Oberberg – Die 19-jährige Schülerin am Bergischen Berufskolleg in Wipperfürth stammt aus Afghanistan. Ihr neues Leben in Deutschland ist mit schweren familiären Schwierigkeiten verbunden, sie fürchtet sich vor einer Zwangsheirat. Natürlich belastet diese Situation ihre schulische Leistung. Und natürlich können die Lehrer ihr dabei kaum helfen.
Anders die Schulsozialarbeiterin Barbara Walter, die diesen Beispielsfall nun im Schulausschuss des Kreistags schilderte. Solche Einzelfallbetreuung mache einen Großteil ihrer Arbeit aus, sagte Walter. Dazu kämen Drogen- und Gewaltprävention in Gruppenarbeit und Hilfe bei der Bewerbung für Ausbildungs- und Praktikumsstellen.
„Enorme Entlastung für die Schulleiter“
Rainer Gottschlich, neuer Leiter des Kaufmännischen Berufskollegs Oberberg, nannte die Schulsozialarbeit „eine enorme Entlastung für die Schulleitungen“. Umso mehr sei es zu bedauern, wenn einige Schulen nun darauf verzichten müssten.
Denn dies ist die paradoxe Folge einer Neuausrichtung der Landesförderung. Zwar bekommt Oberberg mehr als 200 000 Euro zusätzlich, sodass einen 20-prozentigen Eigenanteil eingerechnet nun jährlich 790 000 Euro zur Verfügung stehen. Hiervon können 9,87 Stellen bezahlt werden. Vollzeitkräfte sollen aber nicht länger in mehr als zwei Schulen eingesetzt werden, Teilzeitkräfte nur an einer Schule. Die Schulsozialarbeiterin Walter findet das auch gut so. Dass sie sich auf die Arbeit am Wipperfürther Kolleg konzentrieren kann, war für sie ein Kriterium, die Stelle anzutreten. Caritas-Direktor Peter Rothausen weiß als einer der Arbeitgeber der Schulsozialarbeiter: „Die Mitarbeiter mussten sich bisher zerreißen. Deshalb gab es auch eine hohe Fluktuation.“
Neuordnung soll in einem Jahr überprüft werden
Allerdings können nun eben nicht mehr alle Schulen von Sozialarbeit profitieren. Die Kommunen müssen einzelne aussuchen. „Die Gemeinden haben die Qual der Wahl“, sagt Anke Koester, Leiterin des Amts für Schule und Bildung des Kreises. Helmut Rafalski (CDU) berichtete aus Waldbröl, dass die Zahl der Schulen, die durch Sozialarbeiter unterstützt werden, sich von fünf auf drei reduziert: „Da fällt viel hinten runter.“
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Kreisbildungsdezernentin Birgit Hähn hätte denn auch alles beim Alten gelassen: „Das System hat funktioniert, es gab keinen Verbesserungsbedarf.“ Auch Ausschussvorsitzender Christoph Hastenrath (SPD) schüttelte den Kopf: „Das Konzept überzeugt mich nicht.“ Er bat darum, die Neuordnung in einem Jahr auf den Prüfstand zu stellen. Die soziale Betreuung der Schüler wird bis dahin nicht an Bedeutung verlieren: Wie im Ausschuss deutlich wurde, hat die Corona-Krise die Schulsozialarbeit vor Herausforderungen gestellt, die von den Auswirkungen der Kriegsflucht aus der Ukraine noch übertroffen werden dürften.



