Gemeinsam mit seiner Frau Kathryn war Rolf Liebig für einen Kurzurlaub nach Dubai geflogen – und befand sich plötzlich inmitten des Krieges.
Krieg im IranMarienheider durften mit einem der wenigen Flugzeuge von Dubai aus nach Hause fliegen

Diesen Kurzurlaub in Dubai samt Drohnenabschüsse und Handywarnung werden Rolf und Kathryn Liebig so schnell nicht vergessen.
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Als am Mittwochmittag der erste Flieger aus Dubai, der seit den Ausschreitungen im Iran nach NRW geflogen ist, in Düsseldorf landet, sitzen auch zwei Marienheider an Bord der Maschine. „Wir sind heilfroh, dass wir dabei waren und nun wieder zurück im Oberbergischen sind“, sagt Rolf Liebig am Donnerstagnachmittag erleichtert.
Gemeinsam mit seiner Frau Kathryn war Rolf Liebig für einen Kurzurlaub nach Dubai geflogen – gar nicht wegen der Stadt selbst, sondern aus einem ganz anderen Grund. „Meine Frau ist schwer krank und hatte immer den Wunsch, einmal mit einen Airbus A380 zu fliegen. Das wollten wir zu ihrem Geburtstag am 1. März machen. Der Airbus A380 fliegt aus unserer Region aber nur nach Amerika oder Dubai. Da wir wegen Trump nicht nach Amerika wollten, entschieden wir uns für Dubai“, erzählt der 71-Jährige.

Die Boeing 777 der Fluglinie Emirates aus Dubai landete am Mittwochmittag um am Flughafen Düsseldorf.
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Liebig war in der Vergangenheit bereits häufiger geschäftlich in Dubai und in den Staaten im Nahen Osten unterwegs. Der Marienheider hat in der Wasserwirtschaft gearbeitet und vor Ort Wasseraufbereitungsanlagen betreut, unter anderem in Bagdad im Irak, wie er berichtet. Mittlerweile ist er pensioniert. „Ich habe auf meinen Geschäftsreisen häufig Eindrücke des Krieges miterlebt – unter anderem als die Israelis damals den Atomreaktor in der Nähe von Bagdad zerbombt haben. Da war ich vor Ort und das war sehr gefährlich. Trotzdem hat mich die Situation der vergangenen Tage ganz besonders bewegt“, sagt er.
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Kurz nachdem die Marienheider in Dubai angekommen waren, bezogen sie zunächst ihr Hotel und starteten ein Sightseeing der üblichen Attraktionen. „Ich saß gerade in einem Café, als es einen lauten Knall gab. Ich habe erst gedacht, dass die großen Wasserfontänen in der Stadt eingeschaltet wurden“, erzählt Rolf Liebig. Schnell realisierte er jedoch den wirklichen Grund für den Knall: Krieg. Der Marienheider sah, wie Kriegsdrohnen über Dubai abgeschossen wurden. Eine brennende Drohne fiel in ein anderes Hotel, eine weitere im Hafen auf ein Schiff. Liebig berichtet: „Unser Hotel lag etwa 300 Meter vom Hafen entfernt, wir konnten das alles sehen.“ Ab diesem Zeitpunkt habe es in Dubai permanenten Luftalarm gegeben. „Auch eine Warnung auf dem Handy hat ausgelöst“, berichtet er weiter.

Ihren Kurzurlaub in Dubai samt Drohnenabschüsse und Handywarnung werden Rolf und Kathryn Liebig so schnell nicht vergessen.
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Er und seine Frau hätten glücklicherweise in ihrem Hotelzimmer bleiben können. „Andere Hotelgäste mussten teilweise mit Isomatten in Kellern schlafen. Das macht einen in so einer Situation natürlich noch unruhiger“, meint der 71-Jährige. Dazu kam die schwierige Informationsbeschaffung. „Die lokalen Medien haben vieles positiv dargestellt. Dass viele Angriffe abgewehrt wurden. Internationale Nachrichten waren über das lokale Netz nicht zu empfangen, sondern nur über meine Prepaidkarte“, sagt Liebig über die fehlende Presse- und Meinungsfreiheit in Dubai.
Ein Angebot, für eine Evakuierung in die saudi-arabische Hauptstadt Riad zu fahren, schlug Liebig aus. „Das habe ich damals mal gemacht. Wer diese Route kennt, überlegt sich das gut. Da geht es mit dem Bus stundenlang durch die Wüste, bei teilweise 50 Grad“, berichtet der 71-Jährige. Diese Reise wäre auch seiner schwer kranken Frau nicht zuzumuten gewesen, der es zwischenzeitlich nicht gut ging.
„Natürlich haben wir uns auch auf die Liste der Regierung setzen lassen – für eine frühere Rückreise kranker Menschen. Aber da standen wir irgendwo auf Platz 10.000“, meint Liebig. Dass die Oberberger schließlich zwei Plätze in der mit rund 350 Passagieren besetzten Boeing 777 erhielten, die Touristen aus Dubai nach Düsseldorf ausgeflogen hat, war schlichtweg Glück. Denn kurz nach dem Start der Maschine in Dubai war der Luftraum auch schon wieder gesperrt.
Wieder wohlbehalten zurück in Marienheide, lässt Liebig die Erlebnisse Revue passieren und fasst schließlich zusammen: „Das ständige Abfeuern der Flugabwehrgeschütze gegenüber der wunderschönen Poollandschaft war eine vollkommen skurrile Situation. Da weigert sich der menschliche Geist, das wahrzunehmen.“

