Es war ein Konzertabend, der nicht nur musikalisch stimmig war. Mehrere Lindlarer Chöre, darunter „Jazz isses“ und die „Jubilee Singers“, sangen und swingten im Kulturzentrum am Wochenende um die Wette durch ein abwechslungsreiches Programm. Und der Erlös des Benefizkonzert diente der Indienhilfe Köln mit Sitz in Lindlar.
Von der Familieninitiative zum Verein
Martin Kramm, zusammen mit seiner Frau Rani Kopf des Vereins, berichtet, dass die Indienhilfe im Jahr 1960 von Viktoria Hettlich, der Mutter von Rani Kramm, zunächst noch als private Familieninitiative gegründet wurde. „Sie war so beeindruckt von einem Bericht über das Elend von Kindern in Indien und der segensreichen Arbeit von Mutter Anna Huberta Roggendorf vor Ort.“ Die Ordensschwester aus der Eifel war 1932 nach Bombay, dem heutigen Mumbai, gegangen und hatte zehn Jahre später mit acht indischen Mädchen aus dem Waisenhaus „St. Catherine‘ s Home“ die „Society of the Helpers of Mary“ gegründet.
Generationswechsel und Umzug nach Lindlar
Die Lindlarer Indienhilfe habe sich nach und nach so entwickelt, sagt Martin Kramm. Viktoria Hettlich prägte erst die kleine Initiative, später den Verein, über mehr als 50 Jahre, 2010 bekam sie dafür das Bundesverdienstkreuz. 2013 übergab die Kölnerin die Verantwortung an ihre Tochter Rani und den Schwiegersohn Martin Kramm, die in Lindlar leben. So kam die Indienhilfe Köln ins Oberbergische. „Wir haben den Namen bewusst belassen, weil er an die Wurzeln und die Geschichte des Vereins erinnert“, sagt Kramm.
Bildung als Schlüssel gegen Armut
Im Mittelpunkt der Arbeit der Indienhilfe Köln stehen vor allem Mädchen und Frauen, die unter den schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in Indien aufwachsen. „Bildung ist hier der wichtigste Schlüssel, um den Kreislauf der Armut zu unterbrechen. Ein Mädchen, das zur Schule gehen und später einen Beruf erlernen kann, gewinnt nicht nur für sich selbst eine Perspektive, sondern auch für die ganze Familie.“
Kredite zur Existenzgründung

Konzert vor vollem Haus.
Copyright: Weitzdörfer
Daher werden vom Lindlarer Verein Schul- und Bildungsprojekte, Kinderpatenschaften und Einrichtungen unterstützt, in denen Mädchen Schutz, Förderung und eine verlässliche Begleitung erfahren. Aber auch Selbsthilfegruppen und Microcredite für Frauen sind Teil der Förderung durch die Indienhilfe Köln. „Bei diesem Konzept geht es um Kredite für Frauen, die damit einen kleinen Handel, eine Näharbeit oder auch andere Erwerbsmöglichkeiten aufbauen können – und damit unabhängiger und selbstständiger sind“, erläutert Martin Kramm.
Hilfe für Lepra- und HIV-Betroffene
Und dann ist da noch die tückische Krankheit Lepra, die in Indien immer noch nicht besiegt ist. Ausgrenzung, schwere gesundheitliche Folgen, gesellschaftliche Ächtung gehen damit einher. „Auch hier möchten wir helfen, genau wie bei HIV-infizierten Jungen und Mädchen, die bereits von ihren Eltern das Virus bekommen haben und mit einer Krankheit leben müssen, für die sie überhaupt nichts können“, sagt Kramm.
Die „Marys“ vor Ort
Mit dem Lindlarer Geld arbeiten vor Ort die „Marys“, wie der Orden liebevoll genannt wird. In ihm engagieren mehr als 300 Schwestern, sie leben mitten unter den Menschen und setzen sich für die Kinder, Mädchen und Frauen ein. „Wir möchten wir ein Zeichen der Solidarität aus Oberberg senden, indem wir sie regelmäßig mit Spendengelder versorgen“, sagt Kramm.
Spenden durch Veranstaltungen und indische Pakoras
Es sind auch Veranstaltungen wie das Konzert im Kulturzentrum, mit denen der Verein im Bergischen Land seine Spendengelder akquiriert. Neben den Infos seitens des Vereins gab es an diesem Abend auch noch einen kulinarischen Einblick in den Subkontinent: In der Pause konnte man indische Pakoras probieren.

