Oberberg – Auf zunehmende Lieferengpässe selbst bei gängigen Arzneimitteln machen Oberbergs Apotheker aufmerksam. Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Apothekerkammer Nordrhein und des Apothekerverbands NRW listet das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) aktuell in seiner Datenbank 529 Arzneimittel auf, die schwer und nicht innerhalb von zwei Wochen zu beschaffen sind.
Teilweise müssten Patienten monatelang darauf warten. Auch ein Lieferengpass über ein Jahr sei inzwischen keine Seltenheit mehr. Ob blutdrucksenkende Mittel, Schmerztabletten, Mittel zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen oder Depressionen: „Fast alle Bereiche sind betroffen und es spitzt sich leider von Jahr zu Jahr weiter zu“, berichtet Apothekerin Martina Dammüller, die Pressesprecherin der oberbergischen Apotheker und selbst Eigentümerin zweier Apotheken in Wipperfürth.
Lieferengpässe durch Kostendruck der Pharmafirmen
Grund seien immer weiter entfernte Produktionsstätten im Ausland und Rabattverträge mit den Krankenkassen. Dammüller: „Der Kostendruck auf Pharmafirmen führt immer häufiger zu Lieferengpässen.“ Diejenigen, die einen Liefervertrag mit einer Krankenkasse haben, produzieren nur so viel wie dafür benötigt. Die anderen fahren die Produktion runter, weil sich die Konkurrenz die größten Abnehmer bereits gesichert hat. Immer mehr Medikamente werden zudem im Ausland produziert. „Und glauben Sie, in China interessiert es irgendjemanden, ob wir einen Lieferengpass haben?“, fragt Dammüller sarkastisch.
Die Apotheker seien aber bemüht, ihren Kunden trotzdem wie vom Arzt verordnet zu versorgen. Wenn das Medikament des Herstellers, mit dem die Krankenkasse einen Rabattvertrag abgeschlossen hat, nicht verfügbar sei, könne man oft ein Präparat einer anderen Firma bestellen – auch wenn das bedeute, dass der Patient etwas länger darauf warten müsse, das Präparat anders aussehe als das gewohnte und womöglich erst noch eine Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt erforderlich sei.
Dosierungen ändern als Alternative
Eine weitere Möglichkeit sei das Ausweichen auf eine geringere oder höhere Dosierung – also etwa Tabletten mit 10 Milligramm Wirkstoff statt 20 Milligramm, von denen der Patient dann die doppelte Menge einnehmen muss. Auch ein höher dosiertes Präparat, das aufgeteilt wird, sei denkbar.
Aber auch das ist bei manchen Medikamenten leichter gesagt als getan. Bei Ibuprofen 800, das laut Apothekerin Martina Dammüller derzeit so gut wie überhaupt nicht verfügbar sei, könnte man theoretisch auch zwei 400er-Tabletten einnehmen. „Die sind allerdings in den meisten Fällen nicht verschreibungspflichtig. Deshalb werden die Kosten dann auch nicht von der Krankenkasse übernommen“, stellt Dammüller klar.
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Ist der gewünschte Wirkstoff weder im verschriebenen noch in einem alternativen Medikament eines anderen Herstellers vorhanden und auch nicht bestellbar, wird der Apotheker mit dem Arzt Kontakt aufnehmen und ihm einen ähnlichen Wirkstoff vorschlagen, der für den Patienten infrage kommt. Gegebenenfalls bedeutet das allerdings für den Patienten, dass er ein neues Rezept beim Arzt abholen oder sogar einen neuen Termin zur weiteren Klärung vereinbaren muss.
Die Apothekerorganisationen empfehlen deshalb, sich gerade bei einer Dauerbehandlung frühzeitig um das entsprechende Rezept und Medikament zu kümmern, um im Bedarfsfall noch einen kleinen Vorrat davon zu Hause zu haben. Denn wenn der Patient gar keine Tabletten mehr habe und gleichzeitig Lieferengpässe bestehen, müssen Apotheker sich erneut eine andere Lösung ausdenken. Das könne schwer werden, da eine eventuell nötige Rücksprache mit dem Arzt außerhalb der Praxiszeiten oft nicht möglich sei.



