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VogelweltSpatz ist nicht mehr der häufigste Vogel in Oberberg

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Ein Spatz im Schnee.

Der Rückgang der Sichtungen von Haussperlingen um 22 Prozent in Oberberg macht den Experten Sorgen. 

Der Haussperling landete bei Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ nur noch auf dem vierten Platz. Das hat auch mit dem Winterwetter zu tun.

Die Zahl der Haussperlinge in Oberberg geht offenbar deutlich zurück. Der Spatz war immer zuverlässig Spitzenreiter bei der „Stunde der Wintervögel“. Diesmal landete er bei der alljährlichen Zählaktion in Oberberg mit rund 1385 Exemplaren nur auf dem vierten Platz. Meistgezählte Vogelart war die Amsel (1848) vor Kohl- (1799) und Blaumeise (1475).

497 Hobbyornithologen sind vor zwei Wochen dem Aufruf des Naturschutzbundes gefolgt und haben am Wochenende 9. bis 11. Januar eine Stunde lang Vögel gezählt und die Ergebnisse für die Gesamtbilanz der „Stunde der Wintervögel“ durchgegeben. Nun liegen die Zahlen vor. Im Oberbergischer Kreis wurden in 391 Gärten 14.961 Vögel beobachtet. Beteiligung und Vogelzahl lag damit etwas über dem Vorjahr, auch beim Vergleichswert Vogel pro Garten.

Doppelt so viele Arten in der Bergneustädter Altstadt

Diese Zunahme und besonders der deutliche Anstieg der Amselsichtungen um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hat einen einfachen Grund, analysiert der Bergneustädter Experte Heinz Kowalski. „Wir hatten ja ein kaltes Schneewochenende“, erinnert der Sprecher des Bundesfachausschusses für Vogelkunde und Vogelschutz des Naturschutzbundes. „Bei diesen Bedingungen kommen die Vögel aus dem Wald zu den Futterhäusern.“ Auch bei ihm vor der Haustür in der Bergneustädter Altstadt habe er nahezu doppelt so viele Arten beobachtet wie sonst, darunter Buntspecht, Kleiber, Dohle und diverse Tauben.

Die zwischenzeitliche Winterflucht der Kraniche hat dazu geführt, dass außergewöhnlich viele dieser großen Vögel gesichtet wurden. Noch mehr als im vergangenen Jahr, so dass der Kranich mit 859 Tieren (+61) auf der fünften Platz landete, noch vor Star, Elster und Rotkehlchen. „Die Kraniche haben sich wegen des Schneefalls in Norddeutschland auf den Weg gemacht“, erläutert Heinz Kowalski. „Viele fliegen aber nur zwei Tage bis in die Normandie und kommen wahrscheinlich bald wieder zurück.“

Seltene Vögel an der Wiehltalsperre

Besonders interessant seien derzeit die Stauseen, sagt der Ornithologe, denn dort könne man derzeit noch andere Winterflüchtlinge aus Skandinavien und dem Baltikum beobachten. Er selbst habe an der Wiehltalsperre schon Zwergsäger und Pfeifenten gesichtet. Die starke Abnahme bei den Haussperlingen (-22 Prozent) zeigt sich auch im Bundesergebnis, obwohl der Spatz dort mit knappem Vorsprung die Spitzenstellung noch einmal verteidigte. Der Bestand in Wohnsiedlungen sei   seit Jahren rückläufig, stellt der Nabu fest. Aus der einstigen Spatzenhauptstadt Berlin wurden sogar 45 Prozent weniger Haussperlinge gemeldet. „Auch andernorts setzen Wohnungsnot und Nahrungsmangel dem Gebäudebrüter zu.“

Diese Feststellung macht Heinz Kowalski auch für Oberberg. Der Ornithologe glaubt zwar, dass ein Großteil der 374 beobachteten Feldsperlinge Verwechselungen waren und noch zu den Haussperlingen gerechnet werden müssten. Doch auch die Gesamtzahl der Sperlinge ging zurück. „Deshalb muss man sich Sorgen machen“, sagt Kowalski.

Den Vögeln fehle es zunehmend an Lebensraum. Als Nebeneffekt von Fassadensanierungen gebe es immer weniger Lücken in Gebäuden, in denen Spatzen nisten können, stellt der Experte des Naturschutzbunds fest. Geteerte Dorfstraßen und versiegelte Höfen hätten keine Mulden mehr, in denen die Sperlingen ein Staubbad nehmen können.

Jeder Gartenbesitzer könne einen Beitrag leisten, indem er Ersatz schafft, empfiehlt Heinz Kowalski. Über die Internetseite des Nabu kann man Nistkästen kaufen oder kostenlose Bauanleitungen herunterladen.