Die biologische Vielfalt zu erhalten und zu fördern ist neben der Klimafolgenanpassung eine wichtige kommunale Aufgabe.
Projekt des LVRIdeensucher tüfteln im Freilichtmuseum Lindlar am Thema Biodiversität

An mehreren Tischen überlegten die Teilnehmer, welche Maßnahmen angegangen werden könnten.
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Am Montag startete das LVR-Projekt „Bergische Kommunen – Gemeinsam stark für Biodiversität“ mit einem Auftakt-Workshop in der Museumsherberge des Freilichtmuseums Lindlar. Teilnehmer waren Vertreter aus den Kommunen Engelskirchen, Gummersbach, Hückeswagen, Lindlar, Nümbrecht, Wiehl, Radevormwald, Bergisch-Gladbach, Burscheid und Overath, der Oberbergische Kreis, Ehrenamtler vom Verein Naturgarten sowie die Biologische Station als Projektträger und als Kooperationspartner der Naturpark Bergisches Land.
„Unser Ziel ist, die Biodiversität zu stärken“, sagte Matthias Wirtz-Amling, Leiter der Biologischen Stationen Oberberg (BSO) und Rhein-Berg, in der Begrüßung. Die biologische Vielfalt zu erhalten und zu fördern sei neben der Klimafolgenanpassung eine wichtige kommunale Aufgabe. In den vergangenen Jahren hätte die BSO häufig Beratungsanfragen zur Biodiversitätsförderung erreicht. Daher hatte die Biostation das Projekt beim Landschaftsverband Rheinland beantragt und auch bewilligt bekommen.
Museum Lindlar: Hauptaugenmerk liegt auf umsetzbaren Lösungen
Das Hauptaugenmerk liege dabei auf umsetzbaren Lösungen: „Wir brauchen kein Projekt, was an der Praxis vorbeigeht.“ Angestrebt sei daher, mit Verwaltungen, Bauhöfen und dem Naturschutz gemeinsam in den Austausch kommen, um praxisnahe, bezahlbare und dauerhaft umsetzbare Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität zu identifizieren und in den kommunalen Alltag zu integrieren.
„Auch für das Museum ist es wichtig, die Biodiversität am Wegesrand zu fördern“, betonte Marie Kramm, wissenschaftliche Referentin des Lindlarer Freilichtmuseums. So habe sich beim letzten Insektenmonitoring im Museum ein Rückgang auf etwa die Hälfte von früheren Zählungen ergeben.
Manuela Thomas, Betreuerin für LVR-Projekte bei der BSO, führte die Gäste mit einer Rückschau auf bisher umgesetzte Projekte in die Thematik ein, etwa mit „Bienen, Blüten und Begegnung“, das von 2019 bis 2022 umgesetzt wurde. Das Ziel dabei war, gemeinsam mit Dorfgemeinschaften zwei kleinere Naturschutzprojekte umzusetzen. Exemplarisch zeigte sie anhand von Fotos die gelungene Entwicklung des Geländes neben dem Dorfhaus in Wiehl-Hübender. Bei der Umwandlung einer ehemals ungepflegten Fläche in den ökologisch wertvollen Schottergarten „Sonnenpark“ in Marienheide-Müllenbach verheimlichte sie nicht, dass es bei dem nahezu ganzjährigen Blühparadies im Nachhinein gesehen besser gewesen wäre, zur Verbesserung der Wasserhaltigkeit keinen Schotter ohne Nullanteil zu verwenden.
Weitere Projekte waren die Anlage des Bergischen Naturgartens im Freilichtmuseum, ein Biodiversitätscheck in verschiedenen Kirchengemeinden und „Lebenslinien“, wo zugunsten der Artenvielfalt mehr als 40 Kilometer blühende Säume entlang der Straßen geschaffen wurden. Ihre Kollegin Cornelia Lösche von der Biostation Rhein-Berg berichtete von einer Sodenübertragung in Burscheid, die sich wesentlich schneller und artenreicher als die parallele Neuansaat einer Grasfläche entwickelte.
In einem Kurzvortrag beschrieb Daniel Skambracks von der KfW die Fördermöglichkeiten aus dem Topf „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“. Nach der Auftaktveranstaltung wird das Thema Biodiversität in weiteren vier Workshops in diesem und dem nächsten Jahr vertieft.
Vorschläge aus dem Workshop im Lindlarer Museum
Im anschließenden Workshop berichteten die Teilnehmer, was sie in ihren Kommunen bereits umsetzen, wo die größten Stolpersteine liegen und welche Aktionen zur Erhöhung der Biodiversität sie gerne in ihren jeweiligen Kommunen umsetzen würden. Angesprochen wurden beispielsweise eine biodiversitätsfördernde und gleichzeitig ansprechende Gestaltung von aufgegebenen Grabstellen anstelle einer Raseneinsaat oder eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit – etwa die Kommunikation, dass ein Blühsaum nicht einfach vom Bauhof vergessen wurde zu mähen, sondern bewusst länger stehen soll.

