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GeburtstagSeitenwagen-Weltmeister Rolf Steinhausen aus Nümbrecht wird 80

Lesezeit 4 Minuten
Rolf Steinhausen arbeitet am Seitenwagen.

In der Werkstatt arbeitet Rolf Steinhausen nach wie vor am Seitenwagen.

„Mache das, was ich am besten kann“: Ex-Seitenwagen-Weltmeister Rolf Steinhausen wird 80, doch mit dem Rennsport ist noch nicht Schluss.

Es ist noch nicht lange her, da hat er seinen Bus-Führerschein verlängert, gemeinsam mit Sohn Maik ist er für Steinhausen-Racing zuständig und begleitet das Fahrerteam zu den Rennen der Seitenwagen-Weltmeisterschaft. „Ich habe meinem Arzt gesagt, dass ich 100 Jahre alt werden möchte“, sagt Rolf Steinhausen lachend – die 80 hat er heute erreicht.

„Ich fühle mich noch nicht so und solange alles rund läuft, kann ich alles machen“, sagt der zweimalige Gespann-Weltmeister und dreimalige TT-Seitenwagen-Sieger auf der Isle of Man. Dabei weiß der Jubilar, wie sein Sport den Körper über Jahre ausgelaugt hat. Vor 27 Jahren bekam er vier Bypässe und lässt sich seitdem regelmäßig durchchecken.

Nümbrechter startete auf dem Solo-Motorrad  

Begonnen hat Steinhausen einst auf einem Solo-Motorrad. Nach einem Unfall auf dem Nürburgring   stieg er, unterstützt von Max Deubel, auf den Seitenwagen um. 1972 fuhr er mit Werner Kapp alle Rennen der Weltmeisterschaft. Die wurde bis dahin von BMW dominiert, während der Nümbrechter und sein Beifahrer mit einem Zweitakt-König-Gespann an den Start gingen.

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Keine leichte Aufgabe für Rolf Steinhausen, denn es war alles neu und neben den Kinderkrankheiten am Motorrad forderte die Abstimmung des empfindlichen Zweitakters Feingefühl. Trotz allem belegten Steinhausen/Kapp Platz zehn in der ersten WM-Saison, ein Jahr später war es bereits Rang sechs.

Die Dominanz der Viertakt-Technik der Boxer-BMW beendet 

Rolf Steinhausen hielt am Zweitakter fest und ließ sich 1974 von Dieter Busch ein neues Renngespann bauen. Als dann während der Saison Sepp Huber in den Beiwagen kam, begann die Erfolgswelle. 1975 und 1976 wurden Steinhausen/Huber Gespannweltmeister. Sie waren die ersten Zweitakt-Weltmeister und beendeten die Dominanz der Viertakt-Technik der Boxer-BMW.

1989 beendete Rolf Steinhausen die Rennsportkarriere, doch bis zu seinem 75. Geburtstag trat er mit dem König-Vierzylinder-Zweitakter bei Classic-Veranstaltungen und   zu Präsentationsfahrten an. Dann war auch da Schluss. Der Seitenwagen mit der Nummer eins hat seinen Platz im privaten Museum von Jürgen Röder, dem Chef des Teams Bonovo action gefunden, das in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) und der Superbike-WM unterwegs ist.

Harry Payne und Kevin Rousseau starten für Steinhausen-Racing  

Doch vom Seitenwagensport kann Rolf Steinhausen nicht lassen. Sohn Maik und er bauen mit Steinhausen-Racing    Seitenwagen und sind in der Weltmeisterschaft unterwegs. Mit dem Briten Harry Payne, der von der Isle of Man kommt, und dem Franzosen Kevin Rousseau wollen die Steinhausens   an alte Zeiten anknüpfen. Zurück zu den Erfolgen von Rolf und später seinem zweiten Sohn Jörg Steinhausen.

„Die beiden Burschen machen mir viel Freude“, sagt Rolf Steinhausen zum englisch-französischen Duo. Zwar habe man ein bisschen Pech mit der Elektronik gehabt und noch fehlten ein paar Sponsoren, doch für einen Neustart laufe es gut.

Rolf Steinhausen ist in der Seitenwagen-Szene noch bekannt

„Harry Payne und Kevin Rousseau wollen den Erfolg und ordnen ihm alles unter.“ Gerne würden Rolf und Maik Steinhausen auch wieder deutsche Talente unter ihre Fittiche nehmen, doch noch sind sie nicht fündig geworden.

Vor allem kann sich Rolf Steinhausen auf langjährige Weggefährten verlassen, wie bei den technischen Problemen, als Hilfe von Yamaha kam. „Wir haben schon viel Unterstützung“, blickt er in die Zukunft. Immer wieder ist der Jubilar auch erstaunt, wie viele Menschen sich noch an seine Erfolge erinnern und an den Rennstrecken beim Team vorsprechen. „Es sind aber auch Erlebnisse, die man nicht wiederholen kann“, sagt Rolf Steinhausen. Wenn er zurückblickt, sagt er, würde er nicht viel anders machen.     Mit der eigenen Rennerei habe er abgeschlossen und habe heute Spaß daran, „den Burschen zum Titel zu verhelfen“.

So sind Harry Payne und Kevin Rousseau heute auch unter den 40 Gästen, mit denen Rolf Steinhausen seinen Geburtstag feiert. Neben Ehefrau Ursel, den beiden Söhnen, deren Ehefrauen, Enkelin Lea und Enkel Pit sind das alte Weggefährten und Freunde.

Bereits Anfang August geht es wieder auf die Rennstrecke, wenn das Steinhausen-Racing -Team auf dem Red Bull Ring in Spielberg an den Start geht. „Ich mache heute weiter mit dem was ich am besten kann“, sagt Rolf Steinhausen – auch wenn er dafür nicht mehr selbst auf das Motorrad steigt.

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