Seit drei Jahren ist der Schulweg in der dunklen Jahreszeit für einige Nümbrechter Grundschüler mit einer Mutprobe verbunden. Wegen mangelnden Platzes im Hauptgebäude wurden damals im Nümbrechter Schulzentrum Container aufgestellt. Um vom Busbahnhof dorthin zu gelangen, müssen etwa 100 Kinder der dritten und vierten Klassen durch ein unbeleuchtetes Waldstück laufen. Nun, da es morgens immer später hell wird, ist das aus Sicht der Eltern ein unhaltbarer Zustand.
Gemeinde sieht keine Möglichkeit zur Beleuchtung
Nachdem die Schulleitung nichts erreicht hat, wurden die Eltern aktiv und sprachen bei der Gemeinde vor. Diese sieht aber weiterhin keine akzeptable Möglichkeit, den Waldweg zu beleuchten. Bürgermeister Thomas Hellbusch sagt: „Wir haben den Weg notdürftig befestigt. Nur fehlt es dort an einer Stromversorgung.“ Im kommenden Jahr möchte die Gemeinde mit dem Bau eines Erweiterungstrakts für die Gemeinschaftsgrundschule beginnen. „Deshalb macht es keinen Sinn, jetzt noch im Wald eine Verkabelung und Lampen zu installieren“, meint der Bürgermeister und verweist auf die knappe Kasse. „Wir sind eine Gemeinde im Nothaushalt.“
Taschenlampen als Notlösung
In der vergangenen Woche gab es ein Gespräch zwischen Schulleitung und Gemeindeverwaltung, in der man sich auf eine Notlösung einigte: Alle Schüler sollen mit Taschenlampen ausgerüstet werden. Diese sind schon bestellt und sollen den Kindern nach den Ferien ausgehändigt werden. Beleuchtungen in den Bäumen oder LED-Leuchten lehnte die Gemeinde bei dieser Besprechung auch wegen möglicher Beschädigungen durch Vandalismus ab, schreibt die Schulleitung an die Eltern.
Eltern sind fassungslos und sorgen sich um die Sicherheit
Sarah Bock ist Klassenpflegschaftsvorsitzende und spricht für alle Containerklassen, wenn sie sagt: „Wir sind fassungslos und können nicht glauben, wie bei einem solchen Thema die Verantwortung für die Sicherheit des Schulweges auf die Grundschüler selbst übertragen wird." Die Lampen könnten kaputt oder verloren gehen. Die Kinder hätten die Hände nicht frei für Sportbeutel, Jacke oder Regenschirm. Und der Waldweg sei nass und rutschig, sobald es regnet. Neben der Unfallgefahr sei der dunkle Wald für die Kinder mit Angst verbunden. „Das Gelände ist frei zugänglich, es gibt keine Kontrolle darüber, wer sich dort morgens aufhält", gibt Sarah Bock zu bedenken. „Erst gestern tauchte dort eine unbefugte Person auf."
Lehrkraft führt Kinder mit Laterne durch den Wald
Als früheres Mitglied der Schulpflegschaft weiß Bock, dass das Problem schon lange bekannt ist. Weil die Gemeinde nicht gehandelt habe, habe die Schule zuletzt eine eigene Lösung finden müssen, berichtet die Elternvertreterin: Eine Lehrkraft leitet die zu einem festgelegten Zeitpunkt an einer Sammelstelle anwesenden Schüler mit einer Laterne durch das Waldstück zu den Unterrichtsräumen. „Die Schüler, die – zum Beispiel durch Busverspätungen – zu spät kommen, müssen den Wald im Blindflug durchqueren." Bock hofft, dass die Taschenlampen nicht das letzte Mittel bleiben werden und dass Schulleitung und Schulträger nach den Ferien einen neuen Plan entwickeln.

