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Alte FamilienheimatLeo Baers Großneffe aus Atlanta zu Gast in Nümbrecht

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Das Foto zeigt (von links) Marion Reinecke, Bryan Baer mit Familie, nämlich mit seiner Frau Holly, Tochter Ellison und Sohn Brooks.

Bryan Baer (2.v.l.) besuchte mit Frau Holly, Tochter Ellison und Sohn Brooks Nümbrecht. Links im Bild Marion Reinecke vom Freundeskreis Nümbrecht/Mateh Yehuda.

Wegen Nazi-Repressalien haben die Baers ihre Heimat Nümbrecht noch vor dem Zweiten Weltkrieg verlassen. Kontakt besteht bis heute.

Vor seinem Tod im Jahr 2016 hatte sich Leo Baer gewünscht, dass die in den USA lebenden Nachkommen der Nümbrechter Familie Baer noch einmal die alte Heimat besuchen sollten – Nümbrecht, den Ort, den er 1936 verlassen hat.

Am Sonntag ging der Wunsch wieder in Erfüllung: Bryan Baer, 51-jähriger Anwalt aus Atlanta, besuchte mit Frau Holly, Tochter Ellison und Sohn Brooks Nümbrecht – den Ort, an dem sein Opa Max und dessen Brüder Leo und Herbert aufgewachsen sind.

Immer voller Tatendrang

„Meine Cousins waren recht häufig in Nümbrecht“, sagt Bryan Baer, als wir ihn telefonisch in Nümbrecht erreichen. „Sie hatten mehr mit Leo zu tun als ich, weil ihr Großvater Herbert auch eine engere Beziehung zu Leo hatte als mein Großvater Max.“ Max Baer, Leos älterer Bruder, hatte Nümbrecht schon in den 1920er Jahren verlassen und war in die USA ausgewandert.

Besonders berührt haben den 51-Jährigen die Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig auch in Nümbrecht zur Erinnerung an die jüdischen Einwohner verlegt hat, die vertrieben und ermordet worden sind:   „Da ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen,“ sagt er. Dass es in Europa inzwischen mehr als 100.000 dieser Stolpersteine gibt, wusste Bryan Baer bislang nicht.

Leo hat Nümbrecht und Deutschland geliebt.
Bryan Baer über das Verhältnis seines Großonkels zu seiner alten Heimat.

Bryan Bear ist im Süden der USA aufgewachsen, deshalb war der Kontakt zu seinem Großonkel Leo nicht so eng. „Aber Leo kam uns etwa alle zwei Jahre besuchen und wir haben uns immer gefreut, wenn er da war. Er war immer voller Tatendrang“, erinnert er sich. Die Familiengeschichte war seinerzeit noch kein großes Thema. „Darüber haben wir erst später mehr gesprochen, vor allem, als wir ab 2009 oder 2010 begannen, Leo regelmäßig in New York zu besuchen.“ Dort bekam Bryan dann auch schnell mit, dass Leo, der Vergangenheit zum Trotz, Nümbrecht und Deutschland geliebt hat.

Um so beeindruckender wirkten jetzt in Nümbrecht Gebäude und Straßen auf Bryan, die er bisher nur aus Erzählungen von Familienmitgliedern und von Leo selbst kannte, und natürlich von Fotos: Nicht zuletzt das Haus an der Hauptstraße, in dem Leo und seine Brüder ihre Kindheit und Jugend verbracht haben. Aber auch die Häuser von Verwandten, der Ort, an dem früher die Synagoge stand oder der jüdische Friedhof beeindruckten die Besucher. „Und wir sind natürlich auch durch die Leo-Baer-Straße gegangen. Unsere Kinder waren fasziniert, dass in Deutschland eine Straße den Namen ihres Urgroßonkels trägt.“

Begleitet wurden die Gäste auf ihrer Entdeckertour von dem Nümbrechter Ehepaar Marion und Peter Reinecke vom Freundeskreises Nümbrecht-Mateh Yehuda. Dieser   Verein hält – ganz im Sinne Leo Baers – den Kontakt zwischen Nümbrecht und Israel aufrecht, nicht zuletzt durch persönliche Besuche und Kontakte. „Wir haben viel über den Freundeskreis und seine Arbeit gelernt, wie sie zum Beispiel mit Schülerinnen und Schülern zusammen die Erinnerung bewahren“, sagt Bryan Baer.

Dass der Besuch ausgerechnet jetzt zustande kam, lag an Bryans Tochter Ellison: Sie studiert am Georgia Institute of Technology und wechselt bald für ein Semester an den europäischen Standort im französischen Metz; den sah sich die Familie jetzt an. Über seinen Cousin Michael Baer kontaktierte Brian dann kurzerhand die Reineckes.


Zur Person: Leo Baer

Leo Baer (1918-2016) war der jüngster von vier Söhnen der Eheleute Heinrich und Auguste Baer. Geboren wurde er in Nümbrecht. 1936 verließ die Familie vor dem Hintergrund zunehmender Repressalien des NS-Regimes ihre Heimat in Richtung USA. Fast ein Jahrzehnt später kehrte Leo als Captain der US-Streitkräfte, denen er sich angeschlossen hatte, zurück. Nicht, um sich zu rächen, sondern – ganz im Gegenteil – um seinen ehemaligen Nachbarn und Mitbürgern die Hand zu reichen. Sein Engagement in Sachen Versöhnung hielt Leo Baer bis konsequent aufrecht, buchstäblich bis er 2016 im Alter von 98 Jahren in seiner neuen Heimat New York starb.

Mehrfach war Baer aus New York in seine alte Heimat gereist.   Noch als 96-Jähriger wohnte er in der Schlossgemeinde der Verlegung von Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig bei, die an die Verfolgung mehrerer Nümbrechter Familien erinnern. Baer hatte die Verlegung ein Jahr zuvor selbst angeregt. Mehrfach ließ Leo Baer der Gemeinde Nümbrecht höhere Geldsummen zukommen, etwa für die Pflege des jüdischen Friedhofes.

Das Foto zeigt Leo Baer.

Leo Baer