Der Verein aus der Gemeinde Lindlar wehrt sich gegen Beleidigungen im Netz nach der Verpflichtung eines Mittelfeldspielers
MittelrheinligaScharfe Kritik an jüngstem Hohkeppeler Transfer

Sportdirektor Kevin Theisen betont, dass es nicht darum gehe, ein laufendes Strafverfahren zu bewerten, „sondern einem jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich auf den Fußball zu konzentrieren und seinen Weg weiterzugehen".
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Für Gesprächsstoff unter Fußballfans sorgt in dieser Woche der Mittelrheinligist Eintracht Hohkeppel mit der angekündigten Verpflichtung eines 22-jährigen Mittelfeldspielers. Am Mittwoch gab der Lindlarer Klub bekannt, dass Vladislav Fadeev zur neuen Spielzeit den Kader der ersten Eintracht-Elf verstärken wird. Fadeev lief bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison für Hohkeppel auf, bevor er im letzten Sommer zum 1. FC Kaiserslautern II wechselte.
Ausgebildet wurde er zuvor unter anderem beim 1. FC Köln. Um genau diese Zeit in Köln dreht sich die aktuelle Aufregung. Denn Fadeev soll für einen tödlichen Autounfall mitverantwortlich sein, der sich im Dezember 2023 auf der Autobahn 555 nahe Wesseling ereignet hat und bei dem zwei Frauen in ihrem VW-Polo verbrannten. Das Landgericht Köln kam im April dieses Jahres nach umfangreicher Verhandlung zu dem Urteil, Fadeev und ein weiterer Fußballspieler hätten sich in jener Nacht ein illegales Autorennen geliefert, in dessen Folge eines der hochmotorisierten Fahrzeuge den Kleinwagen rammte.
Anwälte legten Revision ein
In der jetzt gut sechs Wochen alten Entscheidung war von Geschwindigkeiten nahe der 200 Stundenkilometer die Rede. Der Vorsitzende der Kölner Kammer sagte außerdem, aus Sicht der Richter sei das Geschehen kein tragischer Unfall gewesen, vielmehr seien auf der Autobahn zwei Menschen einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Als Konsequenz verhängte das Landgericht mehrjährige Haftstrafen gegen beide junge Männer. Die legten über ihre Anwälte indes Revision ein, nun soll der Bundesgerichtshof das Kölner Urteil auf Rechtsfehler prüfen. Bis dort entscheiden wurde, ist das Urteil nicht rechtskräftig, der Verpflichtung Fadeevs durch die Eintracht steht – nüchtern betrachtet – damit nichts im Weg. In den sozialen Medien wurden Verein und Spieler in den vergangenen Tagen gleichwohl hart angegangen, zum Teil auch angefeindet.
Daraufhin ging die Hohkeppeler Führung in die Offensive und veröffentlichte ein Statement zum Fadeev-Transfer. Darin erklärte der Klub zunächst: „Wir sind uns bewusst, dass bei dem tragischen Verkehrsunfall Menschen ihr Leben verloren haben und Familien bis heute mit den Folgen leben müssen. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen sowie allen Betroffenen.“ Ganz und gar nicht tolerieren werde man indes persönliche Beleidigungen, Hasskommentare, Hetze, Drohungen oder Diffamierungen gegenüber dem Spieler, seinen Angehörigen oder Vereinsvertretern. Sportdirektor Kevin Theisen betont, dass es nicht darum gehe, ein laufendes Strafverfahren zu bewerten, „sondern einem jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich auf den Fußball zu konzentrieren und seinen Weg weiterzugehen.“ Die rechtliche Bewertung obliege ausschließlich den zuständigen Gerichten, deren Entscheidungen der Verein respektieren werde.
