Doris Werry und Claus Hudert feiern das 20-jährige Bestehen der Nümbrechter Lichtbrücke – und hören auf.
Bangladesch-HilfswerkWie zwei Nümbrechter tausende Leben retteten

oris Werry und Claus Hudert mit einem Filter, der Wasser von Arsen befreit.
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25 Menschen können in Bangladesch mit einem einzigen Wasserfilter vor einer Arsenvergiftung bewahrt werden. Und rund 4500 von diesen Geräten hat die Arbeitsgruppe in 20 Jahren mit rund 200.000 Euro finanziert. Claus Hudert geht davon aus, dass die Nümbrechter Lichtbrücke „einer ganzen Großstadt das Leben gerettet hat“.
Ohne Frage ist es eine Erfolgsgeschichte, was seine Lebensgefährtin Doris Werry vor 20 Jahren auf den Weg gebracht hat. Seit 2015 sind die beiden ein Team. Sie ist aber inzwischen 82 Jahre alt und er noch drei Jahre älter. Werry sagt: „Wir merken, wie sehr die Arbeit an die Substanz geht.“ Das Chorfest, mit dem am Samstag das 20-jährige Bestehen der Nümbrechter Lichtbrücke begangen wird, soll denn auch die letzte große Benefizveranstaltung von Doris Werry und Claus Hudert sein. Sie suchen Nachfolger.
Mehr als 40 Aktive gehörten einst zur Nümbrechter Arbeitsgruppe
„Wir bekommen noch immer Unterstützung, wenn wir darum bitten“, sagt Werry, „aber bisher hat sich noch niemand gefunden, der die Verantwortung übernehmen möchte.“ Mehr als 40 Aktive gehörten zur Blütezeit zu der Nümbrechter Arbeitsgruppe, inzwischen sind es nur noch eine Hand voll.
Seit der Corona-Pause hat es keinen Basar mehr gegeben. Früher gab es viele Aktionen: Konzerte wie ein Schumann- und ein Mozartabend, Kinderfeste, Kunstausstellungen und allerlei Aktionen an Grundschulen. Zumindest die beliebte Advents-Tombola, die jeweils am 1. November startet und bis zum Jahresende läuft, soll weiterhin bestehen bleiben.
Meine Schüler sollten erfahren, dass die Menschen in Bangladesch nicht einfach den Hahn aufdrehen können, wenn sie sauberes Wasser brauchen.
Angefangen hat alles, als Doris Werry 2004 nach Nümbrecht kam. Schon zuvor hatte sie als Lehrerin an der Lindlarer Janusz-Korczak-Förderschule die Arbeit der Engelskirchener Lichtbrücke unterstützt. Die Gründer und Leitfiguren des Hilfswerks, Friedel Knipp und Mathilde von Lüninck-Knipp, waren zu Gast in ihren Schulklassen, erzählt Werry. „Meine Schüler sollten erfahren, dass die Menschen in Bangladesch nicht einfach den Hahn aufdrehen können, wenn sie sauberes Wasser brauchen.“ Bis heute erschüttert sie es, dass solch ein grundlegendes Bedürfnis nicht überall auf der Welt selbstverständlich erfüllt wird.
Als sie sich in Nümbrecht zurecht gefunden hatte und bereit war für eine neue Aufgabe, gründete Doris Werry die Arbeitsgruppe als selbstständige Abteilung des Engelskirchener Lichtbrücke-Hilfswerks. „Ich wollte etwas Eigenes machen und nicht nur Engelskirchen zuarbeiten. Mathilde Lüninck-Knipp hat mich darin unterstützt.“
Bengalische Tanzgruppe kam nach Nümbrecht
Die erste Aktion in Nümbrecht war 2006 der Auftritt einer bengalischen Kulturgruppe in der Rhein-Sieg-Klinik. Dort stellte Doris Werry ihr Vorhaben dem Publikum vor und fand bald Unterstützer.
Während die Engelskirchener Mutterorganisation inzwischen Vorschulen und Zentren für Berufsausbildung finanziert und sogar Kleinkredite vergibt, hat sich die Nümbrechter Gruppe stets auf die Gesundheitsfürsorge konzentriert. Das Engelskirchener Hilfswerk hat ihren Namen von der Blindenheilung. Es galt eine „eine Brücke des (Augen-)Lichts“ von Deutschland nach Bangladesch zu bauen. Die Nümbrechter bauen eine Brücke des sauberen Wassers.
In weiten Teilen Bangladeschs holen die Menschen das Wasser zum Trinken und Kochen aus den Brunnen. Arsen kommt in vielen Gebieten Bangladeschs als natürliches Element im Boden vor und löst sich im Grundwasser. Noch immer müssen Millionen Menschen in Bangladesch tagtäglich arsenverseuchtes Wasser trinken. Relativ einfach konstruierte Filter machen das Wasser genießbar.
Am Samstag ist der Eintritt frei – aber jede freiwillige Spende rettet Leben.
Geburtstagsfest mit Chormusik
Sieben Chöre treten auf, wenn am Samstag, 18. April, „20 Jahre Lichtbrücke Nümbrecht“ gefeiert werden. Das Konzert in der Aula des Hollenberg-Gymnasiums an der Waldbröler Vennstraße beginnt um 18 Uhr, zu hören sind Allegra Musica aus Engelskirchen, die Chorgemeinschaft Escherhof/Schönenbach/Waldbröl, der evangelische Kirchenchor „conTAKT“ Marienberghausen, der MGV „Homburg“ Winterborn, der MGV 1854 Marienberghausen, der Phönix-Chor und SisterAct aus Waldbröl. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
