Von der Industrie zur Sterbebegleitung
Niemals hätte Katja Hofer gedacht, dass sie einmal etwas mit Trauer- und Sterbebegleitung zu tun haben könnte. Die Marienheiderin kommt eigentlich aus der Industrie, hat dann aber vor rund zehn Jahren den Sterbeprozess ihrer Großmutter begleiten dürfen. Sie sagt explizit „dürfen“, denn auch wenn sie immer ängstlich gewesen sei, was das Thema Sterben anging, so habe sie dadurch doch sehr positive Erfahrungen erleben können. „Ich war sehr mutig und bin bis zum Ende dabeigeblieben – und dann sogar mit einem guten Gefühl aus diesem Erlebnis herausgekommen“, sagt sie. Das sei fast schon „ein wenig irritierend“ gewesen, wie sie es ausdrückt.
Der Weg ins Ehrenamt und in einen neuen Beruf
Auch, wenn sie heute glaubt, dass die Fähigkeit, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten, so etwas wie „meine Superkraft“ ist, dauerte es doch noch einige Jahre, ehe sie den Weg ins hospizliche Ehrenamt einschlug. „Ich dachte immer, dass Hospiz-Vereine Gebilde mit einem kirchlichen Hintergrund sind – und den habe ich einfach nicht“, sagt sie. Irgendwann sei sie dann in Marienheide am Schaufenster des Hospiz-Vereins vorbeigekommen und habe sich informiert. „2024 habe ich meine Ausbildung zur Sterbebegleiterin gemacht. Danach habe ich mein komplettes berufliches Leben auf den Prüfstand gestellt – habe meinen alten Job gekündigt und arbeite seit Januar 2025 beim SAPV Homburger Land“, sagt sie. Auch das Ehrenamt hat sie seitdem immer weiter ausgebaut, auch die Weiterbildung zur Trauerbegleiterin gemacht.
Das Konzept „SchattenumRisse“
In diesem Rahmen hat sie eine Projektarbeit gemacht. „Wir wurden gebeten, die Inhalte der Weiterbildung, die uns besonders wichtig sind, künstlerisch umzusetzen“, erklärt Hofer. Daraus ist das Konzept „SchattenumRisse“ entstanden. Trauer, so die Marienheiderin, sei ein Prozess, kein Zustand oder Problem, das es zu lösen gelte. Wichtig sei ihr, der Trauer Raum zu geben. Denn, und das sei der Kernsatz ihres Konzepts: „Wo Trauer Raum bekommt, kommt sie in Bewegung.“

Der Hospizverein stellt aktuell aus.
Copyright: Weitzdörfer
Männer ducken sich oft weg
Gerade aber Männer hätten bisweilen große Schwierigkeiten, ihre Trauer „in Bewegung zu setzen“ – und damit zu verarbeiten. Dabei könne die künstlerische Auseinandersetzung helfen. Ihr, Katja Hofers, Umgang brauche jedenfalls einen Rohling aus Sperrholz in Form eines Oberkörpers – und dazu viel Kreativität und eigene Ideen. Daraus könnten dann ganz unterschiedliche Skulpturen entstehen, in die man alles Mögliche hineinprojizieren könnte. Für Katja Hofer ist die Trauer auch der rote Faden, der die ganz unterschiedlichen Skulpturen zusammenhält. So könne man mit der eigenen Trauerbiografie beginnen und sich über die Idee, dass man mit der Trauer nicht alleine ist, bis zum Abschluss, dem Weitergehen und der Integration der Trauer ins Leben bewegen.
Workshops für Hospizhelfer geplant
Ihre Form der Trauerverarbeitung möchte die Marienheiderin nun weitergeben – in Form von Workshops. Den Anfang macht ein Kurs für die Helferinnen und Helfer des Hückeswagener Hospizvereins „Die Weggefährten“. Am 10. Dezember wird dieser Workshop stattfinden, für Ostern 2027 ist bereits der nächste Termin geplant. Und Katja Hofer kann sich auch gut vorstellen, in weiteren Hospizvereinen solche Workshops anzubieten – schließlich sei es enorm wichtig, die eigene Trauer nicht einfach hinzunehmen, sondern sie zu verarbeiten, um gesund weiterleben zu können.
Skulpturen im Schaufenster zu sehen
Wer sich ein Bild von ihren Skulpturen machen will, kann sie bis Anfang Dezember im Schaufenster des Hückeswagener Hospizvereins „Die Weggefährten“, Goethestraße 8, sehen.


