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Bunte KircheNeuer Glanz für Nümbrechts Himmel und Hölle

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Das Foto zeigt Restaurator Christian Rubin bei der Arbeit in der Kirche in Nümbrecht-Marienberghausen.

Für Restaurator Christian Rubin sind die Arbeiten in der Kirche in Nümbrecht-Marienberghausen ein Highlight, wie er selbst sagt. Dort rückt er dem Schmock zu Leibe, der sich im Laufe vieler Jahre auf den kostbaren Malereien angesammelt hat.

In der Bunten Kirche in Marienberghausen gefährdet Feuchtigkeit 500 Jahre alte Deckenbilder. Jetzt wird restauriert.

Die Hölle wird geputzt. Frisch gewaschen landen die armen Seelen demnächst im gierigen Drachenmaul, die Spinnweben und Stockflecken von den Heiligenscheinen der Apostel werden entfernt. „Es ist ein Highlight“, schwärmt Christian Rubin. Er ist der Restaurator, der mit seinen Mitarbeitern in den nächsten Wochen dem Schmock zu Leibe rücken wird, der sich im Laufe vieler Jahre auf den kostbaren mittelalterlichen Wandmalereien in der evangelischen Kirche angesammelt hat.

Noch wissen wir nicht, was dabei alles zum Vorschein kommt. Hoffentlich klappt alles wie geplant.
Pfarrerin Kirsti Greier

Nicht alle Tage darf der Fachmann an ein solches Kleinod Hand anlegen. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen sind, plant er hoch oben auf dem Gerüst unterhalb der Vierung die ersten Arbeitsschritte. Drei „Stockwerke“ tiefer, wo sie sonst predigt, mischt sich etwas Bangigkeit in die Begeisterung von Pfarrerin Kirsti Greier. Sie ist gekommen, um sich zusammen mit Presbyterin Susanne Goße, Küster Reinhard Holländer und Jens Schaldach vom Kirchenkreis An der Agger einen Eindruck vom Beginn der aufwendigen Arbeiten zu verschaffen. „Noch wissen wir nicht, was dabei alles zum Vorschein kommt“, sagt sie mit skeptischem Blick nach oben. „Hoffentlich klappt alles wie geplant.“

Das Foto zeigt ein Deckengemälde in der Kirche in Marienberghausen, das ein  Schwein mit Dudelsack zeigt.

Bild von einem Schwein, das Dudelsack spielt. Es sollte die Kirchenbesucher zum Lachen bringen.

Denn die Kirche, eine von fünf „bunten“ Kirchen in Oberberg, deren ältester Teil, der Turm, aus dem 13. Jahrhundert stammt, hat schon viel mitgemacht, unter anderem zwei Brände, denen wesentliche Teile zum Opfer fielen. Auch dass die so lebendigen Malereien bis heute erhalten blieben, ist keineswegs selbstverständlich. „Im Jahr 1500 wurden sie geschaffen, um den einfachen Bauern auf dem Land die biblische Geschichte nahe zu bringen“, erzählt Küster Reinhard Holländer, der die Kirche „seit seiner Geburt“ kennt, wie der 76-Jährige sagt. Wenn sein Vater dort die Orgel spielte, bestaunte er als kleiner Junge die zentrale Darstellung des Jüngsten Gerichts.

Details wie Gesichter sind verloren

Besonders die Hölle mit den roten und schwarzen Teufeln habe es ihm angetan, erinnert er sich. Um das Jahr 1620 allerdings waren sämtliche Malereien von den Reformatoren, die in Marienberghausen seit 1563 das Sagen hatten, wegen des Bilderverbots mit weißer Farbe übertüncht worden. 1908 wurden sie wiederentdeckt, frei gelegt und bunt übermalt. 1960 ging man mit dem historischen Erbe anders um, die Farbe kam wieder runter. Das alles ging nicht ohne Beschädigungen ab, viele Details wie Gesichter gingen verloren, die Farben verblassten.

Die vielen Besucher, die in der Vergangenheit die beliebte Kirche besuchten, auch die zahlreichen Hochzeitspaare, die sich hier ihr Jawort geben, stört das nicht, lässt sich doch an den Wänden immer wieder Neues entdecken. „Es ist wie ein mittelalterlicher Comic“, scherzt die Pfarrerin. Küster Holländer kennt jedes Detail, auch das Schwein, das Dudelsack spielt. „Solche originellen Abbildungen bauten die Maler damals ein als Gegenpol zu den Schrecken der Hölle, damit die Betrachter auch mal lachen konnten und nicht den Mut verloren“, weiß er.

Ihren Mut zusammen nehmen mussten vor allem die 818 Mitglieder der kleinsten evangelischen Gemeinde im Kirchenkreis, als sie sich vor zwei Jahren einen neuen Außenanstrich für ihre Kirche wünschten und dabei eine böse Überraschung erlebten. Denn bei der Begehung durch den Landschaftsverband stellte sich heraus, dass Feuchtigkeit und mangelnde Belüftung seit der letzten Restaurierung den kostbaren Fresken im Innenraum so zugesetzt hatten, dass sich stellenweise der Putz mitsamt der Farbe von den Wänden löst. Ein Schock.

Für die kleine Gemeinde, die sich auch als Hüterin des kulturellen Erbes versteht, ist die Restaurierung der Wandmalereien eine Herzensangelegenheit – aber auch ein finanzielles Wagnis. Mit 30.000 Euro sind die Kosten kalkuliert, leicht könnten es aber auch 50.000 werden, glaubt Presbyterin Goße. Rund 7000 Euro kommen aus Mitteln der Denkmalpflege, fast 11.000 Euro Spenden wurden mit verschiedenen Aktionen gesammelt. Der große „Rest“ ist Sache der Gemeinde.

Das Foto zeigt die evangelische Kirche in Marienberghausen.

Die evangelische Kirche in Marienberghausen.

„Wo sich der Putz löst, wird er mit vorsichtigen Injektionen wieder stabilisiert“, erläutert Diplomrestaurator Christian Rubin, der für die Kölner Firma Krauthäuser die Arbeiten in Marienberghausen ausführt. Stockflecken und Schimmel werden behandelt und abgetupft. Alles wird Zentimeter für Zentimeter mit einem Schwamm gereinigt; wo es baulich nötig ist, werden Risse verschlossen. „Es geht um den Erhalt, nichts wird hinzugefügt“, betont der Restaurator.

Anschließend wird denkmalgerecht an den alten Fenstern für eine bessere Belüftung gesorgt, damit Himmel, Hölle und die Versuchung des Heiligen Antonius möglichst lange im neuen, helleren Glanz erstrahlen. Wann es so weit sein wird? „Anfang Mai, zur Konfirmation“, hofft Kirsti Greier. Bis dahin wird Gottesdienst im Gemeindehaus gehalten.