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TierweltExkursion „Wintervogelbeobachtung“ an der Wiehltalsperre bot exklusive Einblicke

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Durch sein Fernglas beobachtet der neunjährige Noomi aus Reichshof gespannt eine Gruppen Höckerschwäne.

Durch sein Fernglas beobachtet der neunjährige Noomi aus Reichshof gespannt eine Gruppen Höckerschwäne.

Organisiert wurde die Exkursion von der Biologischen Station Oberberg, und geleitet vom Bergneustädter Ornithologen Heinz Kowalski.

Zwei weiße Höckerschwäne und dazu einige Kanadagänse sind die ersten Beobachtungen, die die rund 20 Teilnehmer der Exkursion „Wintervogelbeobachtung“ am Samstag am Absetzbecken der Wiehltalsperre machen. Nach der Begrüßung durch Team-Assistentin Jacqueline Jahn von der Biologischen Station Oberberg, die diesen Ausflug in die Natur organisiert hatte, erklärt der Bergneustädter Ornithologe Heinz Kowalski als Exkursionsleiter, wie jüngere von älteren Schwänen zu unterscheiden seien: „Die Alten haben einen roten Schnabel, während er bei deren Nachwuchs schwarz ist. Zudem haben die jüngeren ein gräuliches Gefieder.“

Während ein Fischreiher die Gruppe überfliegt, geht es weiter zur Krombacher Insel im Vorstaubecken. Kowalski erläutert, dass die Insel ursprünglich zur Bremsung des von der Wiehl einfließenden Wassers angelegt worden sei. Recht bald jedoch sei sie von Gänsen als idealer Brutplatz entdeckt worden. Zwar lieferten sich Kanada- und Nilgänse – beides invasive Arten – zu Beginn der Saison heftige Revierkämpfe, doch brüteten sie gemeinsam auf dem kleinen Eiland. Später wurde sie dann von einer Brauerei zu Marketingzwecken genutzt. Das daraufhin einsetzende touristische Interesse habe dafür gesorgt, dass der zuvor an der Straße zwischen Nespen und Dreschhausen beginnende Sperrbereich verschoben wurde, sodass nun ein Blick auf die Krombacher Insel möglich ist.

Eine Gruppe steht vor einer Infotafel in der Natur.

Begleitet wurde die Gruppe von Ornithologe Heinz Kowalski.

„Wir dürfen in den gesperrten Bereich“, sagt ein Sechsjähriger aufgeregt, als Kowalski das neue Tor dahinter aufschließt. Kurz danach beginnt denn auch das Abenteuer für die meisten Teilnehmer, ihnen bislang unbekannte Vogelarten zu entdecken. Drei Gänsesäger haben die Gruppe entdeckt und entfernen sich gemächlich an das andere Ufer. Der Ornithologe erläutert, dass die Tiere zur Gruppe der Enten gehören, auch wenn der Name anderes vermuten lässt. Im Schlepptau sind mehrere Reiherenten, die tauchend Teichmuscheln erbeuten. Derweil überfliegt ein Silberreiher das Gewässer. Dieser sei allerdings nur als Wintergast in der hiesigen Region, die Brutgebiete liegen etwa in Osteuropa.

Quer über eine kleine Bucht liegt ein umgestürzter Baum. Der Experte vermisst dort Kormorane, die den Stamm üblicherweise als Sitzwarte nutzen. Ebenso wenig lässt sich auf der Wanderung ein Eisvogel blicken. Die Gäste erfahren, dass dieser die Talsperre lediglich als Jagdrevier nutzt. Denn zur Brut benötigt er steile Lehmwände, in die er seine Höhle graben kann. Dafür aber erklingt der schöne Gesang einer Misteldrossel, laut Kowalski einer der ersten Vögel, die im Frühjahr singen. Doch waren dies nicht die ersten Vogellaute an diesem Tag. In den frühen Morgenstunden hatten hunderte Kraniche das Oberbergische überflogen: „Die ziehen derzeit hin und her – eigentlich wollen sie in ihre Brutgebiete in Nordosteuropa, aber dort ist es im Moment noch zu kalt und deshalb kommen sie zurück.“

Schließlich ist die Gruppe am Damm angelangt, der das Vorbecken vom Hauptbecken der Wiehltalsperre trennt und es bietet sich ein unvergesslicher Anblick: Unzählige Wasservögel halten sich im Dammbereich auf – neben Schwänen verschiedene Gänse- und Entenarten sowie Haubentaucher. Eine Frau sagt ergriffen: „Diesen Moment muss ich genießen – an dieser Stelle werde ich wahrscheinlich nie wieder im Leben stehen.“

Derweil hat sich der neunjährige Noomi aus Reichshof die Plattform des Aggerverbands als Aussichtspunkt erkoren und sein Blick schweift durch das Fernglas übers Wasser. Er erzählt: „Ich habe 17 Schwäne und 16 Kanadagänse gezählt.“ Seine Mutter Eveliese Schürg ist begeistert: „Wir gehen oft raus in die Natur, aber wir kennen die Vögel nicht. Heute haben wir viel Neues erfahren und demnächst nehmen wir auf unseren Touren auch ein Fernglas mit.“