Der Eckenhagener Pfarrer Martin Will blickt auf viele Veränderungen in der Kirche zurück und sagt: „Es gilt, sich dem Wandel ohne Jammern zu stellen.“
Pfarrer geht in RuhestandAbschied nach 32 Jahren aus Eckenhagen

Die Rolle der Musik in der Gemeinde war dem evangelischen Pfarrer Martin Will immer sehr wichtig.
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Am Sonntag (8. Februar) wird Pfarrer Martin Will um 15.30 Uhr in einem Entpflichtungsgottesdienst in der evangelischen Kirche durch Superintendent Michael Braun in den Ruhestand verabschiedet. Martin Will war seit 1994 Pfarrer in Eckenhagen. Anlässlich seines geplanten Umzugs nach Gießen blickt er zurück: „Meine Frau, Birgit Will und ich zogen seinerzeit mit unseren zwei Töchtern, Annika und Nikola, 1994 aus Bonn ins schöne Eckenhagener Fachwerk‐Pfarrhaus ein. Sina, unsere Jüngste, kam 1997 zur Welt. Oberberg ist mit Eckenhagen somit zu unserem Zuhause geworden.“
Der festliche Einführungsgottesdienst des neuen Pfarrers fand dann am 17. April 1994 statt. „Damals war noch nicht absehbar, dass Eckenhagen für fast 32 Jahre zu unserem Lebensmittelpunkt werden würde“, erklärt der Theologe.
Ein Sprung ins kalte Wasser
Das Theologie-Studium absolvierte er in Heidelberg, Marburg und Bonn wie auch praxisorientierte Ausbildungsabschnitte im Seminar und in der Bad Godesberger Erlöser-Kirchengemeinde, wo er das Vikariat und die Zeit als Pfarrer zur Anstellung mit ersten beruflichen Gehversuchen verbrachte. „In gewisser Weise war der Eintritt in die Eckenhagener Einzelpfarrstelle dann aber doch ein Sprung ins kalte Wasser. Wie sich schon bald zeigte, brachten diverse Aufgaben im Pfarramt Herausforderungen mit sich, die letztlich von keiner Ausbildung oder Praxisphase abgedeckt waren“, erinnert Martin Will sich.
Personalplanung, Finanzen, Sitzungen, Grundstücksangelegenheiten und Bauplanungen sowie Haushaltspläne gehörten zu diesen Herausforderungen. In den 2000er Jahren war zudem ein großes Projekt die Umwandlung des evangelischen Alten‐ und Pflegeheims Ragoczy-Stift in eine gemeinnützige GmbH mit eigener Geschäftsführung.
Die Rolle der Musik in der Gemeinde sei ihm immer sehr wichtig gewesen, blickt der Pfarrer zurück: „Wie gut tut es doch, bei einem kunstvollen, einfühlsamen Orgel oder Klavierspiel selbst Zuhörender zu sein, dem durch die Musik neue Kraft zufließt. Und wie wertvoll ist es, unter den Klängen des Posaunenchors, den Stimmen des Singteams und früher des Kirchenchors in Gottes Lob einstimmen zu dürfen oder einfach zuzuhören.“ Und er sagt, es habe sich viel verändert.
Alte kirchliche Gewohnheiten und Einstellungen, die noch in den 90er Jahren selbstverständlich schienen, sind inzwischen weggebrochen. „Ich denke zurück an fast schon überfüllte Gottesdienste, etwa am Totensonntag. Auch die Konfirmation ist längst nicht mehr ein ,Muss'. Selbst die kirchliche Beerdigung wird inzwischen nicht mehr wie selbstverständlich in Anspruch genommen. Es gilt aber, sich dem ohne Jammern zu stellen und nach neuen Wegen zu suchen, so dass Menschen in der Kirche wieder ihre besondere Heimat finden.“


