfung verschiedener Lösungen fiel die Wahl auf eine ehemalige Schulbaracke aus Hunsheim. Im September 1971 wurden die Fundamente erstellt, die Baracke wurde in Hunsheim abgebaut. Die Firma Wiehlbau unter Leitung von Ottmar Donner unterstützte das Vorhaben, ebenso zahlreiche Helfer. Am 8. und 9. Oktober 1971 half fast das gesamte Dorf beim Aufstellen des Rohbaus. Ein Jahr später wurde es eingeweiht.
In den folgenden Jahren wurde das Dorfhaus Schritt für Schritt erweitert. Zu den Maßnahmen gehörten eine Wasserleitung mit sanitären Anlagen, ein Stromanschluss, neue Heizungsanlagen, ein Geräteschuppen, ein Backhaus, ein Grillstand, ein Vordach, ein Glasdach und die Modernisierung der Innenräume. Später kamen ein barrierefreier Zugang, neue Bestuhlung und eine technische Ausstattung mit Laptop, Beamer und Musikanlage hinzu. „Das Dorfhaus ist längst mehr als ein Gebäude", heißt es in der Festschrift zum Vereinsgeburtstag. „Es ist das Wohnzimmer von Heienbach."

Die Pänz von der Burg.
Copyright: Dorfgemeinschaft
Parallel entwickelte sich ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm im und rund um das Haus. Dazu gehörten Nikolaus- und Martinsfeiern, Silvesterpartys, Weihnachtsfeiern mit Kinderaufführungen, Krippenspiele, Karnevalsveranstaltungen und das Tanzen in den Mai. Ebenso prägend waren Dorfolympiaden, Oktoberfeste, Wanderungen, Planwagenfahrten, Familien- und Kinderausflüge sowie Oldie- und Schlagernächte. 1976 wurde mit Ursula Becker erstmals eine Frau in den Vorstand gewählt. Die Einbindung von Kindern und Familien gehörte von Beginn an zum Selbstverständnis des Vereins. Identität stiften außerdem das Dorfwappen, die Dorflieder „Du bist uns Alm“ und „Heimich Dam Dam“ sowie ein humorvolles Aufnahmeritual für neue Mitglieder.
Bereits seit 1988 als eingetragener und gemeinnütziger Verein anerkannt
Am 11. Februar 1988 wurde die Dorfgemeinschaft als eingetragener und gemeinnütziger Verein anerkannt. Dies schuf die Grundlage für Förderungen und Investitionen. Im selben Jahr wurde Martin Jacobs nach 17 Jahren an der Spitze des Vereins zum Ehrenvorsitzenden gewählt. 1992 übernahm Sohn Dieter die Vereinsführung und hat danach über mehr als drei Jahrzehnte viele Projekte geleitet. Im Jahr 2017 erhielt er anlässlich seines 25. Amtsjubiläums den Wildberger Silbertaler der Gemeinde Reichshof.
Mehrere Familien stellten bereits über drei Generationen Vorstandsmitglieder. Dorfkinder engagieren sich heute selbst im Verein und setzen die Tradition ihrer Eltern und Großeltern fort. Familiär ist das Vereinsleben allemal. Das zeigte sich jetzt auch beim Fest zum 55. Geburtstag, in dessen Rahmen auch Jacobs' Ehefrau Petra dafür gedankt wurde, dass sie die Vereinsarbeit über Jahrzehnte aktiv unterstützt hat. Neben ihrer langjährigen Mithilfe bei der Vermietung des Dorfgemeinschaftshauses engagierte sie sich unter anderem bei den Krippenspielen und zahlreichen weiteren Aktivitäten für Kinder und Familien. Als weitere langjährige Vorstandsmitglieder geehrt wurden zudem Ralf Freudenberg, Julia Porzberg, Angelika Raschke und Ann-Katrin Michel, Gabor Nagy, Alfred Mettbach und Dennis Freudenberg. Ute Frahm-Jacobs wurde sogar für 21 Jahre im Vorstand gewürdigt.
Eine Ehrung ragte heraus: Bürgermeister Jan Gutowski hatte als Schirmherr in seinem Grußwort zu Beginn der Festveranstaltung die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für das Dorfleben und die generationsübergreifende Gemeinschaft in Heienbach hervorgehoben. Einen besonderen Akzent setzte er mit der Verleihung der Ehrenamtsmedaille der Gemeinde Reichshof an Karl Heinz Fischbach für dessen langjährigen Einsatz.
Zwischen 2022 und 2026 wurden zahlreiche Projekte umgesetzt. Dazu zählen die Förderung „Neustart Miteinander“ zur Stärkung der Dorfgemeinschaft nach der Coronazeit, ein Gerätehaus mit Tischtennisanlage, neue Bestuhlung für das Dorfhaus, der Ausbau des Dorfinventars für Vereine und Ehrenamt sowie die Sanierung des Dorfhauses. Auch die familienfreundliche Gestaltung des Spielplatzes gehört dazu. Die Gesamtinvestitionen in diesem Zeitraum beliefen sich auf rund 60.000 Euro. Davon wurden 47.000 Euro aus Fördermitteln getragen. Der Eigenanteil des Vereins betrug also immer noch 13.000 Euro. Hinzu kam ehrenamtliche Arbeitsleistung von mehr als 3.500 Stunden.
Neben dem Ausbau des Vereinshauses haben die Mitglieder über die Jahre weitere Vorhaben für das Dorf mitgetragen. Dazu zählen die Mitwirkung beim Kanalbau und die Schaffung schneller Breitbandanschlüsse. Diese Dorfentwicklung rechtfertigt den feierlichen Ton, mit dem Dieter Jacobs die Festschrift zum Dorfgeburtstag eröffnet: „Wenn wir heute auf die Geschichte der Dorfgemeinschaft Heienbach zurückblicken, dann schauen wir nicht nur auf Gebäude, Veranstaltungen und Projekte. Wir blicken vor allem auf eine Gemeinschaft, die über Jahrzehnte hinweg bewiesen hat, was möglich ist, wenn Menschen füreinander einstehen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam anpacken." (rtz)

