Naturschützer sind verärgert: Das Entfernen der Hecke sei unnötig gewesen und unsachgemäß durchgeführt worden.
KahlschlagWildhecke in Reichshof auf 200 Metern Länge abrasiert

So sah die Naturhecke bei Obersteimel (Gemeinde Reichshof) aus, bevor sie komplett entfernt wurde.
Copyright: Stefan Heitmann
Entlang eines Wirtschaftsweges, der südlich der ehemaligen Ortschaft Nothausen (Gemeinde Reichshof) bei Obersteimel verläuft, gab es bis vergangenen Monat eine Jahrzehnte alte Wildhecke. Im Dezember wurde sie auf einer Länge von rund 200 Metern bis auf die Bodenkrume abrasiert, „das ist unverständlich und mit aller Schärfe zu kritisieren“, sagt Stefan Heitmann.
Der Diplombiologe betont in diesem Zusammenhang die große Bedeutung von Hecken in unserer Kulturlandschaft als ökologisch wichtige Bestandteile. „Sie prägen das Oberbergische und sind Lebensraum für viele Arten. Daher ist der Schutz der Hecken besonders wichtig“, so Heitmann. Neben ihrer Schönheit seien sie nicht nur eine Bereicherung unserer Kulturlandschaft, sondern auch Erosionsschutz und Bestandteil des Mikroklimas. Heitmann: „Für die Tierwelt bieten Hecken, Verstecke, Nahrung und Möglichkeiten, ungestört mit anderen Biotopen wie Wälder und Wiesen in Kontakt zu treten.“ Zum Zeitpunkt des Eingriffs seien Igel, Spitzmäuse und Kröten in ihrem Winterquartier erheblich gestört wurden, ist er sicher.
„Tabula Rasa gemacht“
Gerade die jetzt verschwundene Hecke sei einmalig in der Landschaft gewesen und habe „in der Monotonie der Maisfelder für Abwechslung und den Erhalt der Artenvielfalt“ gesorgt – zumal dort der Neuntöter regelmäßig zu beobachten gewesen sei – eine Art, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehe. Eine fachgerechte Pflege der Wildhecke wäre notwendig gewesen, sei aber unterblieben, jetzt habe man „einmal Tabula Rasa gemacht und alles bis auf die Bodenkrume abgeschnitten“.
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Wo bis Dezember die Wildhecke stand, grünt oder blüht jetzt gar nichts mehr.
Copyright: Stefan Heitmann
Die Maßnahme sei völlig überflüssig gewesen, findet Heitmann: Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung Dritter bestanden, auch keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht seitens der Gemeinde Reichshof. Der Diplom-Biologe glaubt, dass die „Heckenrasur“ nicht in schlechter Absicht erfolgt sei, „dennoch aber auf keinen Fall nach anerkannten Standards. Daher kann man nur auf Besserung und andere Einsichten hoffen.“
Auch seitens des Naturschutzes ist deutliche Kritik an die Gemeinde Reichshof herangetragen worden, wie Bürgermeister Jan Gutowski auf Nachfrage bestätigt. Er forschte im Rathaus nach den Hintergründen des radikalen Heckenschnitts und es stellte sich heraus, dass der Baubetriebshof der Gemeinde den Rückschnitt vorgenommen hat.
„Anlass war die notwendige Freihaltung des angrenzenden Weges, um dessen ordnungsgemäße Nutzung wieder zu ermöglichen. In der Vergangenheit war es dort wiederholt zu berechtigten Beschwerden der Eigentümer der benachbarten Wiesenparzelle gekommen, da Fahrzeuge auf private Flächen ausweichen mussten“, antwortete der Bürgermeister schriftlich.
„Unabhängig davon muss ich einräumen, dass der Rückschnitt in der Ausführung deutlich zu radikal ausgefallen ist.
Der geplante Rückschnitt, so Gutowski, sei der Unteren Naturschutzbehörde bekannt gewesen, es habe auch bereits im November einen Ortstermin gegeben. Gutowski schrieb aber auch: „Unabhängig davon muss ich einräumen, dass der Rückschnitt in der Ausführung deutlich zu radikal ausgefallen ist. Hier lag offenbar ein Missverständnis in den internen Absprachen vor. Dies bedauere ich ausdrücklich und bitte Sie dafür um Entschuldigung.“
Nach fachlicher Einschätzung werde die Wildhecke wieder austreiben. Gleichwohl nehme man den Hinweis im Rathaus sehr ernst – man werde künftig bei vergleichbaren Maßnahmen „ein besonderes Augenmerk auf ein verhältnismäßiges Vorgehen sowie auf naturschutzfachliche Belange legen“.

