Korrektur mit MaskeSo stellen sich die Tanzschulen im Kreis auf die Corona-Krise ein

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Einmal quer durch den Ballsaal fegen? Momentan noch Fehlanzeige!

Oberberg – Früher spielten die Kinder „Hüpfekästchen“. Dabei durften die Spieler nicht über den Rand der Kästchen hinaushüpfen. Ein ganz ähnliches Konzept habe sich das Team der Bielsteiner Tanzschule TanzArt Broichhagen für die kleinen Tänzer ausgedacht, berichtet Tanzlehrer Jens Heimes: „Auf dem Boden kleben Quadrate. Die Kinder, die beim Tanzen innerhalb der Fläche bleiben, bekommen eine Belohnung.“

Oberbergs Tanzschulen setzen auf ein Hygienekonzept, das gewährleistet, dass sich Tänzerinnen, Tänzer und Kursleiter nicht zu nahe kommen.

In Zeiten von Corona müssen Tanzschulen kreativ sein, um Hygieneauflagen umzusetzen. Aber begeistert, dass es wieder losgeht, sind alle. Die Tanzlehrer haben sich vor dem Start intensiv überlegt, wie Hygienekonzepte aussehen können. So hat das Team der Engelskirchener Tanzschule Kasel ebenso wie das der Tanzschule Höchst in Gummersbach eine Hygieneschulung beim Verband „Swinging World“ absolviert. Tanzlehrer Andre Kasel berichtet, dass alle Tanzschüler ein Schreiben erhalten hätten, das die Maßnahmen exakt auflistet und im Internet nachzulesen sei.

Korrektur mit Maske

Markierungen seien im Tanzsaal angebracht worden, die sogar rund drei Meter Abstand zum nächsten Paar einplanen, sagt Kasel. Getanzt würden jetzt erst einmal weniger raumgreifende Tänze wie Rumba oder Jive – ohne Partnerwechsel. Freunde eines schwungvollen Walzers oder eines Tangos müssen sich gedulden, ehe sie wieder quer durch den Saal wirbeln dürfen. Dass die Solotanzkurse wie der Western-Line-Dance, bei dem sich alle Tänzer mit gebührendem Abstand in die gleiche Richtung bewegen, wieder so gut angenommen werden, freut den Tanzlehrer.

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Ein Teil der Kurse kann nur mit Anmeldung besucht werden. Am Eingang wird jeder gebeten, sich die Hände zu desinfizieren. „Da wir immer schon Desinfektionsspender hatten, hat sich hier zum Glück kein Engpass ergeben“, erläutert Andre Kasel. Und auch in Bielstein achtet das Team um Inhaberin Jana Broichhagen auf größtmögliche Sicherheit für die Tänzer. Wie auch in vielen Restaurants werden die Mundschutz tragenden Tanzschüler am Eingang abgeholt und zunächst gebeten, sich gründlich die Hände zu waschen. Die Zahl der Paare pro Saal wurde angepasst, ein Mundschutz ist dort nicht vonnöten.

Vorweg ein anstrengender Selbstversuch

Jens Heimes berichtet, dass die Tanzlehrer im anstrengenden Selbstversuch zehn Minuten mit Maske tanzten: „Wir hatten das Gefühl, das können wir unseren Tanzschülern nicht zumuten.“ Also achten alle auf Abstand. Unterrichtet werden derzeit eher langsamere Tänze, bei denen man sich nicht in die Quere kommt. Betreten die Lehrer zwecks Korrektur die Tanzfläche, tragen sie Masken.

Tanzpaare bleiben deshalb in ihren Quadraten.

Eine regelrechte Eingangsschleuse gibt es derzeit in Gummersbach in der Tanzschule Höchst. Auch dort werden die Paare, die vorher online reservieren sollten, an der Tür abgeholt, desinfizieren sich die Hände, werden zu ihren Tanzpositionen geführt und dürfen dann den Mundschutz ablegen. „Wir haben sozusagen Planquadrate angelegt, in denen stationäre Tänze möglich sind. Damit können 14 Paare oder 14 Einzeltänzer zum Kurs kommen“, führt Inhaber Michael Höchst aus. Beim Verlassen der Tanzschule nehmen die Teilnehmer einen anderen Weg.

„Meckern nicht zielführend“

Das Buchungssystem funktioniert über eine Smartphone-App. Jeder Tanzschüler bestätigt auf seinem Gerät seine Anwesenheit, sodass genau nachvollziehbar ist, wer wann in der Tanzschule war. „Das alles ist aufwendig, aber auch mir und meinen Mitarbeitern gibt es Sicherheit“, ist Höchst überzeugt.

In allen Tanzschulen berichten die Kursleiter, dass die meisten Tanzschüler sehr entspannt seien. Es überwiege die Freude, dass das sportliche und soziale Miteinander wieder losgehen kann. „Natürlich ist das gerade eine komische Situation“, räumt Jens Heimes ein. „Aber unsere Tanzschüler achten sehr aufeinander.“ Tanzlehrer Michael Höchst findet es wichtig, den Tanzschülern das Gefühl zu vermitteln: Hier kann ich sorgenfrei hingehen.

Und auch Andre Kasel ist sicher: „Meckern ist nicht zielführend. Wir müssen das Beste aus dieser Situation machen. Und das tun wir gerade.“

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