Michael Bischof übernimmt von Hans-Peter Fischer die künstlerische Verantwortung für die Abende in der Eckenhagener Barockkirche.
OrgelmusikKatholischer Musiker leitet evangelische Konzerte in Eckenhagen

Der Klang der Eckenhagener Barockorgel begeistert überkonfessionell. Hans-Peter Fischer (r.) übergibt sein Amt an Michael Bischof.
Copyright: Dennis Börsch
Der amerikanische Komponist Leonard Bernstein gibt das Motto für den Abend vor: „Das Wunderbare aber ist, dass die Gefühle, welche Musik in uns hervorruft, unendlich vielfältig sind.“ So soll es sein, wenn am Freitag die neue Reihe der Konzerte in der evangelischen Barockkirche von Reichshof-Eckenhagen startet. Um vielfältige Gefühle mithilfe der 1794 von dem Freckhausener Johann Christian Kleine installierten Orgel hervorzurufen, reist der Berliner Organist Florian Wilkes an. So groß ist die überregionale Anziehungskraft der Eckenhagener Orgel mit ihrem farbenreichen Klang.
Im Zuge des Auftaktkonzerts wird Hans-Peter Fischer, der frühere evangelische Kreiskantor, die künstlerische Leitung abgeben. Die Aufgabe übernimmt nun Michael Bischof – im Hauptamt katholischer Seelsorgebereichsmusiker. Über diese ökumenische Lösung sind beide froh. „Michael Bischof hat als Musiker einen Ruf und gute Kontakte“, sagt Fischer. „Er wird neue Ideen und neue Gesichter präsentieren.“
Übergabe nach 18 Jahren
Nach der Orgelrestaurierung vor 18 Jahren hat Fischer die Konzertreihe ins Leben gerufen. Laut seiner Auskunft hat sie ein Stammpublikum und dank der Unterstützung der Gemeinde und des Kirchenkreises zuletzt sogar einen Überschuss erwirtschaftet. „Es ist ein guter Zeitpunkt, die Verantwortung abzugeben“, sagt der 72-jährige Kirchenmusiker. Er will seinem Nachfolger beratend zur Seite stehen und sich ansonsten um das Musikprogramm in seiner Dieringhausener Heimatgemeinde kümmern.
Michael Bischof (59) ist als für den Seelsorgebereich im oberbergischen Süden zuständiger Kirchenmusiker eigentlich gut ausgelastet. Als Fischer die neue Aufgabe an ihn herantrug, habe sie ihn aber sofort gereizt. „Ich habe großen Respekt davor, glaube aber, dass es eine schöne Ergänzung zu der Konzertreihe ist, die ich in St. Michael in Waldbröl organisiere.“ Sein katholischer Arbeitgeber habe denn auch keine Bedenken gehabt. Bischof freut sich, dass ihm Fischer ein eingespieltes Team übergibt, dazu gehören Kreiskantorin Annemarie Sirrenberg, der Eckenhagener Pastor Martin Will und die örtliche Kirchenmusikerin Helene Jedig.
Eckenhagener Orgel ist nicht ungefährlich
Zum Orgelspielschrank über dem Altar führt eine gefährlich steile Treppe, die nicht ohne Grund den Namen „Kantorengrab“ tragen soll, wie Hans-Peter Fischer berichtet. Oben angekommen schwärmt aber auch Michael Bischof vom Klangreichtum des Eckenhagener Instruments. Dieses habe 35 klingende Stimmen, zwölf mehr als die Orgel von St. Michael in Waldbröl, entfalte aber einen ähnlichen Klang. Das liege am Orgelbauer Hubert Fasen, erläutert Bischof. Dieser habe das Eckenhagener Instrument restauriert und das Waldbröler gebaut.
Die zuletzt von Hans-Peter Fischer in Eckenhagen etablierte Mischung aus auswärtigen und oberbergischen Musikern will Bischof beibehalten. „Dass ich im aktuellen Programm häufig selbst auftrete, hat sich dabei eher zufällig ergeben.“
So wird er auch an dem Programm mitwirken, mit dem Ulrich Isfort bei einem erneuten Gastspiel in Oberberg auftritt. Der befreundete Geigenvirtuose spielt Bachs Chaconne in vier Variationen, ein Sprecher erläutert das musikalische Geschehen. Mit solchen Formaten möchte Bischof die Musik dem Publikum nun häufiger nahe bringen, „wenn es den Leuten gefällt“.
Michael Bischof ist sich eines besonderen Auftrags bewusst. Als Kirchenmusiker werde er kein reines Kulturprogramm machen, sondern die Zuhörer religiös ansprechen. „Wir können mit Musik auch Menschen erreichen, die große Vorbehalte gegenüber der Kirche haben.“ Vielfältige Gefühle sind jedenfalls im Eintrittspreis inbegriffen.
Die Termine
Freitag, 17. April, 19 Uhr, Eröffnungskonzert, Florian Wilkes (St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin) spielt Werke von Bach, Buxtehude, Pachelbel, Léon Boëllmann, Olivier Messiaen, George David Weiss, Astor Piazolla und Reinhard Mey.
Sonntag, 10. Mai, 18 Uhr, „Viermal Chaconne“, Ulrich Isfort (Violine), Michael Bischof (Orgel/Klavier) und Daniel Nießen (Sprecher) stellen Variationen des Bach-Stücks vor.
Freitag, 19. Juni, 19 Uhr, Markus Müller (Trompete), Michael Bischof (Orgel/Cembalo) und das Streicher-Ensemble Camerata Instrumentale Siegen spielen Werke von Telemann, Baldassare und Loillet.
Sonntag, 19. Juli, 18 Uhr, Kreiskantorin Annemarie Sirrenberg (Orgel) und Anne-Ruth Brockhaus (Querflöte) spielen Werke von Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach.
Sonntag, 30. August, 18 Uhr, „Alles nur geklaut“, Frank Stinder spielt an der Orgel Werke von Bach vom Original zur Bearbeitung.
Freitag, 30. Oktober, 19 Uhr, „Eine feste Burg – große Orgelmusik für Gläubige aller Religionen“, Johannes Geffert spielt Musik von Bach und aus dem Libanon und mischt sie mit asiatischen Klängen.
Freitag, 13. November, 19 Uhr, „Seele, lerne dich erkennen“, Antje Bischof (Sopran), Mechtild Franke (Blockflöten) und Michael Bischof (Orgel) spielen Kantaten aus „Der harmonische Gottesdienst“ von Telemann.
