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Minimalistischer BauNotkirche kommt ins Lindlarer Freilichtmuseum

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Prof. Karl-Heinz Erdmann (2.v.l.) von der NRW-Stigtung übergibt den Förderbescheid in Höhe von 50.000 Euro an Klemens Krieger, den Vorsitzenden des Fördervereins des Museums.

Prof. Karl-Heinz Erdmann (2.v.l.) von der NRW-Stigtung übergibt den Förderbescheid in Höhe von 50.000 Euro an Klemens Krieger, den Vorsitzenden des Fördervereins des Museums. 

Sie hat eine interessante Geschichte, wurde aus der Not geboren, und wird jetzt zum zweiten Mal versetzt: die Kleinkirche aus Ratingen.

Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen, dann muss die Kirche zu den Menschen kommen. Dieser Spruch wird jetzt im LVR-Freilichtmuseum Lindlar Realität. Aber nicht, weil die Kirche dort ein neues Gotteshaus baut, sondern weil eine sogenannte evangelische Kleinkirche aus Ratingen in das Freilichtmuseum transloziert wird. Das Gotteshaus ist schon länger entwidmet und wird in Lindlar als Veranstaltungsraum wieder mit neuem Leben gefüllt.

Diese evangelische Kleinkirche hat eine ganz besondere Geschichte, wie Museumsleiter Michael Kamp bei der Vorstellung des Projektes mit den Architekten Kim Säger und Wolfgang Kamieth, dem Ratinger Pastor Thomas Gerhold, Baukirchmeister Rainer Düwel, Bürgermeister Sven Engelmann, Prof. Karl-Heinz Erdmann und Jutta Krumm von der NRW-Stiftung, Klemens Krieger und Werner Hütt vom Förderverein des Museums und Dagmar Hänel vom Kulturdezernat des Landschaftsverbandes Rheinland erläuterte. Schon der große Kreis machte deutlich, dass es um mehr als die 50.000 Euro Förderung der NRW-Stiftung geht, die Erdmann an den Vorsitzenden des Fördervereins, Klemens Krieger, überreichte.

Großer Mangel an evangelischen Kirchen im Rheinland nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im Bereich der Evangelischen Kirchen im Rheinland einen großen Mangel an Gotteshäusern, um den vielen heimatvertriebenen evangelischen Christen einen spirituellen Ort bieten zu können. Daher wurde nach dem ersten Bauprogramm 1951 acht Jahre später ein weiteres Bauprogramm verabschiedet. Der Düsseldorfer Architekt Helmut Duncker entwarf den sogenannten Typ A, eine Nurdachkirche, die aus sechs hölzernen Dreiecksbindern besteht, deren Zugband den Kirchenboden bildet und auf Betonfundamenten ruht, hat Kamp recherchiert. Das Gebäude ist neun Meter hoch, 12,5 Meter lang und 8,9 Meter breit. 1960 wurde die ersten Dunckersche Kleinkirche geweiht. In serieller Fertigung entstanden insgesamt 50 dieser Notkirchen.

Die evangelische Kleinkirche vom Typ A an ihrem Standort in Ratingen-Eggerscheidt.

Die evangelische Kleinkirche vom Typ A an ihrem Standort in Ratingen-Eggerscheidt.

Sie waren mit einer Lebensdauer von 50 Jahren konzipiert und boten gut 120 Sitzplätze. Die minimalistische Bauweise hatte Joachim Beckmann, der damalige Präses Evangelischen Kirche im Rheinland, gefordert. Sein Leitgedanke: „Je üppiger unsere Wirtschaftswunderwelt blüht, umso reiner und strenger sollten unsere Kirchen sein.“ Das spiegle der Typ A wieder, von dem noch 25 Stück erhalten seien, berichtet Kamp.

Minimalismus der Kirche passt hervorragend zum Museum

Der Minimalismus sei beispielhaft und die Kirche passe hervorragend zum Konzept des Museums. Denn es veranschauliche den ökologisch-umweltpädagogischen Bildungsansatz, sei ein Beispiel für ressourcenschonende Vorfertigung von Gebäuden, und bringe den Besuchern innovativen Holzbau näher. Für das Museum soll das Gebäude als neuer Ausstellungs- und Veranstaltungsraum dienen. Auch außerhalb der Öffnungszeiten soll das Gebäude, das neben der Kita direkt am Nordeingang wieder aufgebaut wird, genutzt werden können – der Zugang werde barrierefrei, erläuterte Werner Hütt.

Die Gemeinde sei froh, dass die entwidmete Kirche nicht verschrottet, sondern weiter als Versammlungsort mit Leben gefüllt werde, so Pastor Thomas Gerhold. Da die Gemeinde nicht die kompletten Mittel für den Abbau habe und auch der LVR kein Geld für die Translozierung zur Verfügung stellen könne, freuten sich alle Beteiligten über die Unterstützung durch die NRW-Stiftung. Der Förderverein steuert ebenso wie die Kirchengemeinde 100.000 Euro zum Projekt bei, 480.000 Euro kommen von der Denkmalstiftung. 725.000 Euro sind für das Projekt veranschlagt, es müsse eine Menge erneuert werden.

Losgehen soll es, wenn das Wetter mitspielt, Ende März, die Eröffnung wird für das Frühjahr 2027 erwartet. Das Museum ist die dritte Heimat für das Gebäude, das zuerst in Bonn-Holzlar errichtet wurde, bevor es dann nach Ratingen an seinen aktuellen Standort kam.