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Minus 85 GradHitzestress? Von wegen. Die Lindlarer Eisbox ist Oberbergs kältester Ort

3 min
Eine Frau geht in eine Kältesauna, die lila beleuchtet ist.

Ein grelles Lila hat Sarah Eberz für den eiskalten Nebel in der Cryobox des Health Center gewählt. 

Arktischen Frost, zumindest für einige Minuten, verspricht die Cryobox im Lindlarer Health Center. Wir haben die Kältekammer besucht.

Was hat man in den vergangenen Sommern nicht schon alles über den angeblich kältesten Ort im Rheinland gelesen. Mal wurde die Eishalle in Troisdorf mit ihren vier Grad über Null zum heißen Anwärter auf den frostigen Titel erklärt. Doch schon im Jahr darauf warfen die Taucher der Bonner Feuerwehr ihre Badekappen in den Ring, sie hatten auf dem Grund eines Sees nur gut drei Grad gemessen. Im vergangenen Jahr, da waren sich die Kölner Kollegen sicher, mit der Icebar nun den ultimativen Sieger gefunden zu haben – die Gastronomie am Friesenplatz serviert Kölsch, Cola und Cocktails bei frischen minus 18 Grad Kneipentemperatur.

Der Anfänger startet in Lindlar mit 120 Sekunden

Vergessen Sie das alles. Der Sommer 2026 lässt das Quecksilber in Höhen schießen, die man sich nicht vorstellen konnte. Deshalb müssen auch in Sachen Abkühlung dickere Kaliber her – die Cryobox aus dem im März eröffneten Health Center Oberberg in Lindlar kommt da gerade recht. Ziemlich genau 85 Grad unter dem Gefrierpunkt sind jedenfalls mal eine Ansage und momentan richtig begehrt.

„Die Box ist definitiv eines unserer Highlights. Die Kältekammer interessiert die Menschen, sie ist praktisch immer im Gespräch“, berichtet Inhaberin Sarah Eberz. Kein Wunder, bei neuen Hitzerekorden am Fließband klingen schon die Tarifnamen wie Pinguin und Polarfuchs gleich doppelt sympathisch. Allerdings: Hitzegeplagte, die sich schon den halben Vormittag in der an einen begehbaren Eisschrank erinnernden Kabine verbringen sehen, müssen jetzt tapfer sein. Der Anfänger startet mit 120 Sekunden Aufenthalt, wenige Cracks schaffen fünf Minuten.

Wer in Lindlar schnattern möchte, braucht zuerst eine Lieblingsfarbe

Denn in erster Linie ist die Box ja gar nicht für die Abkühlung gedacht, sondern vielmehr eiskaltes Werkzeug gegen fiese Schmerzen, die Entzündungen, Rheuma und Arthrose in den Gelenken verursachen, die Cryotherapie eben. Auch lädierte Schleimbeutel soll der Frost wieder heilen. Wer an der Bismarckstraße schnattern möchte, braucht zunächst eine Lieblingsfarbe, in der die gläserne Box strahlen soll. „Wer besonders viel Respekt vor der Kälte hat, wählt eine warme Farbe – so funktioniert Psychologie“, erklärt Eberz und lacht.

Wer besonders viel Respekt vor der Kälte hat, wählt eine warme Farbe – so funktioniert Psychologie.
Sarah Eberz findet für jeden Typ den passenden Farbton

Dazu gibt es dicke Handschuhe, ein Stirnband zum Schutz der Ohren, Puschen für die Füße und einen Mundschutz, der verhindert, dass es wehtut, wenn die Kälte durch die Atemwege gleitet. Bei der Kleidung gilt: Weniger ist mehr – wenn schon, denn schon.

Gekühlt wird übrigens nicht mit Stickstoff. Ausgangspunkt ist das gewöhnliche Lindlarer Leitungswasser, das mit einem Hochleistungsaggregat zerstäubt und auf Temperatur gebracht wird. In der Box wabert es als feiner Eisnebel von der Decke. Genau dieser Dunst kühlt die Hautoberfläche nun im Idealfall auf 14 Grad herunter. Wie lange das dauert, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. „Weil die Thermoschicht auf unserer Haut individuell ist, manchmal dicker, manchmal eben dünner“, wie Eberz erklärt.

Endorphin-Regen in der Lindlarer Eisbox

Wichtig ist ihr aber zweierlei: Die Methode bearbeite die besagte Thermoschicht langsam und schonend – ganz im Gegensatz zum Eisbaden etwa, wo sie mit einem Ruck sofort durchbrochen wird. „Ich halte den Sprung in eiskaltes Wasser deshalb auch für viel gefährlicher, trotz der niedrigen Temperaturen in der Box.“ Und: Auf dem Weg zu den 14 Grad werden Stoffwechsel und Durchblutung angekurbelt, vor allem aber eine ganze Menge Endorphine freigesetzt. „Die wiederum docken an Schmerzrezeptoren an und besorgen ein Glücksgefühl. Deswegen wählen auch immer mehr Menschen mit Depressionen die Cryotherapie“, nickt Sarah Eberz.

Unterhalb der 14 Grad und wenn die Thermoschicht langsam schlapp macht, stoppt der Körper die Ausschüttung der Endorphine. Erfroren ist man deshalb noch nicht, aber die Wirkung ist schlicht nicht mehr da. Andererseits: 14 Grad sind an manchem Sommertag im Jahr 2026 ja allemal ein Segen.

Detaillierte Informationen zur Cryo-therapie und den Kontakt zum Health Center Oberberg in Lindlar gibt es online.

www.hc-oberberg.de