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Thema SchamFachberatungsstelle Wohnungsnot in Oberberg feiert 25-jähriges Bestehen mit Fachtag

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Ein Gruppenfoto: Rainer Schmidt (l.) und Susanne Hahmann (3.v.l., beide Diakonie Michaelshoven), Oliver Cremer (2.v.l., Kirchenkreis), Birgit Pfisterer (2.v.r., Caritas), Wilfried Fenner (r., Fachberatung Wohnungsnot).

Kooperationspartner: Rainer Schmidt (l.) und Susanne Hahmann (3.v.l., beide Diakonie Michaelshoven), Oliver Cremer (2.v.l., Kirchenkreis), Birgit Pfisterer (2.v.r., Caritas), Wilfried Fenner (r., Fachberatung Wohnungsnot).

Die Themen Scham und Menschenwürde standen im Mittelpunkt eines Fachtags der oberbergischen Fachberatungsstelle Wohnungsnot.

Scham und Menschenwürde sind zwei Themen, mit denen wohl jeder ganz persönliche Erfahrungen gemacht hat und besonders dafür sensibilisiert ist. Genau deshalb standen diese Themen am Dienstag im Mittelpunkt eines Fachtags der oberbergischen Fachberatungsstelle Wohnungsnot. Nicht nur, weil jeder mitreden kann, wenn es um Schamgefühl geht, sondern auch, weil das Thema in Bezug auf Wohnungsnot allgegenwärtig ist.

Anlass des Fachtags, der in den Räumen des Innovation Hub auf dem Gummersbacher Steinmüllergelände stattfand, war das 25-jährige Bestehen der Fachberatungsstelle, die in Trägerkooperation mit dem Kirchenkreis An der Agger, dem Caritasverband für den Oberbergischen Kreis und der Diakonie Michaelshoven arbeitet.

Vortrag und Diskussionsrunde zum Thema Wohnungsnot und Scham

Viele, die von Wohnungslosigkeit oder Wohnungsnot betroffen sind, schämen sich, eine Beratungsstelle aufzusuchen. „Diese Scham möchten wir den Betroffenen gerne nehmen und Klischees abbauen, damit sie mutig sein und sich uns öffnen können. Wenn sie zu uns kommen, ist das mit keinerlei Verpflichtung verbunden. Wir hören erstmal nur zu“, berichtete Rainer Schmidt, theologischer Vorstand der Diakonie Michaelshoven. Schmidt hatte zuvor die Moderation des Fachtags übernommen und eine Diskussionsrunde geleitet, bei der Engagierte und Betroffene über die Arbeit der Wohnhilfen Oberberg und die eigenen Erfahrungen berichteten.

Diskussionsrunde auf einer Bühne: Rainer Schmidt (l.) sprach mit (v.l.) Wilfried Fenner von der Fachberatungsstelle, Martin Kositzka (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, auf der Leinwand im Hintergrund), dem Mediziner Bodo Kunkelbach, Jeanette Rath als ehemalige Betroffene und Andreas Zimmermann (LVR).

Zur Diskussionsrunde hatte Rainer Schmidt (l.) eingeladen. Er sprach mit (v.l.) Wilfried Fenner von der Fachberatungsstelle, Martin Kositzka (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe), dem Mediziner Bodo Unkelbach, Jeanette Rath als ehemalige Betroffene und Andreas Zimmermann (LVR).

Der Diskussion vorangegangen war zudem ein Vortrag des Sozialwissenschaftlers und Sachbuchautors Stefan Marx zu den Kernthemen Scham und Menschenwürde. „Das war sehr inspirierend und bewegend“, berichtete Susanne Hahmann, Geschäftsführerin der Diakonie Michaelshoven. So habe sich in einer Pause zwischen den Programmpunkten schnell ein reger Austausch unter den Teilnehmenden des Fachtags entwickelt.

Nach Gummersbach gekommen waren neben Mitarbeitenden aus der Fachberatungsstelle Wohnungsnot und von deren Trägern auch weitere Kooperationspartner, beispielsweise vom Ordnungs- und Arbeitsamt, den Städten und Gemeinden, dem Oberbergischen Kreis sowie dem Landschaftsverband Rheinland. Und auch langjährige Weggefährten, die einst die Grundlagen für die Fachberatungsstelle und deren Jubiläum gelegt hatten, nahmen teil.

Auch die bisherige Arbeit wurde beim Fachtag auf den Prüfstand gestellt

Ziel der zweieinhalbstündigen Veranstaltung war neben dem Austausch auch, die bisherige Arbeit auf den Prüfstand zu stellen sowie neue Impulse zu geben. Die gute Nachricht vonseiten der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe und des Landschaftsverbands Rheinland lautete: Das Hilfesystem für von Wohnungslosigkeit bedrohte oder betroffene Menschen in Oberberg sei sehr differenziert. „Wir sind gut aufgestellt und können schon jetzt vielfältige Hilfen anbieten, die flexibel an die Bedürfnisse der Menschen angepasst werden können“, berichtete Rainer Schmidt erfreut.

Und Birgit Pfisterer ergänzte: „Wir möchten in Zukunft die Zielgruppe noch besser erreichen und sichtbarer werden. Eine Überlegung, die wir heute als Impuls mitgenommen haben, ist beispielsweise, Schulen einzubeziehen und schon dort auf unsere Arbeit und Hilfsangebote aufmerksam zu machen.“ Darüber hinaus gelte es, die Zusammenarbeit einzelner Behörden fortlaufend auszubauen. „Und wir sollten uns stets selbst daran messen, Menschen nicht zu beschämen“, ergänzte Susanne Hahmann von der Diakonie.

Das Ziel aller Beteiligten bleibt auch in Zukunft die Prävention. „Dass Menschen auf der Straße leben, ist nur das Ende der Fahnenstange. Wir können schon viel früher ansetzen“, machte Wilfried Fenner, Leiter der Wohnhilfen Oberberg, deutlich. Er wies zudem erneut darauf hin, dass Wohnungslosigkeit im Oberbergischen nach wie vor verdeckt und häufig nicht sichtbar stattfindet. Nur wenige Menschen leben kreisweit tatsächlich auf der Straße.


25 Jahre Fachberatungsstelle Wohnungsnot in Oberberg

Da es stationären und ambulanten Hilfsbedarf in Bezug auf Wohnungsnot gab, wurde vor 25 Jahren die Fachberatungsstelle im Oberbergischen, in Zusammenarbeit mit dem Kreis, ins Leben gerufen. Feste Beratungsstellen liegen im Nord- und Südkreis sowie in der Kreismitte: in Wipperfürth, Waldbröl und Gummersbach. In Haus Segenborn gibt es eine stationäre Hilfe.

Darüber hinaus finden in weiteren Kommunen Sprechstunden in Präsenz statt. Da das Angebot in Bergneustadt zuletzt jedoch kaum wahrgenommen wurde, bietet die Fachberatungsstelle, gemeinsam mit dem Jobcenter, dort seit August 2025 eine digitale Sprechstunde an. Diese werde, so berichtet Leiter Wilfried Fenner, deutlich besser angenommen. Seit zweieinhalb Jahren läuft zudem ein Modellprojekt zur Online-Beratung.

Sprechzeiten in Präsenz gibt es noch in Lindlar, Wiehl, Hückeswagen und wegen hoher Nachfrage zurzeit verstärkt in Radevormwald. Alle Informationen, Sprechzeiten und Adressen finden sich im Internet.